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Gegenstück - Page 2

Bild von Karl Hausruck
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ist die Wirklichkeit. Da sind nur Abbildungen, Bezeichnungen. Werbung verdeckt die Dinge.

Doch unaufhaltsam ist die ewige Veränderung. Donner ist nicht mehr Gottes Zorn. Menschenwürde kommt nicht mehr vom Stammbaum. Warenproduktion geschieht nicht von Kapitals Gnaden.

Es blättert ab. Da ist nichts mehr zum Drüberstreichen.

[7]
Mann, auf dem Rücken liegend, nackt, angezogenes Knie. Seitlich, anfangs groß, weiblicher Rücken.

In der Liebe sah er alle Menschen der Erde und Zeiten. Das Unglück der Getäuschten begreifen. Notwendige Wahrheit oder früher Tod im Zeugungsstrom.

Wahrheit ist, die wirklichen Dinge greifen. Sich nicht mit Abbildungen begnügen. Das ändert das Tun.

Dann nichts mehr aufs Jenseits gesetzt. Sich vom Himmel zur Erde begeben. Sich vom Fortschrittswahn dem Elend zuwenden. Das nennen sie ein gefährliches Spiel. Kultur in Gefahr. Den niedrigen Trieben das Wort.

Sie haben ja recht. Da ist nichts Erhabenes auf Leben und Tod. Kein schallendes Tournier, keine patriotischen Gesänge. Die Decke des Schweigens liegt über diesem Kampf.

Vertrauen auf höhere Macht ist tödlich. Der die ringenden Massen jenseits weist, weg mit ihm.

Jede Zelle strebt nach Leben. Wo eine Frau den Körper gibt. Der das nichtet, weg. Der das ausbeutet. Der dürres Dasein weist, weg.

Millionen sind nicht zum Nutzen weniger gezeugt.

[8]
Mann, in Bewegung.

Jahrtausende warten die Gedemütigten kaum auf Befreiung. Verehren vielmehr. Opfern ihr Leben.

Angst sich öffentlich zu entfalten. Lieber verkünden lassen. Anerkannte Wendungen verwenden.

Wird der entschlossene Kämpfer die Einforderung der menschlichen Bedürfnisse lehren?

Wenn schon Entfremdete die Veränderung hassen, dann erst die, deren Herrschaft fällt.

Letztenendes verlangen die Körper ihr Recht. Das Fleisch wird sich nie vom Planeten lösen. Wie können die Priester hoffen, es für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse verweisen zu können?

Er ist nie auferstanden. Der Gekreuzigte hat die Erde gedüngt. Unaufhaltsam schwillt sein Samen. Worte und Taten dringen durch die Verballhornungen. Seine Kinder sind schon bewaffnet. Den Häschern entrückt.

Die Herrschenden überleben nur noch für den Untergang der Menschheit.

Sie krümmten unseren Ahnen Jahrtausende lang die Knochen. Fraßen den Schmelz des Lebens. Was sollen jetzt noch ihre Zugeständnisse.

Wo einfach keine Möglichkeit zur Verwirklichung mehr. Da ist der unbeirrbare Entschluß zur vollkommenen Veränderung.

Himmelserwartung verfängt nicht mehr. Es gibt keine Hoffnung auf die Vernunft des Bestehenden. Es ging bisher ja nur solange einigermaßen, solang der Vater nicht verstimmt war.

Jetzt gerade die Buchstaben des Gesetzes am wenigsten pflegen. Gerade die bestehenden Dinge am schlimmsten auslegen. Dagegen den Träumen die größte Zuwendung geben.

2 Halle

[1]
Halle, funktionelle Umgebung. Mann.

Ein Heer von Arbeitenden. Die erkennen die Situation nicht. Sie haben Vorstellungen, die ihre Situation reproduzierend widerspiegeln.

Ist das System wirklich so lückenlos, daß sie ohne Hinweis von außen nicht doch auf die Wahrheit stoßen?

[2]
Frau, der Schönheit keine Frage ist. Von den Tatsachen, die sie sieht, erschüttert.

Schrecklich. Alle sind an Maschinen gefesselt. Handschellen werden am Morgen angelegt, erst abends gelöst.

Gerade die Nahrung können sie zwischendurch einnehmen, die Exkremente absetzen.

Wie halten sie das aus?

Sieh doch, sie sind in einem traumwandlerischen Zustand!

[3]
Mann. Werkbänke, Schreibtische.

Viele sind von tödlicher Unruhe erfaßt. Unerklärlich schlaflose Nächte.

Manche haben einen zukünftigen Blick. Wie einst die das Jenseits sahen. Mit unendlicher Sehnsucht zur Verwandlung.

