In den Falten des Tages

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Hochzeitstag – all die wehen Gedanken –
und dann die schrecklich vielen Verwandten,
die vollbesetzt-drängende, knappe Zeit …
doch endlich auch wir zum Gelöbnis bereit.

Keine Glocke, die uns in unser Glück hinein läutet,
und keiner, der ahnt, was es wirklich bedeutet …
Wir haben mit unserer letzten Kraft
es genau bis zu diesem Tage geschafft!

Die Beamtin spricht Khalils Worte vom Tod,
sie wusste nicht, wie lang er uns schon bedroht,
wie heftig er unser Leben bedrängt,
denn das Urteil war längst über uns schon verhängt.

An deiner Kraft hat er sich delektiert –
wir haben ihn hinter uns grinsend gespürt
und uns trotzig zueinander bekannt –
mit dem Klammergriff hatte er uns in der Hand.

O wie stark wir doch waren – und verletzlich zugleich!
Wir hatten einander … und fühlten uns reich
und haben den Speicher ganz voll gemacht.
In den Falten des Tages die ewige Nacht.

© noé/2020

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Kommentare

15. Nov 2020

Wer das schreibt, hat mit Schmerz Erfahrung:
Krankheit und Tod fallen meist aus der Planung.

Liebe Grüße
Soléa

15. Nov 2020

Eine große ehrliche Liebe, ein großer tiefer Schmerz. Ein emotionales Gedicht mit enormer Tiefe und Empathie!

L.G.
Angélique