Gegenstück

Bild von Karl Hausruck
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Gegenstück.
Drehbuch in 15 Episoden.

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1-1. Mann, eine Küste.

Er ist keiner von guter alter Zeit, wenn er klagt, daß die Tiere endgültig das Feld geräumt haben. Die Eingeborenen im eigenen Land fremd sind.
Alles von einem seelenlosen Kosmos umgeben. Keiner blickt liebend auf die Geschöpfe. Niemand kümmert sich.
Er bittet, so keine Möglichkeit zu haben, in die kosmischen Sphären zu gelangen. Will sich nicht von der Erde lösen können.
Als er sich bis jetzt um Vergeistigung mühte, kam er langsamer voran, als bei Betrachtung der Geistigen schon geargwöhnt. Weniger weit, als man vorgibt. Im Mindesten muß.
Weil er mit Fleisch bepackt ist. Merkte, daß sein Körper aus Fleisch ist. Nicht Metaphysik.
Da ist kein Gott, wenn auch im Mund geführt. Der Gott im Mund führt, dem gibt es ihm nicht. Der führt ihn im Mund, dem es ihn nicht gibt, daß keiner es merke.
Da sind keine Geister und Dämonen. Nichts im Schatten der Bäume und Häuser. Alles ist bekannt.
Es gibt keine geheimnisvollen Winkel. Die Straßen sind bis ins letzte Tal asphaltiert.
Leben nie mehr wie in früheren Dörfern. Mit Täglichkeit, Langsamkeit, ohne Deodorants, Angeberei. Da war es sowieso lächerlich, auf den schlammigen Wegen zu stolzieren.
Gott gibt es nicht. Macht macht bis an die Grenze, was sie will.

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1-2. Frau, der Schönheit keine Frage ist. Weich, bewußt. Mann.

Sie sagt, es gibt Orte, an denen es nicht so fühllos zugeht. Dorthin führen genügend Wege, die die Aufklärer nicht sehen.
Sagt, wenn die Welt auch total verwaltbar scheint, Leben findet einen Weg.
Da ist der Mann pessimistischer. Bekommt entweder alles in den Griff oder verzweifelt über die Gewißheit, daß die Dürren alles in den Griff bekommen.
Die Frau tröstet mit weiblicher Gewißheit.

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1-3. Mann, voll Grimm, verzweifelter Sehnsucht. Im Verlaufe taucht ein Bürokrat auf.

Anmaßend, in offiziellen Gebäuden meine Angelegenheit zu handeln. Unfreundlich, der den Dienstweg weist. Offizielles Gebäude zwangsläufig unfreundlich.
Einsamer, neidisch auf Freundschaft Habende. Gibt sich offiziellem Gehaben. Wird immer noch einsamer.
Gerade solcher in Ämtern. Bestimmt Lebensläufe.
Er verlautbart nur. In Wahrheit hat noch kein Hauch seines Mundes ein Herz bewegt. Das ist nicht die ersehnte Stille.
Spricht, was gut und recht ist. Nichts zwischen den Zeilen. Erstes Wort gleich ganzer Satz. Über jeden Verdacht erhaben. Immer auf der Hut.
Durfte nicht mit gewissen Kindern spielen. Sicher dürfen seine Kinder nicht mit gewissen Kindern spielen. Kann nicht unter sein Niveau. Er verkehrt nur mit seinesgleichen.
Bei ihm ist alles säuberlich getrennt. Essen in aufrechter Haltung. An den Tischsitten sind sie zu erkennen.
Über aktuelle Themen informiert sein. Was man soll und hat.
Trachtet, menschlich zu vervollkommnen. Der Menschenwürde eine Bastion sein. Den inneren Schweinehund überwinden.
Aber keiner blickt in sein Gesicht. Ist Freund. Rückgrat ist eben nicht gefragt.
Er ist voll Wohlwollen. Das sieht dem Demagogen ähnlich, Neid zu unterstellen. Oder daß er Neid erregen will. Auf seine Leistung stolz sein kann keiner verübeln.
Er streitet nicht ab, daß welche sich alles erschwindeln. Die gehören ins Arbeitslager. Bei aller Liebe hat man seine Pflichten. Der Verantwortung nicht ausweichen. Läßt man es laufen, wird es nur schlimmer.
Aber auch achten, daß man zu dem kommt, was einem zusteht. Sein Recht immer wieder verteidigen.
Blickt sich solcher um, sieht er keinen Feind. Lohn rechtschaffenen Lebens.
Den Feiertag heiligen. Nach harter Arbeit läßt er sich nicht lumpen. Keiner kann ihn ein Kind von Traurigkeit nennen.
In wohlverdienter Freizeit darf Frauchen verwöhnen. Sie freut sich schon darauf. Samstag abend wird anständig gestricht.
Daß da keine Sonne ist, braucht keiner erzählen. So ist das Leben. Doch lebenswert. Wer anders denkt, hat keine Achtung.
Weiß selbst, daß vieles besser sein kann. Doch man bleib ihm mit den Weltverbesserern vom Leib. Schütten immer das Kind mit dem Bade aus. Bringen nur Unglück.
Realpolitik ist mühsam. Die Kunst des Möglichen. Besser diese Welt als keine. Den Idealisten nicht den Lauf der Dinge überlassen.
Wir dürfen stolz auf das Geleistete sein. Das lassen wir uns nicht kaputt machen. Wem es nicht paßt, der kann ja gehen.

