Das Einheitsgeschlecht

von Alf Glocker
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Die Menschen sind alle so gleich, ja so gleich,
die Reichen sind arm und die Armen so reich,
die Dünnen sind dick und die Dicken sind dünn,
die Großen sind klein, ja das gibt einen Sinn!
Denn die Dummen sind klug und wer sind die Klugen?
Dann gibt’s noch die, die Verantwortung trugen,
die Optimisten, die Frechen, die Pessimisten
und alle sind gleich, egal was sie fristen,
egal wie sie ausseh‘n, egal wie sie denken,
ob sie nun klauen, ob sie was verschenken –
die Menschen sind alle so gleich, ja, so gleich,
von Geburt an hauptsächlich, das sage ich euch!

Was, ihr habt’s schon gewusst, ihr seid ja toll!
Da bin ich des größten Lobes gleich voll,
denn das Lob ist Kritik und Kritik ist ein Lob,
weil sich der Hänfling am Stein überhob –
den wollte er werfen, so weit es nur ging,
doch der war halt zu schwer, dieses saublöde Ding.
Drum dachte ein Trottel an der Lösung herum –
Er hielt sich für schlau, doch er war leider dumm!
Und der Lange kam viel zu kurz bei der Weile,
da rissen sofort die unzerreißbaren Seile,
doch der Blaue war gelb und der Rote nicht weiß.
Da verbrennt man sich feurig die Finger am Eis.

Da wird doch der Hund in Pfanne verrückt,
aber die Köche verderben den Brei ganz entzückt,
nur die Zweige ergrünen im mattesten Grau,
es gibt das Einheitsgeschlecht, ohne Mann, keine Frau
und alles wird alles, bleibt garnichts, Juchhuu –
und der gute, gute Mond, der schaut einfach zu!
Er ist uns nichts weiter als ein lieber Patron,
der andauern lächelt: was macht das denn schon?!
Das Perverse ist überhaupt nunmehr völlig normal,
und der Säufer der säuft gleich in jedem Quartal,
die Kinder sind altklug und die Alten naiv –
wenn der Haussegen grad ist dann macht ihn schief!

Nehmt euch nichts krumm was nicht passt oder klemmt,
weil der Schwächste Probleme mit Leichtigkeit stemmt,
denn nichts ist mehr scheußlich, das Gute ist schlecht
und wer ein Idiot ist, der ist wahrhaft gerecht,
denn alles ist gleich – man muss es nur glauben.
Der Motor des Fortschritts liegt unter den Hauben,
wo Fortschritt gleich Rückschritt ist, oder nur denkbar,
wenn wir ganz brav sind, dämlich und lenkbar.
Denn wir sind die Besten und wir singen im Chor:
„Es gibt kein Dahinter, es gibt nur ein Davor!“
So ist es schön, so hat Gott das schon immer gewollt,
deshalb hat ja er auch den Käse zum Bahnhof gerollt!

Darüber sind wir so glücklich, darum freuen wir uns laut,
niemand hat je Mist oder dergleichen gebaut,
denn was Mist ist, das wissen alleine die Weisen,
die auf keinen Wegen in alle Richtungen reisen,
dorthin, wo alle Welt wunderbar aufrichtig ist.
Merk dir das gut, damit du’s jah nicht vergisst!
In der globalen Masse der allseits Zufriedenen,
gibt’s nur noch Gleiche und keine Verschiedenen!
Hier wird einfach nicht über die Regeln gelacht!
Das ist nicht in Unordnung, sondern mit Liebe gemacht,
die es nur dann gibt, wenn sie alles vereint –
auch wenn dir das noch so unmöglich erscheint!

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Kommentare

10. Jun 2015

Ein Einheits – G ist immer schlecht:
Weil man auch anders schreiben möcht’…
Einheizen darf ein Gedicht!
(Einheits - Brei sein nicht...)

LG Axel

11. Jun 2015

"Das ist nicht in Unordnung, sondern mit Liebe gemacht,
die es nur dann gibt, wenn sie alles vereint –"
Mal ganz oberflächlich gelesen klingt das irgendwie ein bisschen nach "Rudelbums".
Aber ansonsten gut geschrieben.
(Bin ich nicht gnädig?)
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Hund in (der) Pfanne