Alternative Welten [pt.1]

von A. d. Tiefe
Mitglied

Manuell hält Computerwelten für den treffenden Report über die Verhältnisse, in denen sie nach ihrer Tochter sucht. Manchmal hat Manuell den Eindruck, sie befände sich selbst in einer Computerwelt. Wie in einem abstrakten Gegenmodell ist trotzdem alles gleich. Sie schaut aus dem Fenster in ihre zufällig generierte Welt. Die Wolken sehen aus, als seien sie von Computern animiert - so schön sind sie. Was für schöne Oberflächen über imaginären Objekten, denkt sie. Ob ihre Tochter dort in dieser Oberfläche zum Objekt geworden sein wird, will Manuell nicht denken. Sie weiß, dass es alles soweit und weiter werden wird. Manuell kann nicht in die Zukunft sehen, aber manchmal ist es Manuell, als könne sie in die Zukunft sehen. Sie sieht, wie viele Menschen sterben und wie sie selbst stirbt zuletzt, und wie daraufhin alle anderen sterben. Manuell wird bei der Art von Vision wohl. Sie findet sich in ihren Kategorien und Bereichen abhängig von den Kategorien und Bereichen der anderen und weiß, dass wieder andere Bereiche ganz anderer Kategorien davon in die Abhängigkeit gefordert oder gefördert werden. Als solle alles so. Manuell hält die Verhältnisse, die sie sich ihr Leben lang immer anders vorgestellt hat, für die Verhältnisse, die für sie unvorstellbar waren. Wie sie sich ihnen JETZT entgegen stellt: ist ihre Welt. Dass sie eine Frau und Mutter und Figur in einer alternativen; intelligenten Computerwelt ist, das erträgt sie - aber Inhalt eines Buches zu sein, wird ihr, von Zeile zu Zeile, immer mehr unangenehm. Sie wird sich fragen, was zurück bleibt, wenn sie, wie sie weiß, gelöscht wird. Sie fürchtet sich vor etwas wiederholt unvorstellbarem -- Oder unvollständigem -- Vor allem, weil sie mehr wissen wird; und weiß, das keine dieser Zeilen, noch die Vorstellung, die aus ihnen resultiert (und ein vages Resultat ist), auf ihr wahrscheinliches Wesen Anwendung finden kann. Manuell hat die vage Furcht: als ein vage Art des Resultats zurück zu bleiben. In der komplexen Existenz, die sie aus ihren Erinnerungen und Idealen zusammen setzt, hält sie es für angemessen; Stolz zu platz- und integrieren. Anerkennung ihrerseits hat Manuell. Aber Manuell hat sich im Zuge ihres Lebens verdichtet und ausgelassen. Manuells geteilte Inhalte sind bei einer Tochter, die ihr gehört und die nicht mehr da ist, zum gehört Werden. Manuell hat sich sicherlich zu wenig gehört gelassen. Dass Mütter beginnen durch die Welt ihrer Kinder zu sprechen, versteht Manuell nicht. Aber Manuell sieht mit aller Furcht, die wunderbare Weise in den unvorstellbaren -heiten und -keiten. Sicher- sah sie so lange, vor und um ihrer Tochter. Das war - Aber Manuell hasst ihre Frei- . Manuell ruft in die Welt ihrer Tochter: Liebe Tochter!; und lässt sich weg und über, in diesem Weltenruf. Es ist verblüffend; wenn es das sein kann: verblüffend sein; wie laut Manuell zu rufen hat. Sie ruft noch einmal und dieses Mal noch lauter, ruft sie in die weitesten, weiteren Weltenruf, Welten in die Computerwelten, ruft sie über die schönen Landschaften und Stadtbilder, irgendeines Heimatstadtbildes oder irgendwelcher Heimatlandschaften, ruft sie irgendetwas ihrer Tochter zu. Wenn Manuell es sich vorstellt, hat sie die Vorstellung, ihre Tochter höre sie. Manuell gibt sich nicht darin enthalten, dass das Leben ein geteilter Inhalt ist. Der Sieg gegen das Vergessen, erinnert sie an die Zeit, die sie gelebt hat. Der Tochtergesellschaft -- Oder der Tätigkeit der Tochter abgelegt und verantwortlich gemacht werden -- Oder sowas will Manuell nicht ihre Tochter. Und damit ist dann auch wieder still im Hause Manuellen. Manuell bleibt sitzen. Manuell liebt die Realität. Sie denkt jeden Tag an sie. Aber sie findet es zu simpel, einfach nur traurig zu sein darüber, dass sie sie nie (und nur die schönen Landschaften und Stadtbilder) erfahren können wird. Darum bleibt sie darunter, in den Unterlagen ihres Aufenthaltes. Sie macht ihre Möglichkeiten nicht mehr zu Entscheidungen. Sie wird sich nicht mehr entschuldigen. Sie ist eine automatisch; oder zumindest zufällig; generierte Menge, oder eine neue Version von Musik. Zumindest ist nichts mehr möglich. Es gibt keine Möglichkeit in weiter entwickelten Ideen. Etwas enttäuscht manuell: Entwässerung etwa, oder etwas anderes vereinbart eine zweite Zwischenablage. Sie legt sich darin ab. Dort liegt sie nun; und die anderen denken, wenn sie das sehen - und sehen, wie manuell die Oberfläche ist - denken die meisten nichts desto Trotz.

Die Reporterin glaubt, dass die Gesellschaft für Informatik und Seele in den letzten Jahren immer mehr zu verstehen ist. Sie war eine geborene Pflegerin. Es war kurz so ein bisschen was in der Luft, dachte sie. Dort kämen diese Dinge her. Gerade erfüllen sie diese Dinge, an die sie immer mehr glaubt und die sie in den letzten Jahren immer mehr verstehen kann. Sich selbst - wenn sie so will: In zusätzliche Zusammenhänge zu bringen. - Jedenfalls ist sie heute Abend den anderen Personen aus dem Weg gegangen, damit sie sich einfach mal die Mühe machen kann sich selbst zu pflegen. Sie pflegt ihre Hände und sie pflegt ihr Mündchen. Sie pflegt ihre Augen und sie pflegt ihre Äuglein. Es tut ihr sehr gut. Sie isst nicht viel, gerade ein bisschen zu wenig, als undoder aber, dass sie am Leben bleibt. Aber es macht ihr Spaß auf das Essen zu verzichten. Wenn sie durch die Stadt geht, hat sie das Gefühl, sie könnte an allen anderen vorbei gehen, so dünn fühlt sie sich. So könnte sie, ohne ihre Augen und ohne ihre Äuglein gepflegt zu haben, durch die Straßen der Stadt gehen. Sie würde nicht anstoßen. Sie fühlt sich frei, die ehemalige Fräulein Pflegerin, das ist sie. Bitteschön, denkt sie sich: Dankeschön, hört sie. So viel Freiheit, die sie den Anderen lassen kann, denkt sie, so viel mehr als die Anderen, hat sie um sich herum ab zu geben. Die wissen es nicht, aber sie weiß es - und sie werden es sehen, wenn sie ihr in die Äuglein schauen - dass man keine Angst, vor dem: zu viele Leute werden, haben braucht. Man müsse nur selbst weniger werden, dann sei man unter vielen Leuten nicht so

Seiten

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Mehr von A. d. Tiefe online lesen