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1-4. Frau, im Hintergrund ein Bürokrat.

Der gehabt sich und hat doch gar keinen Körper. Warnt vor Erdbeben, aber da ist nichts, das bei ihm zum Einsturz kommen kann.
Seine ewige Überlegenheit. Alles hat er vorhergesehen. Bei diesen Idioten hätte man sich das ja denken können. Bei ihm wäre das nicht passiert. Die anderen haben alles nur mit unsauberen Mitteln erreicht.
Die Zeichen mehren sich von Tag zu Tag. Nicht möglich, daß er nichts merkt. Wenn er auch Ohren und Augen verschließt.

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1-5. Anderer Standpunkt. Andere Beleuchtung. Andere Tageszeit, andere Jahreszeit. Mann, vielleicht anderen Alters. Frau, in einiger Entfernung, hergewendet oder im Profil.

Schon seit frühester Zeit war alles deutlich. Wenn auch immer verschleiert, geleugnet. Immer wieder machten es welche klar. Jede Unterdrückung kommt aus gleichem Grund. Ist eine und kann nicht beschönigt werden. Nur beseitigt.
Traurigkeit liegt über dem Land. Weil die Menschen den Sinn ihrer Anstrengung nicht verstehen. Wofür das sie herstellen dient. Für wen. Rädchen einer fremden Maschine sein. Nicht Herr des Werks.
Das Leben ist durchorganisiert, dennoch unerklärliche Vorgänge. Überall Auge des Gesetzes, dennoch Subversion. Hell erleuchtete Arbeitsstätte, dennoch träumen sie.
Weil Gemeinschaft durch Interesse besteht. Das ist keine Gemeinschaft, wenn Argwohn nur durch Notwendigkeit überwunden. Wenn alle Augen auf gleiches Bild. Alle Ohren auf gleiches Wort. Wenn Gemeinschaft heißt, ohne andere Wünsche sein.
Wenn nur unter sich vergnügt sein. Zukurzgekommene entfernt werden. Erst als unangenehm, dann artfremd. Wenn Überlieferung alle nach Rom oder Mekka wendet. Massenhaft entrückt. Verächtlich über die Materie. Als Mittel zur Herrschaft.
Doch welchen Einwand gegen die Regelung der Bedürfnisse haben? Gegen die Vernichtung der Schädlinge. Die weichen ja schon. Wissenschaft befreit das Land.
Sich dabei keine Sentimentalität erlauben. Total ausrotten. Bleiben einige, war alles umsonst. Wir oder sie.

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1-6. Frau, voll Abneigung.

Halt ein, welch Wort. Total ausrotten, da wenige Überlebende die Ordnung bedrohen. Welch eine Ordnung!
Daß der Entlarvung des Papiertigers keine bessere Herrschaft folgt, erzeugt dem Bestehendem gegenüber ungerechtfertigte Nachsicht.
Daß Herrschaft einiger über die Massen der Herrschaft der Massen über die Unbelehrbaren gleicht. Ungerechtfertigte Nachsicht.
Daß nur etwas kippt, in jedem Fall aber vollständig besorgt. Kapitalistische Gemeinschaft Kommunistenhatz. Kommunistische Gemeinschaft Vernichtung des Kapitalismus.
Unsichtbar ist die Wirklichkeit. Das sind nur Abbildungen, Bezeichnungen. Reklame verdeckt die Dinge.
Doch unaufhaltsam ist die ewige Veränderung. Donner ist nicht mehr Gottes Zorn. Menschenwürde kommt nicht mehr vom Stammbaum. Warenproduktion geschieht nicht von Kapitals Gnaden.
Es blättert ab. Da

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