Gestern oder heute morgen, jetzt aber nie!

von Alf Glocker
Mitglied

(Aus: Schizophrene Texte)

Gestern, oder war es vor 20 Jahren gewesen, habe ich angefangen Geier zu züchten, nein, Schlangen waren es glaube ich. Heute ist nicht nur mein Wohnzimmer voll davon und ich bin glücklich! Tausendmal gebissen träume ich davon Hyänen zu füttern. Natürlich habe ich einen guten Ratgeber: keine Furcht. Aber sie wäre auch unnötig, ich denn ich fühle mich andererseits ja auch wiederum bereichert. Deshalb habe ich die hauseigene Schule errichtet.

Ich schreibe auf eine schiefe Tafel, eine immer schiefer werdende Tafel, was ich verlange: daß meine Ordnung nicht eingehalten wird. Dafür habe ich immerhin und her 1000 Jahre lang gearbeitet – oder hörte ich gestern damit auf? Keine Ahnung habe ich auch, warum viele Schlangen Giftzähne haben, nicht wie Würmer, sondern wie Hyänen. Damit gehen sie z.B. ins Schwimmbad. Ich werfe das Handtuch und zähle mich aus, denn im Zählen bin ich einmalig.

Inzwischen scheint es so als würde ich abgelöst. Sämtliche Zentral(Nerven)räte in meinem Hirn haben mehrstimmig die Rationalhymne gesungen und abgewählt was ich vorgekaut habe. Das macht mich schicklich! Ich wähne, als sei ich Hyäne, ich leier als sei ich Geier und mir ist nicht bange, denn ich bin Schlange! Ich weiß immer genau was ich will – und das mache ich dann nicht. Mir selbst verordne ich das Gleiche: die Leiche!

Auch Leichen haben, ganz wie viele Schlangen, Gift. Deshalb nehme ich jetzt ein Bad in der Menge des Unrats aus fremdartigen Fäkalien, die aus der Nähe so freundlich aussehen wie heilsame Medizin in der Irrenanstalt, die jetzt aber Sanatorium heißt, weil es gar keine Hyänen mehr gibt. Zumindest nicht in meiner Gegend. Das wirkt anziehend auf Schlangen, ebenso wie Nichts nicht grundlos vorkommt. Das weiß ich aus der Baumschule! Nachts säge ich nämlich Holz.

Mein Schnarchen gibt einen beredten Bericht von meiner Umnachtung ab, wenn es dunkel ist. Außer ich würde mal Licht machen, aber das traue ich mich nicht, sonst bräuchte ich einen Ratgeber. Er könnte, wer weiß wann, über mich herfallen und was mache ich dann? Dann wäre womöglich alles gewonnen! Nachdem ich niemals verloren sein kann weil ich das längst bin, zumindest was den Verstand angeht, kann mir auch nichts mehr passieren. Mir nicht, dir nicht, uns nicht, ihm nicht, ihr nicht, nix!

Hänschen klein ging mit Schwein in die g'scheite Welt hinein, brach das Bein, darf nicht sein, deshalb ist er rein! Verstockt ist gut, nichts am Hut, aber wohlgemut. Irgendwann kehr' ich dann in meinen Trümmerhaufen zurück und sage: schön ist's hier – was hat man nur in mir angerichtet?! Eins zwei drei geht vorbei, man erkennt mich nicht. Nicht der Bruder, nicht die Schwester, überall sind fremde Nester.

Kommt der Doktor Hampelmann, klebt mir eine Nase an, die wohl gar nicht meine ist. Daran führt der Geier mich nun im Lande der Hyänen und die Schlange schlängelt sich um der Mutter Tränen! Vater- Mutter- Feindesland starrt mich von der schiefen Tafel ganz verändert blöde an und vom Kirchtum tönt Geschwafel! "Mein Haus ist dein Haus" sage ich und gehe dabei am Stock, mit dem Hut in der Hand, auch bis hin zum Rand, wo der tiefe Abgrund wohnt, in den es sich zu stürzen lohnt! Heißassa Juchheißassa, Juppheidie und Trallala...

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