Leben in Zeiten der Massenpsychose - Page 18

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greifbarer zu
machen, entschloss ich mich, es doch einmal mit dem virtuellen Mittagessen zu
versuchen.

Das Ergebnis war ernüchternd. Anstatt lockere Gespräche zu führen, musste es
natürlich um das unvermeidliche Kronenvirusthema gehen. Da waren ein, zwei
Kollegen, die es offenbar besonders genossen, die neuesten „Zahlen“ der
Wahrheitsbehörde RKI wiederzugeben. Es wurde gar eine Karte in der Sitzung
eingeblendet, auf der die neuesten Fallzahlen der Republik in alarmierendem
Rot eingetragen waren. Nach einigen Sätzen zur aktuellen Lage griffen diese
Kollegen noch in den eigenen Erfahrungsschatz und berichteten, dass leider
immer noch nicht alle Menschen verstanden hätten, worum es geht. Diese
unkritische Verarbeitung des Themenstoffs konnte ich an dieser Stelle nicht
mehr ertragen und ich wagte mich aus der Deckung. Ich konterte, dass ich mich
auch zu den Personen zähle, die nicht verstanden haben, worum es geht. Ich
fragte, ob mir eigentlich jemand sagen könnte, was diese dramatisch rot
eingetragenen Zahlen genau bedeuteten.

Auf meine Fragen hatte mein Kollegium tatsächlich keine Antworten bereit.
Ihnen waren nach zwei Wochen Umgestaltung ihres Lebens nicht einmal
Vergleichszahlen bekannt. Wie viele Menschen sterben normalerweise in
Deutschland jeden Tag? Nicht einmal eine Schätzung traute man sich abzugeben.
Ein Kollege, der sich wie die Vorstufe eines Politkommissars gerierte,
lächelte bald nurmehr noch mitleidig und stellte mich indirekt in eine Reihe
mit Verschwörungstheoretikern und Klimawandelleugnern. Damit schien für ihn
alles gesagt. Ein anderer Kollege war offenbar von dem von mir begonnenen
kritischen Diskurs so aufgewühlt, dass er erst um das Beenden des „sinnlosen
Gesprächs welches zu nichts führt“ bat und dann mangels Erfolg kommentarlos
die Sitzung verließ. Der kritische Austausch ging nur zäh vonstatten und war
für mich selbst auch kraftraubend, da ich alleine gegen eine Wand aus
massenmedialer Nichtinformation anstand. Doch es war tatsächlich weit mehr als
fehlende Information oder unterschiedliche Meinungen. Ich war derjenige, der
die zur Schau gestellte Einhelligkeit in Frage stellte. Für einige Kollegen
war ich vielleicht sogar der erste, der seit Tagen überhaupt etwas
widersprechendes zur Lage gesagt hatte. Die meisten der Teilnehmer äußerten
sich jedoch gar nicht zum Thema. Und obwohl meine Gesprächspartner gerade erst
gezeigt hatten, dass sie eigentlich von diesen Zahlen nichts verstanden,
beendete der „Politkommissar“ die Debatte mit der Aussage, dass man nun nichts
machen könne, außer weiterhin die Zahlen zu beobachten. Und natürlich auf die
Experten zu hören.

Im beruflichen Umfeld kristallisierten sich für mich besonders klar drei
Gruppen heraus, deren Vertreter ich auch im privaten Bereich wiedererkennen
konnte. Da waren die Systemunterstützer oder Kaisertreuen, die offen und
munter jede Zeile und jede Zahl aus den offiziellen Kanälen unkritisch
wiedergaben und sich darin übten besonders vorbildlich den neuen Vorgaben zu
entsprechen. Unter diesen war auch das besagte Orakeln besonders verbreitet,
das ständige düstere vorausschauen wie schlimm und lange diese Pandemie uns
noch beschäftigen würde.

Des weiteren gab es die meinem Eindruck nach größte Gruppe der passiven
Zuschauer, die nun genau beobachteten, wie sich in ihrem sozialen Umfeld alles
entwickelte. Was noch ging und was nicht. Ob man noch sorglos hinausgehen
konnte, ohne genau geprüft zu werden. Aber auch, was mit Menschen passierte,
die widersprachen. Es war also jene schweigende Mehrheit, auf die sich schon
US-Präsident Reagan berufen hatte, da er ihr einfach unterstellte, sie würde
seinen Kurs unterstützen. Andernfalls hätte sie ja aufbegehren müssen.

