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Gegenstück - Page 5

Bild von Karl Hausruck
Bibliothek

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der Feind deine Anwesenheit. Will dich ausradieren, bevor du offensichtlich bist. Dann aber will er dich öffentlich vernichten, um einzuschüchtern. Um von der Sinnlosigkeit des Kämpfens zu überzeugen.

Erster Erfolg, nicht vernichtet werden in voller Anwesenheit. So bist du für den langen Kampf gerüstet.

Der lange Kampf wird nicht mit einer endlosen Folge früh gefallener Helden gewonnen. Die im langen Kampf alt gewordenen fürchtet der Feind.

Aber nicht in der Etappe. Der ist nicht erfahren, der in der Etappe alt wird. Schulmeister sind das.

Nicht an der Menschlichkeit schuldig werden. Den Peinigern entgegentreten. Dem kinderverderbenden Unhold. Dabei sich nicht selbst gefährden. Das zu entscheiden ist edelste Verantwortung.

Sich um aus dem Nest gefallenes Vöglein kümmern. Zeitung, Rundfunk, Fernsehen ritterliche Taten entgegensetzen.

Auf die Straßen, Äcker, in die Berge, Städte, auf die Autobahnen, in die Dörfer. Regen, Eis, Hitze, Sturm. Allseits überleben.

In den Fabriken schuften. Auf den Äckern rackern. In den Bergwerken schwitzen. In den Büros ducken. Heraus aus den unverstandenen Winkeln auf den Weg des Volkes.

Keine Theorie enthebt der Anstrengung, des Volkes Land und Städte zu erobern.

Anstrengung auf die Gegenstände und ihren Betrieb. Wer mit Schreiben lähmt ist nicht besser als der Büttel der Herrschaft. Unter uns rechthaberisch sein ist nicht besser als ein Wachhund der Macht.

Anstrengung auf Hochhäuser und Maschinen ändert den Tritt. Die Waffen gegürtet. Kenntnis des Geländes. Das macht einen anderen Gang.

Ein Gebiß, als habe man recht. Oder hat es. Vor dem Recht die Zähne zeigen.

[2]
Hochhäuser, offenes Land, verzahnt. Flugzeug, Hubschrauber. Scharf gezeichnet die Dinge. Mann. Der Blick schweift. Das Bild manchmal zur Hälfte vom Hinterkopf verdeckt. Die Szene ändert sich entsprechend den Worten.

Ungeheuer, Hammerwerfer. Die stählerne Kugel über den Himmel ziehen. Das putzt weg daß es prasselt. Der Kontinent erzittert.

Angsterstarrt die Strategen. Schicken die Truppen in die Äcker. Das ihnen bekannte Land hat sich verflüchtigt. Da ist kein Stammland mehr. Für sie kein Exil auf dem Planeten. Überall brüllen die Völker.

Was für den Ernstfall vorbereitet war, ist jetzt ohne Belang. Todsichere Systeme treten nicht in Aktion. Ausgebildet ist gleich wie ratlos sein. Keine Kompetenzen können angegeben werden. Kein Plan entspricht der Lage.

Jede Maßnahme verschlechtert die Situation. Oder erfährt keine Ausführung.

Eine haushohe Schildkröte liegt zappelnd auf dem Rücken. Brüllt Kommandos. Versteht die Welt nicht mehr.

Die singenden Völker nähern sich aus allen Himmelsrichtungen der blut- und exkrementenbeschmierten Metropole.

Entsetzt erblickt die Menschheit den Berg unbeschreiblicher Scheußlichkeit. Verlassen ist das Labyrinth der Macht.

Aus der stinkenden Höhle der Herrschaft kommt ein endgültiges Trauma. Der Menschheit innerster Ekel vor Ausbeutung.

Wutgeschrei der Völker vor der Herrschaftsfratze. Vor der millionenfachen Qual, Legion der Verstümmelten.

Entschlossenes Gebrüll kommt aus den Kehlen. Es dröhnt im Planetenraum. Kein Stratege, den nicht Entsetzen packt. Im letzten Winkel der Milchstraße sind die Ausbeuter gewarnt.

Ab jetzt sind Herrschende bunte Hunde. Übelkeit erregt der Geruch des Schamanen. Blinder Haß angesichts jeglicher Herrschaft.

Ein untrügbarer Instinkt kommt herauf. Eine hörbare Mutation. Es knackt im All.

7 Grau

[1]
Graues Land, Kuppe, grauer Himmel. Gestein, Metall, unfruchtbar. Kein Perlmutter, kein Nebel, kein Silberlicht. Endloses Flugzeuggebrumm. Frau geht, steht, blickt in die Ferne. Überall Bedrückung. Auf keine Freunde hoffen.

