Sophie

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Der Frühling träumt eine Geschichte
vom Winter und der kalten Nichte.
Er ist nach allen Seiten offen
und hätte sie sehr gern getroffen.

Der Winter, der dies Sehnen spürte,
wollte nicht, dass er verführte
die kleine Nichte, die Sophie,
und darum warnt' er ernsthaft sie:

"Triffst du den lockeren Gesellen,
werde Geleitschutz ich dir stellen,
vier Bischöfe und Märtyrer
sind Schutz dir vor dem Verführer:

Mamertus und Pankratius,
Servatius und Bonifatius,
und diese schick' ich Mitte Mai,
dann ist der Spuk auch fast vorbei."

Doch Sophie, solcherart flankiert,
würde sehr gerne mal verführt,
vier Eisheilige jedoch dabei -
da wird das nichts um Mitte Mai.

Im Juni sah es besser aus,
Frühsommer zog ins Jahreshaus,
weil sie zum Spaß sich ihn erwählte,
nennt dies man einfach dann "Schafskälte".

Die Lämmchen ihre Kälte spüren,
doch Sophie lässt sich gern verführen,
das ist so ganz nach ihrem Sinn,
im Frühsommer schmilzt sie dahin.

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Kommentare

06. Jun 2015

Ganz kalt lässt's diese Sophie nicht!
(Sophie heißt "Weisheit" eben schlicht -
Auf Winters Weis(s) gar nicht erpicht...)
[Klug und gut scheint dies Gedicht...]

LG Axel