Und schließlich nahm ich eine Gruppe wahr, die ich als die „Zerrissenen“
bezeichnete. Es waren Personen, die hin- und hergerissen waren zwischen zwei
Polen. Der eine Pol war derjenige, dass sie Angst hatten um sich selbst oder
davor Menschen in ihrem Umfeld zu verlieren oder gar selbst zu verletzen. Der
andere Pol war, dass sie zu bemerken schienen, dass irgendetwas bei dieser
Nummer nicht mit rechten Dingen zuging, dass ihnen Dinge weggenommen wurden,
die ganz eng mit unserem menschlichen Wesen verbunden waren und dieser Vorgang
nicht im Verhältnis zur behaupteten Gefahr stand.

Die Systemunterstützer bewarfen mich mit ihren Schrottzahlen, die schweigende
Mehrheit verweigerte die Aussage und die Zerrissenen ergriffen entweder die
Flucht, verbaten sich jede tiefere Analyse der Vorgänge oder wurden gar
aggressiv, wenn ich wunde Punkte ansprach. Am ehesten konnte ich noch mit
Vertretern der Zuschauergruppe ins Gespräch kommen. Wenn man einen von ihnen
unter vier Augen - oder in diesen Zeiten besser gesagt, unter vier Händen
digital - sprechen konnte. Da wurden dann schon einmal Zweifel angemeldet, die
im größeren Kreis von ihnen nicht geäußert wurden. Man machte sich also
sozusagen hinter verschlossenen Türen Luft.

Von der Schwierigkeit zu zweifeln

Sowohl von den Zuschauern als auch von den Zerrissenen hörte ich öfter die
Aussage, dass *sie selbst* ja nicht stark durch die Verordnungen eingeschränkt
seien. So lange sie also nichts akut schmerzte, sahen sie auch keinen Grund
dazu, sich zu erheben und ein Ende des Treibens zu verlangen. Das empfand ich
als eine besonders kurzsichtige und auch egozentrische Betrachtungsweise. Sie
waren also vorgeblich solidarisch mit der Risikogruppe der alten Menschen,
machten aber gleichzeitig eine Rechnung auf, wie sehr sie unter den
Einschränkungen zu leiden hatten und blickten nicht auf die Menschen in der
Gesellschaft, die schon hier und heute enorm darunter zu leiden hatten. Wie
schnell sich das Blatt wenden konnte, so dass man selbst sehr wohl von alledem
schwer betroffen war, sollte sich immer wieder an neuen Beispielen zeigen, die
hier aufzuführen den Rahmen sprengen würde.

Auf meine Kritik an den Vorgängen, äußerten sich meine Gesprächspartner
oftmals dahingehend, dass *sie schon* daran glauben würden, dass das Virus
existiere. Dabei hatte ich niemals auch nur angedeutet, dass es das Virus
nicht gebe. Ich hatte nur immer behauptet, dass es keine so große
Gefährlichkeit besitze, dass man deshalb gesellschaftlichen Selbstmord begehen
müsse. Es bestand aber scheinbar ein großer Drang danach Kritiker in eine Art
Virusleugnergruppe einzuordnen. Das hatte sozusagen eine ähnliche Wirkung, wie
die öffentlich-rechtlichen Faktenfinder, die über Nacht die amtlich anmutende
Unwissenschaftlichkeit einer Person verkündeten. Wer das Virus leugnete war
schließlich auf einem Kindergartenniveau unterwegs und eine genauere
Auseinandersetzung mit dessen Argumenten war dann nicht mehr notwendig.

Eine unvorbelastete und sachliche Diskussion über die „Maßnahmen“ war in
diesen Tagen kaum mehr möglich. Wer aus der Reihe tanzte, wurde schnell in die
Ecke der Spinner einsortiert. Ich konnte es sogar nachvollziehen. Zu sehr
waren alle Menschen von den Vorgängen betroffen. Wenn man sich der allgemeinen
Erzählung ergab, hatte man psychologisch gesehen mehrere Vorteile: Man war
Teil einer großen Gruppe, die einem Schutz zu bieten schien. Als Teil dieser
großen Gruppe konnte man auch selbst gegen Abweichler vorgehen, wenn einem
danach war. Und wenn man sich der Rettungsidee dieser Erzählung verpflichtete,
konnte man den ganzen Einschränkungen einen Sinn geben. Es kam mir vor wie das
Nähen von Uniformen für die darbenden Soldaten im Kriegswinter. Und
tatsächlich wurde auch genäht und zwar Mundschutzmasken für Freunde und
Nachbarn.

Wer in dieser Zeit jedoch

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