Die Veranda

von Scully van Funkel - Keller
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Sie würde gehen.
Das wusste sie schon, als sie die Einladung im Briefkasten fand.
Nichts Großartiges. Nicht mal eine Klappkarte. Eher ein fliegendes Blatt, das sich in seinem gelben Kleid dem Auge aufzwingt.
Doch für sie kam es einer göttlichen, schicksalhaften Vorladung gleich.

Sie nahm das billige Papier, drückte es an ihr Herz und tanzte mit ihren beschwingten Erinnerungen - ins Jenseits der Zeit, bevor ihre Tränen mit den seidenen Fäden des Regens wetteiferten.
Damals, als sie noch gern badete und sich unter seinem geschlagenen Schaum rekelte.

Die entblößte Haut so lange in Öl getaucht, bis alle Poren versiegelt, verschlossen, verdichtet waren und die Fingerkuppen sich kräuselten, wie letztes Jahr seine Nase, als er sie aus der Ferne erblickte.

Vor dem mumifizierten Hautempfinden und dem post-amorealischen Duft, der sich wie das Turiner Leichentuch über ihre Leidenschaften legte.

Bevor das zerbrochene Fenster der Veranda es wagte,
von seinen ekstatischen Umarmungen zu erzählen,
die ihr das Blut aus dem Fleisch quetschten
und fast das Leben.

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