Valle Marineris

von Michael Dahm
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Professor Johnson wollte und konnte nicht mehr. Die Langeweile fraß ihn auf.
Jedes Mal, wenn der Mars einen fahren ließ oder wenn jemand dachte, das Marsgesicht hätte gelächelt, dann musste er wieder hier hoch.
Natürlich war er DIE Marskoryphäe, aber manchmal wünschte er, er hätte einen anderen Weg eingeschlagen.
In all den Jahren, in denen er regelmäßig die Oberfläche des Planeten untersucht hatte, hatte er auch nicht das kleinste Anzeichen von Leben gefunden, geschweige denn etwas Unvorhergesehenes. Für ihn gab es keinen Zweifel, der rote Planet war öde und tot.
Bevor er die Triebwerke des Marsgleiters zündete, betrachtete er noch einmal das Valles Marineris, das sich ihm gigantisch darbot.
In einem seiner Nebentäler, auf einem riesigen Felsmassiv, in dem er vor Jahren eine ebene Landebahn gesprengt und dadurch ein kurzes Beben heraufbeschworen hatte, befand sich die Station, die er vor etwa zwei Stunden verlassen hatte, um zur Erde zurückzukehren. Das zusammenhängende felsige Massiv erinnerte mit seinen grauen und roten Falten irgendwie an eine außerirdische Echse mit epochalen Ausmaßen.
Johnson zündete die Triebwerke und startete freudig in Richtung Erde, ohne zu bemerken, wie sich der Fels unter ihm krümmte.

Ouorx hatte diesen Augenblick wie jedes Mal angstvoll erwartet und doch war er froh, dass dieses winzige glänzende Ding mit seinem noch winzigeren Inhalt endlich wieder verschwand. Immer wenn sie auftauchten, verursachten sie Schmerzen. Das erste Mal vor längerer Zeit, als sie ihm mit lautem Donner und einem gewaltigem Hieb einen Teil seines Rückens abschlugen, um darauf eine Unterkunft für den kleinen Plagegeist zu errichten. Damals hatte ihn der Schmerz geschüttelt, so heftig war er.
Doch auch mit anderen Dingen peinigten sie ihn. Mit kreischendem Geräusch versenkte der unbekannte Eindringling lange Stäbe in seiner Haut und holte etwas daraus hervor, das er mit in seine Behausung nahm und ihm nie zurück- gab. Da Ouorx so etwas während seiner Milliarden Jahre dauernden Existenz nie erlebt hatte, verhielt er sich ruhig und ließ die Schmerzen über sich ergehen. Er hatte Angst. Diese seltsamen Wesen waren ihm unheimlich, besonders der Warme, der sich in seinem silbernen Etwas versteckte und von dort das meiste steuerte.
Ouorx freute sich, dass er sie jetzt für eine Weile los war. Das silberne Wesen hatte ihn wie jedes Mal zum Abschied boshaft in die Haut gebissen. Zum Glück hatte sein Körper genug Silikate und Mineralien um sich selbst zu reparieren. Nur die Bresche in seinem Rücken würde er lassen, um sich nicht zu verraten.

Johnson schrieb in sein Tagebuch: Der Planet ist tot wie ein versteinerter Wal, … als sich ein riesiger Teil des Valles Marineris um einen Meter verschob …

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Kommentare

29. Jun 2018

Ein Riesenteil, das nicht viel macht:
Ich hab an Krause gleich gedacht ...

LG Axel