Einsam

von Soléa P.
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Regen prasselt auf blinde Scheiben
angebranntes Essen, verkrustet im Topf
die Katze tut wildernd sich herumtreiben
er, aus Verzweiflung, sich wieder besoff.

Alleine ist er schon viel zu lange
die Kinder aus dem Haus, seine Frau längst Tod
vor Alltag und Nachbarschaft ist ihm Angst und bange
in seinem Leben ist überhaupt nichts mehr im Lot.

Mit schlurfenden Schritt geht verhärmt er zum Fenster
Menschen, doch keiner schenkt ihm einen Blick
fühlt sich wie ein Aussätziger, wie ein Verbrecher
kämpft mit dem Gedanken, "nehme ich mir den Strick?“

Er tut`s nicht, vegetiert weiter in den Tag
ist Weihnachten vielleicht mit den Kindern vereint
manchmal fragt er sich verzweifelt woran es wohl lag
und grübelt weiter, warum alles so Hoffnungslos scheint…

Ouelle: Privat
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Kommentare

25. Feb 2017

Liebe Soléa,
weshalb sollte man es allein nicht aushalten, in Gedanken an seine (liebe) Frau - und, wenn man dann noch Kinder hat, denen man Gutes tun kann ... ich finde dein Gedicht zu pessimistisch. Es gibt viele Menschen, denen niemand einen Blick, ein Lächeln schenkt. Ich habe gestern zumindest ein, zwei Lächeln verschenkt - denke jeden Tag an viele Menschen, auch an Verstorbene, die mir sehr lieb waren und die ich sehr, sehr vermisse. Deshalb fühle ich mich auch nie einsam - die Erinnerung macht mich zum Teil sehr glücklich, und ich weiß, dass ich alle wiedersehen werde.

LG Annelie

25. Feb 2017

Danke liebe Annelie für Deine Meinung. Es scheint als leben wir in zwei verschiedenen Welten. In meiner gab es die Nachbarsfrau mit Kindern, die, um am Leben teilzunehmen, den ganzen Tag den Fernseher laufen ließ. Ein Mann, garstig und kantig aber Mensch, lag 4 Tage tot in seinem Haus…
Nicht jeder alte Mensch hat Verwandtschaft in der Nähe, oder Sie sind Eigensinnig in Ihrer Einsamkeit geworden, werden deshalb gemieden und nehmen oft nicht wahr, dass Sie sich zu Ihrem Nachteil verändert haben.
Liebe Grüße
Soléa

25. Feb 2017

Liebe Soléa,

es ist sehr schlimm - und ganz besonders für Kinder, wenn man aus einer sogenannten 'Gemeinschaft' ausgestoßen wird. Ich habe auch zweimal auf dem Dorf gelebt - und obwohl wir zwar den Pastor nebst Familie und zwei, drei weitere Familien kannten, waren wir nicht wirklich in der sogenannten Gemeinschaft - und ganz ehrlich gesagt, hätten wir da auch nicht reingewollt. Wir, ich waren noch nie für Vereine (Kegeln etc.) und große Gemeinschaft, und ich würde mich niemals irgendwo 'ausgestoßen' fühlen, weil ich mir selbst genüge und in der Lage bin, Freundschaften einzugehen, sofern ich es will. Meine Freundschaften im Leben haben über Jahre hinweg Bestand gehabt. Jeder muss das selbst wissen - aber was ist das für eine Gemeinschaft, die andere meidet und ausstößt? Darauf kann ich gut verzichten.

LG Annelie
P.S. Momentan habe ich keinen Fernseher, weil ich lieber lese, aber manchmal vermisse ich die Tagesschau und werde mir notgedrungen wieder einen anschaffen (müssen). Möglicherweise gibt es auf dem Land nicht allzu viel Angebote für Mütter mit Kindern? Die hätte und habe auch ich wahrgenommen.

25. Feb 2017

Liebe Annelie,
meine Antwort bezog sich auf mein Gedicht, auch im Bezug auf die Nachbarsfrau. Sorry das ich bei Ihr nicht erwähnt hatte, das auch Ihre Kinder groß und aus dem Haus sind… Ich unterhielt mich häufig und lange von Zaun zu Zaun mit der Dame und sie klagte oft über die Interessenlosigkeit ihrer Söhne und das sie sich alleine fühle… und um der Stille zu entgehen den ganzen Tag lang der Fernseher lief. Damal wohnten wir noch in der Stadt. Wir/ ich sind auch keine Vereinsmenschen und kommen gut „allein“ klar, suchen auch nicht um jeden Preis Kontakt, egal auf welche Art. Doch habe ich, wie andere bestimmt auch, in meinem Leben erfahren müssen, dass Freunde nicht immer Freunde sind und bleiben. GUTE Freunde sind rar, die pflügt man nicht wie Butterblumen.
Wenn ich einmal alleine zurück bleibe und meine Kinder in der Welt sind, weiß ich nicht wer und ob mir dann, wenn ich schrullig und alt bin, wer zur Seite stehen kann oder will. Ich weiß es nicht!

