Midsommar ...

von Annelie Kelch
Mitglied

Blutende Felsen – dort,
wo eine Hand die andere wusch.
Erbrochenes bahnt sich den Weg
über die Promillegrenze;
Gebete, geflüstert,
vor leeren Kinderbetten ...
Noch herrscht Lichtzwang.

Blutjunge Clowns mit
zerlaufener Wimperntusche
erwachen neben fremden Männern
in fremden Booten: verwelkt ...
wie Blumenkränze und Tortenträume.
Schären werden geräumt.

Die Suchaktion beginnt ...
im halluzinativen Gedächtnis,
von keiner Sonne erhellt.
Heimwege ebnen sich,
Würgemale verblassen,
Messer, Steine fallen, Tote
finden nach Haus.

Was nicht mehr atmet
von Mund zu Mund,
wird eingesammelt;
den Rest fressen die Möwen.

Während begraben wird,
setzt Regen ein: der letzte
Tatortreiniger –
von Gottes Gnaden.

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Kommentare

27. Apr 2018

Was hinter frohen Festen steckt,
Ward stark hier per Gedicht entdeckt ...

LG Axel

27. Apr 2018

Dank, Axel, Dir, für Deinen Kommentar,
Midsommar wird gefährlicher - von Jahr zu Jahr.

LG Annelie

27. Apr 2018

Liebe Annelie,

Du hast offenbar schlechte Erfahrungen gemacht. Das ist schade.
Die relativ wenigen Großveranstaltungen sollte man meiden. Die Tausenden idyllischen in den ländlichen Gebieten, die durchweg ein Fest für die Kinder sind, sollte man wählen. Man findet sie überall.

Liebe Grüße von Willi,
der jedes Jahr eines dieser kleinen, arrangiert von einem Heimatverein, besucht.

27. Apr 2018

Ein Glas Wein oder zwei ... oder ein guter Wiskey am Abend hebt die Stimmung, ist ein Elixier. Alkohol als Suchtmittel ist aber genau so gefährlich wie andere weniger gesellschaftfähige Drogen. Verbot ist nicht die Lösung, dann fahren die Menschen über die Grenze einzig zu dem Zweck, sich sinnlos - bis zur Besinnungslosigkeit - zu besaufen. Das habe ich in einer Lübecker Kneipe vor langer Zeit erlebt. Mich erschrecken aber auch die enthemmten Partys Jugendlicher, wenn sie z.B. das Abi bestanden haben. Ein sehr gut geschriebenes Gedicht über ein etwas tabuisiertes Thema, das mich antickt, Annelie.

Liebe Grüße Marie

27. Apr 2018

Danke für Dein Lob, über das ich mich sehr gefreut habe, liebe Marie. Nachdem ich viele Zeitungsartikel, auch aus dem Schwedischen übersetzt, gelesen habe, habe ich gestern am späten Abend noch dieses Gedicht geschrieben, nach einem Film "Tod im Mittsommer" der aktuellen Serie "Mittsommer", aus Schweden nach Deutschland gebracht. Alle Fälle waren bisher überaus glaubwürdig. Dieses Gedicht gilt ja nicht nur für dieses besondere Schwedenfest. Abifeiern zum Beispiel, die Du hier ansprichst, sind ebenso von diesen Exzessen betroffen. Als überaus gefährlich schätze ich die harten Drogen ein, unter deren Einfluss mehr oder weniger harmlose Jugendliche total ausflippen und zu (Tot-)Schlägern und Mörder werden, was ohne Drogen wahrscheinlich nie eingetroffen wäre. Deshalb bin ich der Meinung, dass Drogendealer nicht hart genug bestraft werden können und, wenn möglich, resozialisiert bzw. davon überzeugt werden müssen, wohin ihr verhängnisvolles Handeln führen kann.

Liebe Grüße,
Annelie

27. Apr 2018

Lieber Willi, danke für Deinen Kommentar. Das war keine Kritik am schwedischen Midsommar. Und nein, ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht; aber viele Polizeiberichte gelesen. Und ich glaube Dir aufs Wort, dass in den ländlichen Gebieten "Midsommar" sehr idyllisch gefeiert wird.
Darüber hinaus gibt es hier in Deutschland eine Krimiserie, die "Mittsommer" heißt. Der ermittelnde Kommissar, er heißt "Thomas" (Jakob Cedergren), ist einer der sympathischsten Kommissare, die ich je im Fernsehen beäugt habe. Die Schauspieler sind aus Schweden. Die Serie ist aus Schweden zu uns gekommen und wirklich gut. Ich befürchte, dass sie gestern zu Ende gegangen ist. Nein, ich bin noch nie im Boot neben einem fremden Mann aufgewacht. Außerdem habe ich noch nie Wimperntusche benutzt. Ich habe lediglich viele Zeitungsberichte, auch übersetzt aus Schweden, gelesen und diese Serie gesehen, unter deren Eindruck ich dieses Gedicht geschrieben habe. Nun sei nicht länger mucksch, Willi, ich glaube Dir gern, dass es an den meisten Orten harmonisch zugeht, aber längst nicht überall.

Ganz liebe Grüße zu Dir und Gulan,
Annelie

27. Apr 2018

Da bin ich aber froh, dass Du privat keine diesbezüglichen Erfahrungen gemacht hast.
Diese schwedische Filmserie kenne ich gar nicht. Ich (wir) sind wahre Filmmuffel. (Obwohl unser Sohn im Filmgeschäft tätig ist.)

LG
Willi

28. Apr 2018

Skandinavischer Krimi, in seiner gedrückten Stimmung und Grausamkeit.

LG, Susanna

28. Apr 2018

Danke, liebe Susanna. Im Allgemeinen sind die Schweden ja sehr aufgeschlossen; aber Du hast Recht: Die Krimis sind oft sehr düster, obwohl mir gut gefällt, wie - möglicherweise oberflächlich betrachtet - die Menschen dort miteinander umgehen: frei und ungezwungen.

LG Annelie

28. Apr 2018

Heute, liebe Annelie, kommt jeder an alles schnell und leicht dran. Egal wo, selbst im Knast florieren die Geschäfte.
Armut und Ausgrenzung tun das eine, schlechte Vorbilder und Umgang das andere. Ein Teufelskreis, unabhängig von Ort und Land.

Viele liebe Grüße zu dir nach Lübeck
Soléa

28. Apr 2018

Danke, liebe Soléa, für Deinen guten Kommentar. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, dass im Knast die Geschäfte ganz hervorragend florieren, ohne selbst Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht zu haben; dabei soll doch resozialisiert werden. Ob wir jemals aus diesem Teufelskreis rauskommen oder ob es noch schlimmer werden wird, bleibt dahingestellt.

Liebe Wochenendgrüße zu Dir und Deinen Lieben
nach Frankreich,
Annelie