Moor

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Das Röhricht steht stumm.
Niemand da, der sie sieht.
Alte Erinnerung
nur weiß, was ihr blüht.

Sie hält inne und staunt,
wie still die Welt ist!
melancholisch gelaunt,
dass sie keiner vermisst.

Es zog sie hierher,
wie beim vorigen Mal.
Als wenn's noch wichtig wär' -
ist doch alles egal...

Sie geht noch einen Schritt,
Schlick zieht an ihrem Fuß:
"Lieber Tod, nimm' mich mit,
weil ich DOCH sterben muss..."

Wie ein lebender Kranz
umspiel'n Mücken ihr Haupt,
dieser fröhliche Tanz
sei jetzt ihnen erlaubt.

Tränen salzen das Moor,
als vornüber sie fällt.
Frösche quaken im Chor
ihren Abschied der Welt.

In der mittleren Stadt
hoffen Kinder und Mann,
dass sie nicht getan hat,
was man nicht denken kann.

Allen Einsatz verlor'n
in dem grausamen Spiel,
war zum Tod schon gebor'n,
Leben war ihr zuviel...

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Kommentare

17. Aug 2015

Diese Ballade: schaurig - schön!
(Da müsste man ins Moor nicht gehn...)

LG Axel

07. Apr 2016

Wer so etwas tut, muss sehr sehr verzweifeilt sehr. Es gab einen Fall in meiner Familie, für den ich nie Worte fand.
Ich danke Dir, liebe noe.

Herzliche Grüße,
Susanna

06. Aug 2016

Liebe Noe,
dein Gedicht hat mich sehr berührt, da ich gut nachvollziehen kann, was du damit beschreibst....
Vielen herzlichen Dank dafür!

Liebe Grüße
Kerstin