Nicht müde werden

von marie mehrfeld
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Diese Welt wird von vielen existentiellen Krisen geschüttelt. Es gibt die globale Energiekrise, die weltweite Veränderung der Wetterbedingungen, die uns alle betreffende Flüchtlings- und Hungerproblematik, zu viele rückwärtsgewandte uneinsichtige diktatorische Staatslenker, akute Überbevölkerung und eine vor sich hinschwelende Weltfinanzkrise. Für mich steht der drohende Klimakollaps im Vordergrund, deshalb befasse ich mich auch als Laiin immer wieder damit, wohl wissend, dass schon viel dazu gesagt worden ist und man dieses Thema gerne vor sich herschiebt, wenn man auf einem so hohen Level lebt wie wir in unserem Land. Fest steht, das Klima der Erde ist bedroht und mit ihm viele Arten von Lebewesen, die aussterben und für immer verloren sein werden. Fest steht auch, dass es uns alle betrifft, auf jeden Fall unsere Nachkommen. Mir erscheint es wichtig und richtig, unermüdlich darüber nachzudenken, dagegen an zu schreiben, zu reden und auch zu marschieren.

Die fortschreitende Zerstörung unserer Erde ist der Überbevölkerung, aber vor allem dem weltweiten grenzenlosen menschlichen Egoismus und der Habgier geschuldet. Die wahre Macht liegt in der Hand global agierender Großkonzerne, die gemeinsam als Einzige in der Lage wären, die Katastrophe, auf die wir zusteuern, aufzuhalten. Davon kann aber keine Rede sein. Die Aktienkurs müssen steigen und steigen und das Bruttosozialprodukt ebenfalls, das hat Vorrang vor dem Weltklima oder dem Welthunger. Immer mehr und mehr haben wollen ohne Rücksicht auf Verluste. Die globale ungleiche Vermögensverteilung wächst rasant: Laut Oxfam haben die reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung im kommenden Jahr mehr als die restlichen 99 Prozent zusammen. Die führenden Politiker des wohlhabenden Teils der Welt kommen mir vor wie gut bezahlte Statisten in diesem auf den Untergang zusteuernden Welttheater. Sie treffen sich lächelnd mit riesiger Entourage in ständig aufeinander folgenden unerhört teuren Gipfeln, schließen faule Kompromisse und betrügen sich selbst und uns, denn sie vertagen die wahren Probleme, statt sie zu lösen, weil sie sich nicht einigen können und immer auf den jeweils nächsten Wahltermin schielen. Hauptsache, am Schluss steht ein mit Siegermiene vorgestelltes gemeinsames Kommuniqué, sei es noch so nichtssagend. Wenn sich während der berechtigten Demonstrationen gegen diese ergebnisarmen Luxusgipfel plündernde zündelnde schlagende schwarz Vermummte (die geschnappt und für ihre Verbrechen hart bestraft werden müssen) unter die friedlich Marschierenden mischen, dann ist die öffentliche Empörung groß. Dabei sind diese beklagenswerten Auswüchse von Gewalt auch nur Anzeichen einer großen allgemeinen weltweit gefühlten Wut und Verzweiflung.

Genesis, 1, Vers 28: „Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ Das war der Schöpfungsauftrag. Wir haben eine Erde bekommen, auf dass wir sie pflegen und hegen. Doch wir sind des Geschenks nicht würdig. Wir zerstören das Gleichgewicht der Natur. Wir misshandeln die geschmeidigen freien Tiere, sperren sie ein und nehmen ihnen den Willen und die Ehre, wir züchten sie in engen Pferchen, erst quälen, dann töten und essen wir sie, wir vergiften und vernichten die Pflanzen, die unseren verbrauchten Atem aufnehmen und erneuern, die uns erhalten wollen, wir achten sie nicht, wir sind der Schöpfung nicht würdig. Und unsere größte Gabe, den Verstand, nutzen wir nicht nur dafür, diese Welt zu verbessern, sondern erfinden Bomben von großer Sprengkraft, die alles Leben vernichten können.