Liebe Grüße und einen schönen Abend an alle…
Soléa

25. Feb 2017

Doch, diese Einsamkeit gibt es! Natürlich liegt es auch oft an jedem Einzelnen, wie er/sie sich öffnet, aber unabhängig davon sind viele Alte, Kranke, Behinderte, Flüchtlinge und Alleinstehende in unserer Gesellschaft einsam und wissen oft nicht mehr ein und aus in ihrem Seelenleben, Dies weiß ich aus Erfahrung. LG Ekki

25. Feb 2017

Ich lebe auf dem Land im kleinen Dorf (so 245 Einwohner) . Es ist eine Mischung von alt Eingesessenen und zugezogenen Jungen, modernen und altmodischen Menschen… meist alle sich fremd. Jeder lebt hier sein Leben. Wer nicht die lokale Zeitung hat, bekommt nichts mit, außer, man trifft die „Dorftante“… Idyllisch hier, doch jeder für sich. Dank Dir Ekki für die Meinung und
Liebe Grüße
Soléa

25. Feb 2017

Lieber Ekki,

ich habe dabei keineswegs an Flüchtlinge, Alte, Kranke und Behinderte im Allgemeinen gedacht, sondern an den alten Mann, der noch Kinder hat, ein Dach über dem Kopf, Essen hat (er lässt es anbrennen), seine Frau möglicherweise schlecht behandelt und jetzt Gewissensbisse hat, und offenbar nicht den geringsten Glauben an eine höhere Macht. Es gibt Menschen, die obdachlos sind, Flüchtlinge ohne Perspektive, die ihre Angehörigen verloren haben, Kinder, die allein in der Welt umherirren, Menschen in aller Welt, die unschuldig in Gefängnissen sitzen - da soll ich mir Gedanken über einen alten Mann machen, der seiner Frau nicht lieb gedenken mag? Nein!

LG Annelie

25. Feb 2017

Den Mann sehe ich vor mir, er passt in sein Haus. Zu helfen ist ihm wohl nicht ...
LG Marie

25. Feb 2017

Nein liebe Marie, da muss er schon selbst was tun und sich wieder ins Leben schaffen…
Dir einen schönen Nachmittag und Grüße
Soléa

25. Feb 2017

Es liegt an einem selbst, was ihn erwartet,
die Schuld muss man halt selber tragen,
denn wenn man allzu lange wartet,
dann ist es aus, mit seinem Plagen.
Wer nur die Hände in den Schoß legt
und glaubt dabei, es ginge schon,
der hat in allem nicht richtig gelebt,
und muss seine Schuld mit Würde tragen.
Die meisten machen einen Fehler,
benehmen sich, wie Schwein im Stall,
in jedem Fall, und auch der Hehler
lebt ständig mit seinem Wutanfall.
Anstatt mal selber in sich gehen,
wir sind ja nicht nur fehlerfrei,
man muss den Partner auch verstehen,
es ist ihm ernst, nicht einerlei !

25. Feb 2017

Manches im Leben läuft nicht wie gewünscht
man fühlt sich verloren vom Leben gelyncht
das Schicksal hatte einen anderen Plan
es lief nicht geschmiert, auch nicht alles in der Bahn
der Schmerz sitzt so tief, wie der Dorn im Fleisch
sich da noch aufzurappeln, fällt vielen nicht leicht…

Danke für Deine Gedanken Alfred und liebe Grüße
Soléa

25. Feb 2017

... benehmen sich wie Schwein im Stall, ist gut, Alfred; aber irgendwann muss ja auch Schluß mit der Schweinerei sein; und die arme Frau ist längst tot. So ein Schicksal kann jeden ereilen. Man sollte sich - trotz aller Trauer - zusammenreißen, sonst lebten wir bald in einem Schweinestall. Nicht auszudenken, wenn sich auch Politiker dermaßen gehen lassen würden. Dann hätten wir bald die Anarchie - nicht, dass ich etwas dagegen hätte; ich würde niemandem etwas zuleide tun, wäre eine gute Anarchistin; aber es gäbe ganz sicher ganz viele, leider, die in jener 'Ohne Herrschaft' alles kaputtschmeißen würden.

LG Annelie