Schweigepflicht im Büchsenlicht

von Annelie Kelch
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In der hohlen Hand des Tages dämmert das Büchsenlicht ...
Früh hungert es aus und am Morgen erhebt es sich spät
Längst noch nicht müd bin ich, wenn seine Flamme verweht
Aber schläfrig noch, blickt durch mein Fenster das Herbstgesicht.

Schiebt sich die Wolke vor den Mond, herrscht Schweigepflicht:
Über die Wälder hat sich das Zaubertuch der Nacht gelegt ...
Macht Luna euch süchtig und ihr gerät in den Bannforst – Fleht!
Um Gnade ... Der König zerrt euch vors Hochgericht.

Betrittst du die Blätterzone, hab acht vor den vielen Bäumen
Leg auf die Goldwaage jedes Wort, das du am Stamme liest
Rühmen sich Kriege, Schlachten, verbirg dich in deinen Träumen
Du bist noch zu jung, um zu sterben: bleib … bleib Pazifist.

Auf der Lichtung des Waldes harrt wie verzaubert das Reh …
Sanft und hell ist das Büchsenlicht am Morgen: voller Mond
Nach dem Schuss breitet sich Schweigen aus und wie gewohnt
Zieht durch die Fichten ein blutig trauerndes Morgenweh.

Büchsenlicht (von Büchse in der Bedeutung „Jagdgewehr“) bezeichnet für die Jagd günstige Lichtverhältnisse in der Dämmerung morgens und abends. Man spricht auch bei starkem Mondschein (bei Vollmond) von ausreichendem Büchsenlicht. In Deutschland ist es verboten, bei der Jagd künstliche Lichtquellen oder Nachtzielgeräte einzusetzen. Für bestimmte Tiere gilt ein nächtliches Jagdverbot. Nachtzeit ist danach 1,5 Stunden nach Sonnenuntergang bis 1,5 Stunden vor Sonnenaufgang. Quelle: Wikipedia. Ich persönlich bin auch fürs Schweigen der Jagdgewehre bei Büchsenlicht.

Bild: Copyright: Annelie Kelch, digital
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Interne Verweise

Kommentare

24. Okt 2018

Liebe Annelie, du sprichst, was Armee angeht, aus der Seele. Ich war zur Leutnant der NVA, wurde Pazifist und verweigerte nach den Ereignissen in der CSSR und Polen den weiteren Dienst. Da stand ich selbst im Büchsenlicht der Staatssicherheit und weiß, wie es sich anfühlt.
LG Uwe

24. Okt 2018

Im Büchsenlicht der Staatssicherheit ... das stelle ich mir schrecklich vor, lieber Uwe. Dabei kommt mir sogleich der Film: "Das Leben der anderen" mit dem leider verstorbenen Schauspieler Ulrich Mühe in den Sinn. Es gehörte gewiss sehr viel Mut dazu, den Wehrdienst zu verweigern. Das kann man wirklich nur loben und Dir zu Deiner großen Tapferkeit gratulieren. Lieben Dank für diesen klasse Kommentar, lieber Uwe,

LG
Annelie

24. Okt 2018

Danke, lieber Ekki. Die Jagd ist ja m.E. auch eine traurige Angelegenheit. Möge es nie mehr Büchsenlicht geben.

LG Annelie

24. Okt 2018

Ein sehr gutes Herbstgedicht der besonderen Art, das nachdenklich stimmt und mich nicht zum Zurückreimen anregt. "Leg auf die Goldwaage jedes Wort, das du am Stamme liest" - das hat mich am meisten angesprochen, Annelie.

