Wir besuchen den Olymp

von Alf Glocker
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„Götter sind auch nur Menschen“, das steht in unserem Pfadfinder-Handbuch, „man muss sie nehmen, wie sie sind!“ Das ist leicht zu verstehen, denn wenn sie das nicht wären, würden sie die falschen Entscheidungen für uns treffen. Nachdem sie aber nur die richtigen treffen, egal wie falsch sie sind, haben wir sie wahrscheinlich nie verstanden.

Es gibt Götter der Ober- und der Unterwelt, des Feuers, der Winde, des Wassers, der Sonne, des Mondes, der Fruchtbarkeit, des Krieges, für jeden Sch... gibt es einen Gott. Von einem Gott, der ausschließlich für den Frieden steht, hat allerdings bisher keiner etwas gehört. Heißt das, der Frieden ist kein menschliches Naturell?

„Doch, doch“, sagen manche, „der Frieden steckt ja schon in allem anderen drin! Er steckt in der Liebe, im Wasser, in der Luft und in der Erde, auch im Feuer, wenn man so will“. Jaja, klar steckt er da drin, aber wo genau und wie oft? Es gibt Stürme in der Atmosphäre, Riesenwellen im Meer, Vulkane brechen aus, und die Fruchtbarkeit ist ein ewiger Kampf um die Vorherrschaft auf Erden.

Das alles zusammen wird „Frieden“ genannt?! Wie schlimm muss dann erst der Krieg sein?! Der Kriegsgott bringt ihn herbei – vor allem immer dann, wenn man an den tiefsten Frieden glaubt. Denn die Götter sind launisch. Sie machen mit den Menschen, was ihnen gefällt. Dadurch bleibt alles in Bewegung, und offenbar ist der Wunsch aller Anti-Helden bereits eine Kriegserklärung an die Götter.

Anti-Helden versuchen sich abzuschotten. Sie verändern, dem lieben Frieden zuliebe, die Bedeutungen in der Natur. In ihren Augen ist alles schön! Sie sehen nicht, wie Stürme aufkommen, sie ignorieren Springfluten, sie sagen „der Vulkan wird nicht ausbrechen“ und sie sehen keine Gefahr darin, daß sich Heuschrecken sprunghaft vermehren. Ihre Ernte ist sicher!

Friedliebende Menschen leben im Paradies. Sie werden nicht überrascht – sie fressen tonnenweise die Früchte vom Baum der Erkenntnis und bemerken nicht, wie vergiftet sie sind. Und die Götter drücken sämtliche Augen zu. Sie segnen das Geschlecht der Friedfertigen, ohne sie mindestens einmal am Tag in den April zu schicken ...

Deshalb haben sie sich ja auch zur Ruhe gesetzt und das Feld noch geschickteren Lügnern überlassen, die zwar nicht launisch, dafür aber falsch wie der Teufel sind. Diese neuen Götter sprechen vom Frieden und bringen den Krieg, weil es für sie nur den Frieden unter den Gläubigen gibt! (Dadurch werden alle anderen Katastrophen irrelevant, weil der unbeirrbare Glaube die schlimmste aller Katastrophen ist.)

Oder sie bluten 24 Stunden am Tag und verkünden mit lieblicher Stimme „sehet, dies ist mein Brot, das ihr essen sollt, wenn ihr gerade mal nicht mühselig und beladen seid, denn im Leid liegt das Heil!“ Wenn dann in der Nachbarschaft mal wieder der Blitz einschlägt, ist das auch noch egal. Er trifft eh keinen Falschen, nur einen Flaschen im Geist – und der hat's nicht besser verdient!

Gegen diese Friedensgötter sind Mars, Ares und Teutates Waisenknaben, die nur lustige Spielchen betreiben, welche auch mal wieder ein Ende finden können. Von ihren Launen erholt sich die Welt schnell und die Menschen können sich erneut an die Arbeit machen, um den Göttern Vorwände und Material für zukünftige Auseinandersetzungen mit den Gewalten der Erde zu liefern. Friede sei mit uns ... lach!

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