Überall auf der Welt werden Menschen, Tiere, Pflanzen Opfer der Umweltzerstörung. Ist die ökologische Krise schicksalhaft oder eine Folge menschlichen Raubaus und Versagens? Wissenschaftler beantworten diese Frage so: Zwar sind Menschen (vorrangig die Armen dieser Welt) auch Opfer der Umweltzerstörung, noch mehr aber sind sie deren Verursacher. Die selbstbezogene Lebensweise der Menschen gefährdet das ökologische Gleichgewicht der Erde, macht die Umwelt krank.
Die Meere bedecken 71 Prozent der Erdoberfläche. Angefangen von Bakterien und Plankton über Garnelen, Krabben und Krebse bis hin zu gigantischen Kraken vermutet man über zehn Millionen Arten von Meeresbewohnern. Doch auch hier droht der Mensch, vielen Arten durch Überfischung und Verschmutzung den Garaus zu machen. Ganz zu schweigen von den Inseln mit unserm Plastikmüll in den Ozeanen der Welt.
Besonders bedroht ist die Lunge der Erde, der tropische Regenwald im Amazonas-Gebiet, in Zentralafrika und in Südostasien. Hier leben etwa 70 Prozent aller tierischen und pflanzlichen Landlebewesen. Jährlich werden riesige Flächen des Regenwaldes abgeholzt, Sie werden in Industrieland oder Brachen umgewandelt. Das Holz wird an die Möbel- und Papierindustrie verkauft. Die in den Wäldern lebenden Arten werden immer weiter verdrängt, die Populationen schrumpfen oder sterben ganz aus. Was aber einmal vom Erdboden verschwunden ist, kehrt nicht wieder zurück. Auch, wenn das alles schon oft ausgesprochen wurde, kann man es doch nicht oft genug wiederholen: Dies beinhaltet die Verpflichtung für jeden einzelnen von uns, sorgsam und verantwortlich mit den Gaben der Natur umzugehen und diese um ihrer selbst willen und mit Blick auf künftige Generationen zu bewahren.

Es trifft jeden, so oder so, doch wir wissen nicht, wann und wo und wie. Wir verstehen es nicht, wir ahnen nur, dass andere Zeiten mit anderen Farben kommen werden und spüren giftige Nebel, die uns nicht sanft umhüllen, sondern ausspucken wollen in die Kälte. Vielleicht ist es für dich ein Gesang oder ein Traum oder ein Gott, der dir einen Weg zeigt aus der Gleichgültigkeit oder ein tiefer Schreck, so dass du den Wert des Leben und die Freude daran wieder begreifst, neu findest, dann hast du ein großes Glück gefunden, halte es fest, teile es und verbreite es weiter.

Einander zuhören, den Verstand benutzen, Radikal umdenken, im kleinen Rahmen gewaltfrei handeln, über Verzicht nachdenken, nicht müde werden, darüber nachzudenken, dagegen an zu schreiben, zu reden und zu marschieren, vielleicht ist die Welt noch zu retten, nur gemeinsam sind wir stark. Auch dann noch hoffen und daran glauben, wenn die Mitternacht überschritten zu sein scheint, nur das bleibt uns, wir haben keine Wahl.

pixabay

Interne Verweise

Kommentare

14. Jul 2017

Schlimm ist - man weiß es doch besser!
Und wetzt trotzdem noch die Messer ...
(Drum möchte man den Mars entdecken!)
[Um auch ihn rasch zu verdrecken ...]

LG Axel

14. Jul 2017

Danke, Axel.
Wissen hilft nicht allzu viel.
Da ist Trägheit auch im Spiel …

LG - Marie

14. Jul 2017

Liebe Marie, Dein Essay macht mich beklommen. Darin spür ich Verzweiflung, jedoch auch Beharrlichkeit im >Nie müde werden<. Da bewundere ich Deine starke Energie, Deinen Einsatz, die Mitmenschen aufzurütteln, sie zu motivieren es Dir gleichzutun. Deine aufgeführten Fakten, unsere Erde betreffend, sind haarsträubend und inzwischen auch denen zugänglich, die es interessiert. In allem kann ich Dir zustimmen. Allerdings sehe ich die größte Gefahr im Vermehrungswahn unserer Spezies. Wir verdrängen andere Arten, beuten die Erde aus, machen somit den Planeten auf Dauer unbewohnbar. Ein jeder Mensch hat das Recht auf ein würdiges Leben. Also sollte ein jeder die Chance haben, so er sich bescheiden kann. Meine Logik sagt mir, dass Bescheidenheit im Umgang mit der eigenen Fortpflanzung immer wichtiger wird, um den Nachkommen ihren Wert zu erhalten und ihnen somit ein lebenswertes Leben zu gestatten. All das findet zuerst in den Köpfen statt. Mögen alle Menschen Möglichkeiten zum Umdenken durch Wissen bekommen und nutzen dürfen.
Ja, ja, die Bibel... Wachset und mehret euch... Ein Auftrag, der in den Untergang führt. Viele Menschen brauchen viel. Noch mehr Menschen brauchen noch mehr. Und die Erde wächst nicht mit.
Liebe Marie, danke für Deinen hervorragenden Text.

