Die Seele des Staates 7

von Alf Glocker
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Wenn wir uns einmal mich, die Seele des Staates betrachten, sagen wir, zu einer Zeit, als es noch gar keinen Staat gab, dann wird uns manches klar! Damals war alles ganz leicht für mich: es herrschte das Recht des Stärkeren/Schlaueren! Da ist ganz einfach. Die Sippe bleibt zusammen, hütet den Nachwuchs, arbeitet mit ähnlichen Sippen zusammen und bringt sich vor gefährlich Andersdenkenden, wie beispielsweise Menschenfressern oder Kinderschändern in Sicherheit – wobei letztere wahrscheinlich eher vorsichtshalber, ganz nebenbei erschlagen werden.

Das ist zwar erstaunlich unmenschlich, könnte aber heutzutage noch sublimiert angewandt werden. Etwas humaner gestrickte Methoden dafür sind sicherlich denkbar. Sie müssten nur sinnvoll, im Sinne von „nützlich“ sein. Die Seele eines Staates, wie ich eine bin, vergisst womöglich woraus sie entstanden ist, weil sie oft nicht in der Lage scheint, die Gedanken ihrer klügsten Bestandteile adäquat anzuwenden. Denn so eine Staatsseele besteht ja nicht allein aus den tiefsten Empfindungen ihrer genialen Kinder, sondern eben auch, oder sogar vor allem aus der Grundeinstellung ihrer weniger begabten Erlebnisteilnehmer.

Da bleibt nicht alles Nützliche problemlos an seinem Platz! Was früher eventuell instinktiv richtig gemacht wurde, kann, innerhalb einer, sich für hochentwickelt haltenden Zivilisation, schon reichlich schief gehen, wenn der sogenannte „Gesunde Instinkt“ plötzlich zur Gänze fehlt, aber nicht durch einen sensiblen Verstand ersetzt werden konnte. Dann nämlich muss mit Fehlinterpretationen und Fehlentscheidungen gerechnet werden, weil man, in Intellektuellenkreisen geneigt sein könnte, aus Verständigungsgründen vieles, als „gut“ apostrophierte, zu pauschalisieren.

Aus Ritualen könnten sich beispielsweise verschiedene Religionen entwickelt haben, die große Menschenmengen in ihren Bann ziehen – was wiederum fatale Denk-Folgen – auch für durchaus ehrlich gestimmte Mitbürger nach sich zöge – wo es auch auftritt. Die Fanatisierung weiter Teile der Bevölkerung wäre eine logische Folge daraus! Wie sehr die Fanatisierung greift, ist dann eher gegenstandslos. Entscheidend ist die Befangenheit, innerhalb schlicht vorhandener, unbeweglicher Doktrinen. Was ich, als Seele dabei empfinden sollte, ist mir schleierhaft, denn notwendige Einigungen unter verschieden gestimmten Individuen wären hierbei grundsätzlich schwer zu erzielen.

Die Natur an sich kennt selbstverständlich keine Dogmen! Sie passt sich nur den Erfordernissen an. Und die Erfordernisse sind meistens direkte Rückschlüsse aus real existierenden Bedrohungen. Innerhalb komplexer staatlicher Systeme kann man jedoch leicht den Überblick darüber verlieren, was eine Bedrohung ist und was nicht. Die Anhäufung von gegensätzlichen Extremen bedeutet immer Gefahrenherde – und besonders dann, wenn sich die Extreme nicht nur vom Glauben her, sondern zusätzlich noch durch Mentalität und Ursprung voneinander unterscheiden. Ich befürchte, in einem solchen Fall würden sich bei mir schizoide Züge bemerkbar machen.

Wie viele Elemente kann ein bestehendes System in sich aufnehmen, ohne eine, zuerst nur verdeckt auftretende Gefährdung heraufzubeschwören, die sich etwas später einmal in einem nicht unbedingt rein intellektuell voraussehbaren Kollaps äußert? Nicht voraussehbar ist er, der Kollaps, wenn man sich an bestehenden Grundsätzen orientiert, die für eine bestimmte Situation gar nicht anwendbar sind. Daraus entstehen Tabus, um vermeintlich Law & Order zu gewährleisten. Dadurch werden aber gewachsene Rechtsbegriffe verletzt! Die Seele eines Staates sollte in der Lage sein, solch abnorme Entwicklungen im Voraus zu erkennen.

Doch nicht nur das! Es sollte auch innerhalb ihres Kreativ-Denk-Vermögens liegen, sich „anzupassen“. Anzupassen, den verdeckten oder offen zur Schau gestellten Gefahren, die den Staatskörper infrage stellen. Einfach nur annehmen, alles sei jetzt leicht zu bewältigen, weil es die Menschen, des bislang bestehenden Staatswesens, in letzter Zeit immer geschafft haben, Schwierigkeiten zu meistern, ist vermutlich blauäugig, wenn man nicht weiter berücksichtigt was sie noch bewältigen werden, wenn unberechenbare Elemente auf einer weiteren Mitarbeit im Staat bestehen, deren Herkunft nicht auf Tauglichkeit, und deren Einstellung nicht auf Homogenität hinweist.

Welche Fragen sich eine Seele des Staates heutzutage noch stellt, stellen darf, liegt leider im Dunkel kommender Epochen verborgen. Richtig ist es gewiss, wenn wir von einem stets ansteigenden Grad von Dekadenz, innerhalb der höher entwickelten Zivilisationen ausgehen: einem Geisteszustand also, der nicht mehr zwischen nützlich und schädlich unterscheiden kann, weil er glaubt urzeitliche Verfahrensweisen grundsätzlich überwunden zu haben. Dann aber, ja dann, müsste eine Staatsseele darauf achten, auf welche Weise man sie – zum Beispiel durch Umfärbung – auszulöschen versucht!

Davon auszugehen, daß irgendwer an der gleichbleibend schönen Qualität einer Seele mitarbeiten kann, weil er, bei Staatseintritt, sofort den aktuellen Bildungsstand aufoktroyiert bekommt, ist absurd. Derjenige müsste ja dann eine jahrtausendelange, eigene genetische Entwicklung ad hoc vergessen können. Das ist jedoch weder wissenschaftlich haltbar, noch gemeinhin glaubwürdig. Nur völlig dämliche Seelen dämlicher Staaten können so etwas behaupten. Es sei denn sie täten es auf eine bestimmte Anweisung hin. Dann aber müsste man vom Vorhandensein einer Matrix oder der Einmischung anderer schlimmer Mächte ausgehen.

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Kommentare

13. Nov 2015

Ein Text, der zu Recht Fragen stellt -
Es geht ja schließlich um die Welt...

LG Axel

13. Nov 2015

das ist anscheinend nicht viel, wenn man sich so umhört...
LG Alf

13. Nov 2015

Alles unterliegt einem ständigen Wandel - sogar die sog. Evolution.
Angeblich sind "wir" das Beste, was sie bisher hervorgebracht hat - mal ganz generell gesprochen.
Zweifel sind angebracht. Durchaus.