Ist, was ist, nicht? Existiert nur, was von der Wirklichkeit in die Gedanken dringt? Wird nur wirklich, was ich denke?

Diese bewegungslose Existenz gibt es vielleicht nicht. Die bedrückende Leere nur solange ich denke.

Bis zum Horizont Bleihimmel. Dringt auch jenseits kein Sonnenlicht herab? Sickert nirgendwo die Nacht hernieder?

An Stahltrossen hängt diese unendliche Platte. Bleiige Luft drückt auf Kontinent und Meer.

Die Luft ist nirgend metallig, nirgend hart, wie ich träumte. Schmiere, schlaff und zäh. Mein Schrei ist Millimeter nach der Kehle verschluckt.

Der Schall meiner Worte dringt nicht an mein eigenes Ohr. Wo keiner ist, da ist es physikalisch nicht wichtig, daß ich selbst mich höre.

In die Hände klatschen und nichts hören. Bleigeschwängert überall.

Vielleicht knirschen Schritte. Brüllen Gedemütigte und Beleidigte. Kein Ton dringt durch diese Watte.

Das Brummen eines Flugzeugs am grauen Firmament kommt vielleicht von einem unendlichen Geschwader.

Nichts regt sich. Dennoch stillstehen und lauschen.

Eine Stimme erwarten, die die Luft wie einen Gebirgsbach durchschwimmt. Der ich nicht einmal meine Schritte höre, lauscht nach liebevollem Flüstern.

Woher kommt die Erwartung? Einsam bin ich von Millionen umgeben. Überall sind Wartende verborgen.

Lauschen des Landes. Ich kann mich der millionenfachen Erwartung nicht entziehen. Ich gehe über Verstecke.

Die Luft knebelt die Wartenden. Es ist unmöglich zu kommunizieren. Die weltweite Erwartung kann nicht organisiert werden.

Dem Sog von Millionen entzieht sich keiner. Doch keiner weiß vom anderen. Jeder fühlt allein. Verbirgt sich in Scham.

Dicht an dicht schamvolle Verließe. Auf Millionen Gruben blickt der Himmel. Tonnen Knochenstaub der seit Jahrtausend Hoffenden liegen über der Erde.

Grau das Land, Staub der Hoffenden. Die Luft des Planeten ist schon Millionenmal durch die Kehlen der Erfüllungslosen geströmt. Der Himmel gab nie den Blick frei.

Schamvoll verborgen, hoffen auf nie Erfülltes.

8 Werkstatt

[1]
Werkstatt, Bibliothek, Kirche. Meister.

Vollendete Darstellung, die einer findet, ist für die darauf Bezogenen ohne Belang.

Künstler, Wissenschaftler quälen nutzlos ihre Seelen. Sinnlos ruinieren durchwachte Nächte ihre Gesundheit.

Das ist lediglich eine ehrgeizige Klassenarbeit. Das Werk festigt nur die Klassenlage des Schöpfers.

Ringen mit nichts als Erscheinungen. Die unsichtbare Macht dahinter zeigt die Einsamkeit des Ringenden.

Werk als Kampf gegen Einsamkeit. Erzeugt sie aber vom Neuen. Und macht sie erträglich.

Im einsamen Ringen bin ich nichts als ich. Bin ich nur meine Klasse.

Das Werk verläßt den Schöpfer, es lebt in seiner Klasse.

Der die Einsamkeit läßt und der Wirklichkeit Rechnung trägt, verliert den Genius.

Der die Klasse verläßt, hat mit seinen Werken nichts mehr gemein. Sie sind ihm umso fremder, als er es war, der sie ans Licht brachte.

Sprachlos die unterprivilegierte Menschheit. Vergeblich, wenn einer für sie artikuliert.

Der seine Klasse verläßt, kann nicht mehr schaffen. Neuerliche Schöpfung stellt die Klassenlage wieder her.

9 Veranstaltung

[1]
Veranstaltung. Jüngling, erotische Mutter. Die gesellschaftliche Maschinerie taucht sie von einem zum anderen in angstvolle Hoffnungslosigkeit. Grau, verfallen, unsicher ist der Mensch. Liebe wird nichts ändern. Entschlossenheit und Gewitztheit des Jünglings werden mehr bewirken.

Bitterkeit verzieht den Mund. Saure Zitronen die Zähne. Das Sprechen stockt. Quälende Höflichkeit. Betäubter Hinterkopf. Entsetzen im Nacken. Grauen in der Wirbelsäule.

Eingemauerte das Herz. Kaum ausreichend Luft saugen die Lungen. Kehlkopf in den Hals gedrückt. Schauder zieht über die Haut feindselig berührt. Die Haare schmerzen, die Wurzeln eitern. Unangenehme Wellen über Glieder und Leib.

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