Es war einmal im Himmel

von Alf Glocker
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Eines schönen Tages saß der Liebe Gott im Himmel herum und machte sich lächerliche Gedanken – weshalb er auch ein bisschen sichtbar vor sich hin schmunzelte...ein kleiner Sonnenstrahl davon fiel direkt auf die Erde und zwar aus allen Wolken.

Wer sich jetzt fragt, wo das gewesen sein soll, das "Im-Himmel", der braucht nur bei sich aus dem Fenster zu schauen und dann einfach schräg hoch zu rechnen, oder auch schräg runter, oder zur Seite – es ist eigentlich egal, denn der Himmel ist immer gerade dort wo wir hinträumen.

Heute wollte der Liebe Gott wieder einmal seinem Steckenpferd frönen, das bedeutet, er wollte an seinem interessantesten Spielzeug herumbasteln: dem Menschen. Dafür wandte er sich seinem Terrarium zu und holte eine spitze Nadel hervor (das ist bildlich zu verstehen).

Wir denken uns jetzt vergleichsweise einen Ameisenhaufen, der gerade von einem "Naturforscher" untersucht wird. Der Forscher stochert forsch in ihm herum, um zu sehen was passiert! Genauso machte es auch der Liebe Gott, aber im Unterschied zum Ameisenhaufen passierte da wo er herumstocherte nicht immer was!

Vor allem passierte da nicht immer das Richtige, weshalb der Liebe Gott auch die unterschiedlichsten Instrumente zur Hand nahm. Irgend eines würde dann schon erbringen was er sich gedacht hatte. Manchmal schüttete er ja auch nur Honig obendrauf!

"Lieber Gott", sagte der Liebe Gott, "was sind die heute wieder phlegmatisch! - es ist wirklich ein Kreuz mit dem Pack! Da gibt man sich Mühe und piesackt sie so gut man kann, so raffiniert es eben geht – und was ist der Dank?! Trägheit, nichts als Trägheit! Und sowas nennt sich mein Ebenbild...daß ich nicht lache!"

Dem Lieben Gott war es eigentlich wurscht wie sich die Menschen nannten, oder ob sie jetzt speziell an ihn persönlich, oder an hirnrissige Quacksalber-Legenden glaubten. Er wollte etwas aus diesem Spielzeug machen, mit dem in einer fernen Zukunft würde reden können – so von Kreateur zu Kreateur.

Aber bis dahin schien es noch ein langer Weg zu sein. Sie hatten es grade mal bis vor ihre Haustüre geschafft, bis zu seinem beschaulichen Silbermond, der sich nachts in beschaulichen Seen spiegelte und tagsüber wie eine kleine Wolke am Himmel stand. Meist wurde er für die Spinnereien von Liebenden missbraucht und manchmal sogar als Kriegszeichen.

Das störte den Lieben Gott aber weit weniger, als die Tatsache, daß es sein Spielzeug damit schon wieder genug sein ließ. Es war völlig übermütig geworden und glaubte ganz andere Sorgen zu haben, als die, ihm näher zu kommen.

Gewiss, die Reise in den Weltraum, war nicht der gerade Weg zu ihm, aber doch sehr hilfreich, zu verstehen was ihn ausmachte. Nicht daß er sich – der Liebe Gott - im Weltraum irgendwo versteckt hielt, das ganz sicher nicht; Raum und Zeit waren von ihm erschaffen worden. Und nur wer sie verstand würde später auch mit reden können.

"Lieber Gott", dachte der Liebe Gott ein 2. Mal und vertiefte sich wieder in seine Lieblingsbeschäftigung, dem Herumstochern. Wo würde er denn diesmal ansetzen müssen, damit ein wenig Licht in diese kleinen Ameisenköpfe geriet, genau dorthin, wo sie, seine Ameisen, es am nötigsten hatten: in die Seele.

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Kommentare

11. Mai 2016

Dieser Text liest sich sehr leicht ...
Einen hat ER - scheint's - erreicht.