A Letter to Sam Hamill

von Mitch Cohen
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I. Stimmprobe
Die Lampe, nah an den Tisch herabgezogen,
schlägt mir ihr Lichtzelt auf.
Ich blättere in Williams und in ‘Watching the Distances’,
deine Zunge an Tu Fu geliehen,
und höre Rexroths Widerhall.
Kaffee erwärmt meinen Mund.

Es ist einiges her,
das Zikadengezirpe in trockenen Sträuchern
bei der Sandsteinruine in den Los-Padres-Bergen.
Zwiesprache zwischen zischender Gischt
und Möwen im Salzwind.
Angespülter, gelber Tang zieht ins Meer zurück.

II. So wurden wir ein Nachmittag
Vor eurer Tür stand ein ferner Gast.
Hinter mir säumte Geißklee gelb den Kiesweg.
Wir entkorkten die erste Flasche.
Du holtest den greisen Nachbarn,
der noch vom Streit um die Strophen lebt;
bald hundert Stellen schlugen wir auf.

Deine Frau kam heim von der Presse,
frische Bücher im Kofferraum. Die Geschichten
prasselten zwischen Rotwein und Rauch,
wie Washingtons ständiger Regen auf eure Veranda,
und schwemmten den Staub von Vergessenem weg.
Vor Jahren versunkene Namen
kehrten aus dem Süden zurück.

Einen anderen Williams legtest du auf,
und noch einen: Hank und Hank Jr.
Und der Wein in uns hörte aus ihren Gitarren
Dichter der Táng Dynastie: Einsame Freunde,
kundig einsamer Landschaft.

III. “Utah” steht auf deinem Gürtel
Endlos weitgestrecktes, weißes Salz bezeugt
ein breites Binnenmeer, das einst hier rollte,
und die sengende Sonnenkraft, die es besiegte.
In diese gottverlassene Öde flohen deine Väter,
und fanden, statt erhofftes Neues Zion,
nur ein neues Toten Meer;
Deine Mütter: eine rote Sippe
deren Sprache mit ihr eingeht.
Half-Breed: beiden verdächtig.

Erwischt bei der Hanfzucht, warst du gestellt
vor den Richter und von ihm vor die Wahl
zwischen Zuchthaus und Fahne.
Die Fahne schien dir leichter.
Doch “Gegen Laos” — Panzer auf Popguns —
Gingst du nicht mit: Kriegsgericht.

Ausgedörrte Jahre mit brandmarkiertem Pass
Schlugst du dich durch zur Westküste.
Jetzt kannst du über Bäume schreiben.
Sie werfen dir das vor,
diese Bullen-Milchbubengesichter,
ihre Mäuler voll Phrasen
für die sie niemals dürsten lernten.

IV. Die Verletzung ist das Wappen
Alle Vögel, die einst sangen,
flogen im nächtlichen Zug.
Ich legte mich hin und fand keine Ruhe.

Niemand kann verhindern, daß ein Blatt
vom Baum sich löst
und fällt, nicht immer nah dem Stamm.
Geraschelt in die Mauerecke hinein,
trägt kaum ein Wind es wieder fort.
Hier schlug ich flache Wurzeln
und schaue zurückgelassenen nach.

Go spielt selten einer. Du,
il miglior fabbro, schlugst mich,
bis ich lernte, die Steine dichter zu setzen.
Dann schlugst du nach und fandest die Zeichen,
chinesisch, für die drei Silben meines Namens:

“Ein Dach überdeckt ein geteiltes Herz.
Allein.
Ein Mann und die vier Erdteile.”

V. Was uns bleibt
“I, too, must grow in an ancient way or die
with my slender organs powerless to suck”
- schließt Bob Brandts aus dem Leben der Schnaken.
Er hebt sein Selbstgebrautes und ersinnt
ein neues Zimmer für sein altes Haus.

Zehntausend flatternde Banner, schon blutig,
bald bleich, werden wehen — nur noch als Staub
im Wind der schnellen Versprechungen.
Eilfertig werden die nächsten gehißt.

Für uns, roh-behauenes Holz,
ein Wort nicht schlag- und nicht friedfertig.

VI. Let’s Play it Again, Sam
When we sat over your Go board, dusk settled into the rain
and I thought we’d write letters more often.

That poem I wrote for you in that “baffling language”,
I’ve been reworking it — striking chaff
and adjusting the grammar, apace with my progress.
The better my German, the clearer I see
I’ll never master it.
One of the ironies:
You can never receive that little present, Sam.

Here, it’s one of my crowd-pleasers.
They praise its broad landscapes,
how it cleaves to the senses,
they marvel I write in their language, or try.
Then each declares a different line in violation of idiom.
I bow to their judgment, it’ll always be trump,
but care less all the time about pleasing a crowd.

Poetry is what’s usually already lost
between speakers of one language.
You almost have to love the same woman
or react with the same allergies
to ever hear what someone says.

Chaff falls away, that’s the grace of getting older.
At Pesach, a place is set and the door left ajar
for Elijah, in case he appears.
If some dusk you’re at my door,
whether you come red-blond or gray,
I’ll pour bourbon, more than once,
and coffee with ginger and cardamom.
I’ll show you paintings by friends
never swayed by gallerists,
and what I’ve assayed with brush, knife, and file.

I hope you’ll bring stories of Zebulon Pike,
Jed Smith, and a snake’s skin sloughed in the dust.
I’ll make a crib of that poem,
in English.
You can tell me it’s corny; I’ll prove I have worse.
Let’s play Go with the stones we’ve picked up on our travels.

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