Liebe Grüße - Marie

24. Okt 2018

Danke, liebe Marie, für Deinen Kommentar, der mir sehr gefallen hat und goldwert ist. Mit der Blätterzone, Du hast es bemerkt, meinte ich u.a.auch den Zeitungswald ... das Internet kommt noch hinzu. Man darf nicht alles glauben, was einigen die Tinte oder der Druck wert sind. Ich hatte kürzlich im Internet vom Löwenzahntee gelesen, der angeblich fürs Allgemeinbefinden Wunder vollbringen soll. Als ich dann in der Apotheke die Packung in der Hand hielt, hätte ich fast losgeprustet: Groß und breit stand drauf: Für die Verdauung! - Da ich derartige Probleme nicht habe, wollte ich schon einen Rückzieher machen und dem Apotheker die Packung zurückgeben, dachte dann aber daran, was im Internet alles an diesem Tee gelobt wurde. Als ich zu Hause über die Nebenwirkungen las, war ich bereits geheilt und entschlossen, mit meinem Allgemeinbefinden lieber zufrieden zu sein.

Liebe Grüße,
Annelie

25. Okt 2018

Liebe Annelie,
Dein wunderbares Gedicht weckt eigentlich schöne Erinnerungen aus Kindertagen.
So unterschiedlich können Empfindungen sein.
Wenn die Jäger damals zur Jagd gingen, hieß das für uns Kinder, es gibt bald wieder leckeren Rehgulasch zu essen. Wir konnten es kaum abwarten.
Heute betrachte ich das Ganze etwas differenzierter, kritischer, aber damals war das so.

Herzliche Grüße,
Ella

25. Okt 2018

Oh, Ella, Du machst was mit mir. Ausgerechnet Rehbraten ... Ich fand diese Tiere schon als Kind so knuddelig und schön, wie sie in meinen Märchenbüchern auf mondbeschienenen Lichtungen standen, so zart und mit verletzlichen großen braunen Augen. Aber Hasenbraten musste ich auch essen, schmeckte mir, ehrlich gesagt, nicht besonders, eher Ente und Gans zu Weihnachten. Aber ich will Dir Deine schönen Erinnerungen auf gar keinen Fall nehmen und danke Dir für Deinen Kommentar, je vielfältiger die Kommentare sind, desto besser.

Liebe Grüße,
Annelie

25. Okt 2018

Es gibt, Jagd und Jagd. Die Wildschweinplage ist hier, in meiner Umgebung sehr extrem. Die Tiere, sage ich mal, werden immer dreister, dringen in die Gärten, gar Vorgärten ein. Nicht nur die Verwüstung, die sie hinterlassen ist ärgerlich, auch ungefährlich sind die Borstentiere nicht. Ein geregelter Abschuss, wäre/ist schon angemessen. Nur frage ich mich, was es an qualifizierten Jägern gibt. Heute kann fast jeder einen Jagdschein machen, das Ergebnis in Frankreich (die Saison hat erst begonnen): Ein toter Biker und 9 weitere angeschossene Menschen, darunter auch ein Treiber … so geht das natürlich nicht! Abschießen sollten nur erfahrene und gewissenhafte Jäger und keine möchte gern Dangos. Ein mit gezielten Schuss erlegtes Wild, hatte auf jeden Fall ein gutes und freies Leben in der Natur, nicht wie all das eingepferchte und in Ställen hausende Nutzvieh das für unseren Genuss (?) herhalten muss …

Aber ganz unabhängig davon, liebe Annelie, ein schönes und nachdenkliches Gedicht.
Liebe Grüße
Soléa

25. Okt 2018

Danke, liebe Soléa, für Deinen sehr guten Kommentar. Ja, bei einer Wildschweinplage wäre eine Dezimierung schon angebracht. Ich möchte auch keiner Wildsau gegenüberstehen. Aber so ein liebes Reh abgeknallt zu wissen, ist mir überhaupt nicht recht. Erfahren sollten Jäger auf jeden Fall sein. Ich mag Sonntagsjäger überhaupt nicht. Ja, es kommen sehr oft auch Menschen zu Schaden oder gar um, harmlose Jogger etc. Das ist doch entsetzlich; daran sieht man, wie leichtsinnig manche "Jäger" mit der Waffe umgehen. Danke auch für Dein liebes Lob.

Herzliche Grüße zu Dir,
Annelie