Hunde und Smartphones müssen draußen bleiben!

von Lothar Peppel
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Ich versuche ja, mit der Zeit zu gehen. Also nicht wortwörtlich. Schließlich steht die Zeit ja niemals still. Und unsereins muss ja mal schlafen. Und essen. Und Pickel ausdrücken. Die Zeit holst du dann aber nicht mehr ein. Selbst wenn du das Kind von Karl-Heinz Schnellinger (ehemaliger deutscher Fußballspieler) und Gerlinde Schnell (deutsche Politikerin) bist. Wenn ich also sage, mit der Zeit zu gehen, so meine ich eher, was den Fortschritt betrifft. Insgesamt. Insbesondere neue technische Entwicklungen. Strom. Und so. Denen verweigere ich mich nicht. Aber manchmal schon. Denn da fragte mich doch letztens beim Discounter die Kassenkraft, ob ich mit Smartphone bezahlen möchte. Nun habe ich ja nichts gegen multifunktionale Geräte. Meine Frau zum Beispiel, die hat eine elektrische Zahnbürste. Mit der komme ich an jedem Badesamstag prima zwischen die Zehen. Man ist mit 54 nun mal nicht mehr so beweglich. Und WLAN nutzen wir auch. Das des Nachbarn. Aber irgendwo hört der Spaß schließlich auf. Ob ich mit Smartphone bezahlen will?! Ein einfaches “Nein!” meinerseits hätte es wohl getan. Doch man muss Grenzen ziehen können. “Nehmen Sie auch Festnetz?”, fragte ich deshalb zurück. Ja, ich wollte aufrütteln. Doch die Dame blieb überraschend gefasst. Obwohl sie neu war. Also nicht “neu” im Sinne von “neu” als Mensch. Wäre sie ein Auto, hätte ich eher von stumpfem Chrom, Roststellen und einer fehlenden Radkappe gesprochen. Neu aber sehr wohl in Bezug auf ihre Anstellung. Und man musste sie gewarnt haben. Schließlich war ich es, der erst kürzlich eine ihrer Kolleginnen in folgenden Dialog zwang.
Ich: “Ist das recyceltes Klopapier?”
Kassenkraft: “Ja.”
Ich: “Wie kriegen die denn da die Scheisse immer wieder ab?”
Da gab es schon so einiges an Gemurmel in der Schlange hinter mir. Weniger ablehnend. Mehr so ein Darüber-habe-ich-noch-nie-nachgedacht-Gemurmel. Überhaupt ist diese Welt ja auch viel reicher an Fragen, als an halbwegs vernünftigen Antworten. Macht Feuchtraumentlüftung in einer Sauna Sinn? Findet man Kompressionsstrümpfe unter Druckwaren? Und ja: Wie recycelt man Klopapier? Und gibt es das eigentlich auch als B-Ware? Also funktionstüchtig. Aber mit Punkten. Das sind natürlich nicht die ganz großen Fragen. So über das Universum. Das Leben. Den Sinn. Und überhaupt. Aber macht das Wissen, dass das Universum 93 Milliarden Lichtjahre groß ist, einen Menschen wirklich glücklich, wenn er dagegen keinen blassen Schimmer davon hat, ob ein Bauer mit Künstlichem Hüftgelenk noch als Biobauer arbeiten darf? Und warum es farbige Kondome gibt. Schlussendlich ist es doch, wenn der Fuß erst mal im Schuh steckt, völlig egal, welche Farbe die Socke hat. Und ein Penis, der blitzblau oder tiefrot, gehört doch nicht in die Partnerin. Der gehört zum Arzt. Dies ist allerdings meine private Meinung. So wie ich meine, mit einem Smartphone nicht bezahlen zu wollen. Ich möchte nämlich mitnichten ein Gläserner Kunde sein. Ich möchte mitnichten eine monetäre Datenschleimspur hinterlassen. Ich möchte mitnichten, was meinen Konsum angeht, die Hose herunterlassen. 07.32 Uhr: Im Imbiss “Zum Erreger” 8,78 Euro für Rührei mit Brötchen und zwei kleinen Pils. 09.12 Uhr: Im NETTO 5,24 Euro für ein Sechserpack Eier und 4 Flaschen Hasseröder. 12.23 Uhr: In der Gaststätte “Eimer-Bernd” 18,84 Euro für einmal Verlorene Eier, ein großes Bier und zwei doppelte Wodka. So könnte es aussehen. Und dann ist mein kleines Eierproblem quasi öffentlich. Nicht nur, dass man minutiös sämtliche Wege nachvollziehen kann. Man liest auch diverse Vorlieben und Schwächen heraus. Da brauchst du dich dann nicht wundern, wenn du trotz Taufe und erfolgreichen Fachabiturs keinen Job als Erzieher im katholischen Mädchenheim bekommst, denn die wissen, dass du im Februar 2016 im schwach ausgeleuchteten Laden hinterm Bahnhof “Teenie-Titten Spezial” gekauft hast. Beruflich musst du dann umdisponieren. Und dich darauf einrichten, nun permanent Werbung für getragene Schulmädchenslips aus deinem E-Mail-Briefkasten zu fischen. Bestenfalls, bevor deine Lebensabschnittsgefährtin die E-Mails holen geht. Deshalb: Zahle nie mit deinem Smartphone! Zahle mit dem Kühlschrank. Zahle mit der Sitzgarnitur. Zahle mit Mikrowelle. Aber zahle niemals mit dem Smartphone. Denn wer mit dem Smartphone zahlt, der wird gläsern. Und dann sieht man, was das zahlen mit Smartphone eigentlich schon offenbart: man hat nur wenig im Kopf.

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