DER DICHTER

von Erich Vio
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Wie die Katze vor der Fensterscheibe
nach der Fliege hascht, die draußen summt,
greift der Dichter nach dem flüchtigen Leibe
lebender Gestalten und verstummt,
wenn er sieht, daß die kristallne Klarheit
der Natur die Wesen von ihm trennt
und die Flamme aus der Hand der Wahrheit
sein verschleierndes Gespinst verbrennt.
Tor, der rechnend sich verirrt in Zahlen,
schaudernd schweigt bei des Orchesters Schall,
Schattenbilder nur vermag zu malen
nach der Worte leerem Widerhall!

Veröffentlicht / Quelle: 
SILHOUETTE LITERATUR-INTERNATIONAL No. 15 1982
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