Zucker und Zimt

von marie mehrfeld
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Die Rumpelkammer mit Spinnenweben
verrät mir dein Wesen, dein Innenleben,
am Nagel, da hängen die alten Klamotten,
zerlöchert sind sie, zerfressen von Motten,

die zärtlichen Briefe, vergilbt, unversiegelt,
darin sich dein suchendes Fragen spiegelt,
ich werde sie lesen und aufbewahren,
sie sind die Zeugen von glücklichen Jahren,

die silberne Schale mit Zucker und Zimt,
sie war für den Grießbrei mit Butter bestimmt,
du hast gestreichelt, du hast geschlagen,
den Widerspruch konntest du kaum ertragen,

dein Weinen hat sich im Kehricht versteckt,
Staubschichten haben Schmerzen bedeckt,
Zeiten des Klagens, sie sind nun vergangen,
ich bin in Gefühlen der Wehmut gefangen,

noch lastet der Duft des Gewesenen schwer,
doch hör’ ich dein leises Summen nicht mehr,
Gedanken der Andacht - zum Innehalten,
mit ihnen will ich den Abschied gestalten,

Sonne bricht durch zersprungene Scheiben,
du wirst mir noch lang’ im Gedächtnis bleiben,
nun hab’ ich noch einmal von dir geträumt,
doch morgen schon wird die Idylle geräumt ...

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Kommentare

23. Jun 2019

Und da ist noch dieser leicht modrige Geruch in den Rumpelkammern, Es riecht nach verblassten, vergilbten Papier, Büchern........Erinnerungen werden wach, bei jedem Stück das du siehst und berührst. Bilder steigen in dir auf und Momente lassen alles um dich herum vergessen. Du fühlst jene Freunde, jenen Schmerz und Wehmut. Zucker und Zimt wecken bei mir gemischte Gefühle und lassen Bilder aus Erinnerungen wachsen.

Liebe Grüße
Jürgen

23. Jun 2019

Deine gemischtem Gefühle verstehe ich, lieber Jürgen, Erinnerungen sind nicht nur hell, können auch bitter und dunkel sein, aber wenn man sich mitten in der Hinterlassenschaft eines ehemals vertrauten Menschen befindet, überdeckt die Wehmut - ein schönes deutsches Wort für den Zustand der Trauer – und Versöhnungswille alles negative Aufrechnen …

danke für Deine Worte und liebe Grüße zurück -
Marie

23. Jun 2019

Zum Greifen, die Erinnerung:
Die Schale, sie wird wieder jung!
(In puncto Spinnweben und Staub
Bleibt Bertha Krause leider taub ...)

LG Axel

21. Jul 2019

Ein Spinnennetz, das bringt uns Glück
und ist fürwahr ein Meisterstück,
Frau Krause hat die Putzwut wohl,
doch Spinnen töten ist frivol –
denn diese Tierchen sterben aus,
ich seh’ sie nicht mehr hier im Haus …

LG mit Dank zurück
Marie

23. Jun 2019

..."doch morgen schon wird die Idylle geräumt", dennoch, diese Erinnerungen, atmosphärisch hier in den Bann ziehend, sind unausräumbar, so meine Gedanken zu diesem starken Gedicht. Klasse Foto. HG schickt Dir, liebe Marie, Ingeborg

24. Jun 2019

Danke für das „starke Gedicht“, liebe Ingeborg, das Foto zeigt mein eigenes silbernes Zucker-und-Zimt Schälchen, ein Erbstück, an dem ich hänge, bei seinem Anblick kamen mir diese Abschiedsgedanken in gedichteter Form, die nur zum großen Teil der Phantasie zu verdanken sind …

Herzliche Grüße zurück - Marie

23. Jun 2019

Mancher Gegenstand, Geruch oder ein Bild, weckt Erinnerungen. Die Trüben, haben an Schwere verloren, rücken in ein anderes Licht doch, richtig hell, werden sie (bei mir) nicht …

Sei herzlich gegrüßt, liebe Marie
Soléa

24. Jun 2019

Danke, liebe Soléa, so richtig hell wird's bei mir auch nicht - angesichts der Riesenhitzewelle, die wieder einmal vor uns liegt, schon etwas unheimlich, aber es ist wohl die neue Realität ...

Ich grüße Dich herzlich zurück!
Marie

24. Jun 2019

Ja, sich von Erinnerungen zu verabschieden fällt schwer...

Liebe Grüße
Alf