frei oder nicht frei (Mini-Hymne auf den Wachschlaf)

Bild von Dirk Tilsner
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Wonne sengt im Zyklus der Sponsoren,
auf den Matten drückt sich Fülle breit.
Jeder ehrt, von tausend likes erkoren,
einer Göttin karge Weiblichkeit.
Wie den Kunz im Stall die Musterschweine,
die (welch' Los!) nie eine Wiese sahn,
wie den Herrn der Hund an seiner Leine,
staunt man eine schöne Flunder an.

Faltenlos und nobel stets die Züge,
schnell vergessen wird ein Krisenjahr;
schneller noch ein Eid und eine Lüge,
was im Wahlkampf keine Schande war.
Jugendliche, wilde Ströme branden,
doch auch sie macht der 'Bedarf' bald stumm.
Niemand muckt, wenn die Schlaraffen landen,
und die Welt wird ihnen Eigentum.

Vielen schon das enge Haupt verschlossen,
schlummert dort in Frieden 'freies Sein';
schlenkert durch die Zeit in edlen Trossen,
schläft nach jedem Stoß aufs Neue ein.
Ha! und doch, in wolkenschwerer Ferne
lacht ein Greis bei einem Kreiselspiel.
Peitscht und singt „das hättet ihr wohl gerne,
dass mein Traum in Eure Hände fiel'“.

* Frei nach Friedrich Hölderlins „Hymne auf die Freiheit“. Sprachlich lehnt das Gedicht direkt an die Strophen 1, 2 und 16 des Originals an, d.h. bis auf eine unerhebliche Abweichung (Z-üge statt Fl-ügel) wurden die Vers-/Laut-Enden und Reime beibehalten.

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