Aplysia

von ulli nass
Mitglied

die Meeresschnecke hat
tausende Nervenzellen nur
circa hundert Milliarden
jede Frau, jeder Mann
sind wahre Wunder der Natur
und vieles
was niemand bisher erklären kann

wir sind explizit Gedächtnis
mit Hilfe von Botenstoffen
neuronalen Netzwerken
von irritierender Komplexität

der Evolution großes Vermächtnis
-sie ist immer ziellos offen -
und mit filigranem Gewebe
in ständiger Aktivität

dabei ist ein Neuron
ganzes Universum schon
ein erstes zartes Streben
hin zur Realität der Welt

Erkennen ist der hohe Lohn
stets angefärbt mit Illusion
das Überleben unsrer Art
ist zunächt alles, was zählt

Einspeicherung und Abruf -
Arbeitsgedächtnis und
Hippocampus sind in großer Pflicht
und ohne beide geht es nicht

beide sind unverzichtbares sine qua non
ist Information erfasst und codiert
wird sie bewahrt im Kopf
für längere Zeit dann schon

beschreibbar sind
Gedächtnisformen
nach Funktion und Speicherzeit
doch deskriptive Verfahren
machen nicht viel klüger
man kommt mit ihrer Hilfe
nicht weit

im Grunde geht es nie
ohne Gene und Biochemie
Kern und Membran
ohne göttlichen Plan

auch ist Erinnern selbst
immer ein Rekonstruieren
originäre Wahrheitsdaten
wird man dabei
-sehr kontraintuitiv -
stets auch verlieren
und scheinbar echte Erinnerung
läßt sich bei uns allen
verlässlich implantieren

das Hirn

ist ein Orchester ohne Dirigent
ein Flugsimulator mit sehr großer Kraft
der selbst auch den Piloten noch
beeindruckend real uns simuliert

das Ich

ist nie ein Ding,wie andere,die man kennt
viel eher ein Prozess,der Welt erschafft
Platons Höhlenbewohner sind
mit Recht verstört und gar nicht amüsiert

zuletzt

die legendäre Meereschnecke
diente in der Forschung dem Zwecke
dem Verstehen zu öffnen eine Tür
es gab,der Reim braucht diese Ecke
auch einen Nobelpreis dafür

Vor Jahren hingeschrieben nach Lektüre von 'Auf der Suche nach dem Gedächtnis' v. Eric Kandel/Nobelpreisträger für Medizin 2000
So etwas muss man überhaupt nicht mögen.

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