Die Klage an Ornithophobia

Bild von Ida Reich
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Ich landete auf Stymphalos,
die Segel trieb der Wind,
umhüllt von Schlaf und Morgenröte,
war ich bei deinem Schlüpfen blind.

Das rote Aug' stieg einst gen Himmel,
als sie die Taubenfedern zückten,
und unter Gurren und Gewimmel,
das Pergament mit Fehlern schmückten.

Durch die Tiefen der Archive,
will ich schreiten und nicht schleichen,
doch bin ich noch in ihren Krallen,
und muss dunklen Schwingen weichen.

Erstarrt durch dein Gurr'n, Gorgone!
Echidnas Brut musst du wohl sein!
Leben, gib mir Kupferglocken!
Lethes Heilung mir verleih!

Denn ich seh tausend rote Augen,
reale Wahrnehmung versagt,
Argos, umhüllt in Rattenfedern,
schon vom Grauen an, mich jagt!

Turteld, lieblich, in blauem Schimmer,
im Seuchennest Ungeziefer sich paaren!
Eisig grölt Paniks hitzige Stimme:
„Dort oben nisten unendliche Scharen!“

Von der Luft her die gierigen Harpyien erscheinen,
es reih'n sich Kadaver vor stampfenden Beinen,
die Passanten mit ihren und ich mit meinen,
zermalmtes Gefieder mit Asphalt vereinen.

Venezianischer Himmel,
in Asche ergraut.
Ich erstarre beschämt

mit Taubenhaut

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