Mit großen Bedenken und winzigkleiner Zuversicht wünsche ich Dir einen schönen Tag.
LG Monika

14. Jul 2017

Liebe Monika, danke für deine ausführliche Reaktion. Die Situation macht uns doch alle beklommen. Mir fällt nicht mehr ein, als zu recherchieren und aufzuschreiben. Das ist relativ einfach. Wenn man so zum Nachdenken anregen kann, ist das wenigstens etwas. Es fängt immer im Kopf an. Und natürlich hast du recht, die Überbevölkerung ist ein Hauptproblem. Die Erfahrung lehrt – man kann es lesen – mit wachsendem Wohlstand reguliert sich die Zahl des Nachwuchses meist von selbst. Aber wenn man sich den zahlenmäßig explodierenden afrikanischen Kontinent anschaut, wird einem schon schwindelig. Ich habe keinerlei Lösungen parat, es lässt mir nur keine Ruhe, deshalb befasse ich mich damit, ohne wirklich Auskunft geben zu können.
Einen schönen Resttag wünsche ich dir und Nube auch!

Liebe Grüße - Marie

14. Jul 2017

Liebe Marie, herzlichen Dank für deinen wichtigen Essay über unsere Erde, darin du die heißen Eisen anpackst, für die sich die Politiker offenbar nicht besonders zu interessieren scheinen. Hauptsache, die Kamele kommen mit ..., der halbe Hausstand und Gold in den Suiten. Ich habe kürzlich gelesen, wer für alles offen sei, kann nicht ganz dicht sein. Hesse schrieb ganz richtig: "... jedes Mal, wenn ich die Natur erlebe und mich ihrem Dasein und ihrer Offenbarung ... öffne, dann habe ich in diesem Augenblick die ganze habsüchtig blinde Welt der menschlichen Notdurft vergessen, und statt zu denken oder zu befehlen, statt zu erwerben oder auszubeuten ... tue ich für diesen Augenblick nichts anderes als "erstaunen" wie Goethe, und mit diesem Erstaunen bin ich ... auch Bruder dessen, was ich bestaune und als lebendige Welt erlebe: des Falters, des Käfers, der Wolke, des Flusses und Gebirgs ... denn ich bin in die Welt der Einheit eingetreten, wo Ding und Geschöpf zum anderen sagen: Tat Twam asi (Das bist du)." Dieses Staunen über die Natur, von der auch Goethe sprach, soll uns genommen werden, aber wir werden die Natur schon allein aus ökonomischen Gründen nicht entbehren können. Das hat sich längst gezeigt. Danke nochmals für deinen engagierten Text.

Liebe Grüße,
Annelie

14. Jul 2017

Bei uns, meine ich, dreht sich grade wieder einmal alles vorrangig um die nächste Wahl, da wird beschwichtigt und die Zukunft außen vor gelassen. So war es immer schon, so wird es bleiben, die überübernächste Generation wird uns und den jetzt Regierenden zu Recht die größten Vorwürfe machen. Auch das ist nicht neu und war schon immer so. Du zitierst Hesse, beziehst dich auf Goethe. Lass uns trotz allem weiter über die Natur staunen. Auch ich darf nicht zu viel grübeln, das macht krank. Danke für deine durchdachte Zuschrift, Annelie.

Liebe Grüße - Marie

15. Jul 2017

Ich glaube schon, das wir verstehen, liebe Marie, aber der Strom des Fortschritts und der Bequemlichkeit reißt uns (die meisten) mit... Und NEIN sagen, dafür sind viele nicht konsequent genug. Auch die Überbevölkerung in Afrika, gab es schon immer, dagegen steht die hohe Sterblichkeitsrate. In meinen Auge macht der materielle Besitz und der dafür unermüdliche Erwerb unsere Welt und Naturverbundenheit kaputt. In einem 4 Personenhaushalt mit erwachsenen Kindern sind nicht selten vor Wohnung oder Haus 4 Autos geparkt, 4 Smartphone in Betrieb sowie 4 Laptops, Spielkonsolen und was weiß ich was... Und alles wird mehr oder weniger regelmäßig ausgetauscht, nur, um auf dem neusten Stand zu sein. Und alle Politiker tun sich daran bereichern, denn, Konsum beherrscht den Markt. Unsere Kinder und Enkelkinder werden genauso weiter machen und rein rutschen wie es schon immer war und werden es vielleicht noch als "so ist das Leben" empfinden und abtun... wer weiß?

Gerade deshalb finde ich es gut und richtig wenn Du und andere immer wieder darauf aufmerksam machen und anprangern...

Viele Liebe Grüße
Soléa

15. Jul 2017

Soléa, danke. Du schneidest ein wichtiges Thema an - es ist das "immer mehr haben Wollen" unserer Wohlstandsgesellschaft. Ein Riesenauto genügt nicht. So sieht es hier auch vor den Haustüren aus. Und aus Afrika machen sich grade Hunderttausend auf den Weg, noch werden sie in Italien aufgehalten. Das wird sich bald ändern. Ich denke auch, dass es wichtig ist, an diesem Thema dran zu bleiben. Dir eine gute Nacht.

Liebe Grüße - Marie