Das letzte Mal

Bild von Horst Fleitmann
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Da hörte man die Leute sagen,
dass kürzlich, in den letzten Tagen,
Gott selbst die Erde wohl besuchte.
Man munkelt, dass er leise fluchte,
weil unerkannt er bleiben wollte,
was ihm doch nicht gelingen sollte.

Er war an Menschen gleich geraten,
die ihn sofort um Selfies baten.
Erst ließ er‘s wohlwollend geschehen,
dann schickte er sich an zum Gehen.
Gott der den Rummel nicht gewohnt,
bat darum dass man ihn verschont.

Nun ist bei Menschen Gott nicht kleinlich,
doch diese Selfies sind ihm peinlich,
denn nie wurde ein Bild gemacht,
auf dem Gott lächelt oder lacht.
Die Bilder, die sich Menschen machen,
sind für Gott selbst fast nur zum Lachen.

Er sah das menschliche Gebaren,
die unermesslich vielen Armen,
die Grundgehälter der Minister,
die Ignoranz dieser Philister,
den Raubbau an der Welt-Natur
und wo das hinführen wird nur.

Kaum dass er auf der Erde war,
hatte die Schnauze voll er gar,
von Kriegsgeschrei und Religionen,
weil denen Hass nur innewohnen,
von Reichtum, Hunger, Ignoranz
und um des gold‘nen Kalbes Tanz.

Kaum angekommen, wurd‘s ihm schlecht,
Gott sah, der Menschheit wär‘s wohl recht,
würd‘ auf dem Absatz um- er drehen,
um flugs nach Hause schnell zu gehen.
Als Gott zur Abfahrt setzt sich nieder,
wurd‘ er gefragt: „Wann kommst Du wieder?“

Indem er sich zum Schluss empfahl
sprach er: „Es war das letzte Mal!“

© Horst Fleitmann, 2020

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Kommentare

09. Sep 2020

Wer könnte es ihm wohl verdenken,
wenn Wiederholung möcht sich schenken....

Einen tiefen nachdenklich machenden Sinn wie immer brilliant verdichtet lieber Poetenfreund - chapeau!

Mit einem Hoch der Lyrik zu Dir und lieben Grüßen,
Uschi

10. Sep 2020

"Indem er sich zum Schluss empfahl, sprach er: „Es war das letzte Mal!“
Verdenken kann ich ihm das nicht, „Alexa“ erlangt immer mehr Gewicht …

Viele Grüße
Soléa