Die unerträgliche Wirklichkeit zu löschen. Träumer der Veränderung. Spinner und Keifende. Die Gegenwart macht Zukunft nicht offensichtlich.

Die Seher werden der Unwahrheit geziehen. Die Ahnenden sind isoliert. Können sie sich den in den Händen der Verderber mitteilen?

[4]
Frau, packt den Mann am Arm.

Sie sind nicht allein. Müssen auf die Wahrheit setzen. Dürfen nicht aufgeben.

In der Stunde der Verzweiflung wird Jesus stärken. In der Stunde der Gefahr wird sie mein Haar verbergen.

Sie sollen sich nicht sorgen. Das Volk nährt und kleidet sie.

[5]
Gerichteter.

Er weiß das. Der Mensch zerbricht an zuviel Leid. Kämpfer verzweifeln.

Die Wahrheit befähigt nicht zum Erdulden endloser Qualen. Nicht auf Kosten anderer zu leben befähigt nicht zur Plackerei bis ans Grab.

Eine Frau kann für ihre Kinder nicht lebenslange Hölle ertragen.

Es kann einfach zuviel sein. Nach Millionen Eimern macht ein Tropfen das Maß voll.

Keiner sah die Völle des Topfs. Plötzlich rinnt er über. Nie mehr kann er einen Tropfen mehr aufnehmen, als abrinnt.

Nach all den Demütigungen nimmt einer eine Kleinigkeit grundlegend übel. Verstockt und verstummt.

Da ist nichts mehr zu reparieren. Nie mehr rückgängig zu machen.

Der Gekreuzigte schrie. Alle hatten ihn verlassen. Seine scheidende Seele entfachte in den Peinigern nicht den geringsten Funken.

Despotie schafft Ruhe. Das wissen die Herrscher. Despotie pflanzt schon früh Resignation in die Seele.

Kein Erbarmen, die auf der Brechung der Menschen ihre Macht begründen. Die, wenn jemand aufgibt, erst recht ihren Gewinn ziehen. Die predigen, sein Leben dem Herrn zu geben.

[6]
Frau, bei der verfängt nichts mehr. Unbeschreiblicher Grimm.

Das Schicksal der Peiniger kümmert sie nicht mehr. Sie hat die Fratze des Wohllebens erkannt.

Voll Wut schleudert sie die Strategen der Entfremdung in den Grund. Die Strategen des Elends. Die Spezialisten zur Heranbildung von Arbeitskräften.

Die den in der Resignation Versinkenden Theorien vortragen, jagt sie aus der Mitte der Gemeinschaft. Die den Verzweifelnden nicht die Hände reichen.

Denen die Rache nur umso größer ist, je größer das Elend, stößt sie aus ihrem Bett. Die die Verzweifelten als Argument gegen die Blutsauger buchen. Die kalten Gegenstrategen.

[7]
Frau, ungeheure Schrecken erfahren. Mann, weich, tröstet. Umgebung unmenschlich, nicht mehr bloß funktionell.

Untilgbar sind die Zerstörungen des Kummers. Da ist nichts mehr zu wecken. Da wächst kein Gras mehr.

Denen nur noch ununterbrochene Liebe geben. Selbst ununterbrochene Liebe reicht höchstens noch zum Überleben.

Wer denen die kleinste Bitterkeit hinzufügt, den auf immer in kosmische Kälte. Der kleinste Hauch von Leid bleibt unvergessen im Hirn des Elefanten.

[8]
Frau, von hinten.

Nicht mehr diskutieren.

Schluß mit der tausendjährigen Hoffnung, daß die widerlichen Kalkulatoren noch Solidarität erfaßt.

Genug. Sich nicht mehr einlassen.

3 Behausung

[1]
Behausung, Ureinwohner. Seit Jahrhunderten herrschen Fremde. Die haben alles verschlungen. Nur in abgelegenen Gebieten leben noch Eingeborene. Ermatteter Mann genießt das Gastrecht des Bewohners. Der tischt das letzte, das im Haus ist, auf.

Schrecken und Not verwüsten dein Gesicht. Vergeblich die Götter rufen, den Schoß der Frauen fruchtbar zu machen.

Seuchen raffen das Volk dahin. Fremden haben sie nichts an.

Vor Jahren blühte noch Leben hier. Jetzt sind Tanz und Gesang vorbei.

Überall siehst du die deinen sinken. Pure Angst ist in deinen Augen. Auch du entgehst dem Wüten nicht. Verstehst nicht, was vorgeht.

Nacktes Entsetzen in deinem Rücken. Zugeschnürt ist die Kehle. Alles fällt dem unsichtbaren Feinde hin.

Das Tier spürt das nahe Verhängnis. Rast von Sinnen im Käfig. Rennt in

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