Tod des Säufers

von Erich Vio
Aus der Bibliothek

Er saß, auf seinem Schaukelstuhl, gelassen,
die Hand ums Glas, als hätte ihn der Tod
beim Trinken angerührt und sitzen lassen.

Sein fahles Antlitz schimmerte im Rot
des bleichen Lampenschirmes dunkelblau
wie eine düst´re Blume. Leichenblass
und zitternd stand daneben seine Frau,
die er so lang gequält. Ich wußte, dass
Blausäure derart wirkt. Der Totenschein
lag auf dem Tisch. Der Frau verstörter Blick
schien flehend eines nur zu sagen: "Nein!
Nicht vor Gericht." Sie ging und kam zurück
mit einem Glas und einer weißen Rose.
Ich schrieb: "Er starb an Koronarthrombose!"

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