Komische Wirklichkeiten (Wie frei das Denken wirklich ist)

von Alf Glocker
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Wer hat schon mal versucht abstinent zu leben? Was ich damit meine? Nun, das Weglassen der Grundbedürfnisse! Als da sind: 1. Atmen, 2. Trinken, 3. Essen und 4. Sex. Atmen wegzulassen geht praktisch nicht, weil man sich sonst sowieso alles ersparen kann. Trinken weglassen geht maximal ein paar Tage, dann ist ebenfalls alles erledigt. Essen weglassen geht schon eher – manchen ist es sogar sehr zu empfehlen –, es ist aber auf die Dauer nicht unbedingt förderlich für die Gesundheit. Keinen Sex zu haben ist am einfachsten! Aber auch das erfordert strengste Disziplin und es verändert vor allem die Gedanken!

Die Gedanken sind ja bekanntlich „frei“ - das sagen der Volksmund und romantische Lieder, die sich nicht mit dem Ernst des Lebens, sondern mit seinen angenehmen Seiten befassen. Wenn wir mal das Atmen außer Acht lassen, sondern uns gleich dem Trinken, von vorläufig nur mal Wasser, zuwenden, dann stellen wir fest: je weniger wir trinken, desto mehr denken wir an Wasser! Das ist ein absolut natürlicher Vorgang, den sogar gewissenlose Geschäftemacher für sich auszunutzen wissen!

Mit dem Essen ist es nicht viel besser. Wer essen will, der kann auf vielfältigste Weise erpresst werden – und bis er endlich Essen bekommt, muss der Mensch erst einmal viel leisten, damit er sich, ganz gewiss, sein Brot im Schweiße des Angesichts erwirbt! Wer nichts bekommt, der hungert und erfährt auf eindrucksvolle Weise wie schmerzlich es ist, die Befriedigung eines Grundbedürfnisses vermissen zu müssen. Aber manche wenden sich auch, mit Hilfe der Demut der Kasteiung durch den Verzicht zu ... Doch auch dabei verändert sich die Gedankenwelt!

Anstelle des Bedürfnisses tritt ein Fetisch, der in der Lage ist, die Askese zu diktieren. Sein Auftauchen kann die verschiedensten Gründe haben. Manche bemerken einfach zu wenig Charakter in ihrem Persönlichkeitsbild, andere reglementieren sich aus Verzückung, einem Idol gegenüber. Aber die allermeisten analysieren den Zustand nicht, in dem sie sich während dieser Übung befinden. Am häufigsten findet diese Nichtanlayse beim Verzicht auf erfüllenden Sex statt. Die meisten „zivilisierten“ Völker der Erde machen den Verzicht auf Sex sogar zum Normalzustand.

Nicht jeder kann sich einen Geschlechtspartner leisten! In freier Wildbahn, oder innerhalb kriminell-patriarchalischer Gesellschaften, ist das ganz einfach – man erjagt sich entweder ein Objekt der Begierde, oder es wird einem eines zugewiesen. Dann kann sich jeder austoben wie er möchte – sofern er der Stärkere ist. Dem armen Zivilisationsmenschen bleiben hingegen gleich mehrere Unmöglichkeiten, zu sein wie er möchte. Er kann arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten, er kann jemanden unerlaubt vergewaltigen, oder er kann sich in eine Art höhere Einfalt zurückziehen ...

Dort kann er dann glauben was er will. Eventuell, daß Sex schmutzig ist, daß ihn nur Urmenschen pflegen, daß ihn ein Gott verbietet, oder, daß er nicht wert ist, einen haben zu dürfen! In allen diesen (und anderen, nicht genannten Fällen) wird er, der Mensch – nicht unbedingt bewusst feststellen, daß sich seine Gedankenwelt ins Groteske verändert. Er wird plötzlich, immer vorausgesetzt, daß er sich nicht selbst behilft, Unattraktives anziehend finden, er wird vor seinen Überlegungen ein Phantom platzieren, er wird das Erwünschte ins Überirdische hochstilisieren, sado-, oder masochistisch werden – er wird alles mögliche, aber frei denken wird er sicherlich nicht!

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Kommentare

16. Sep 2016

(schmunzel)
Vielleicht sollte man mal über etwas nachdenken, was ich jüngst in einem Artikel über Paarungsverhalten gelesen habe: "Schimpansen benutzen Gewalt, um an Sex zu kommen." (Frans de Waal, Antropologe)
"Und Bonobos benutzen Sex, um Gewalt zu vermeiden." (Christopher Ryan, Autor und Psychologe)
Wenn man Schimpansen als uns erbgutnah bezeichnet und die erst seit 40 Jahren erforschten Bonobos als "kleine Schimpansen" in eine uns mindestens ebensolche Nähe (vor?-)rücken ... tja, da muss ich schon sagen, dass die Bonobos mir doch wesentlich sympathischer erscheinen ... (... auch, weil sie, was sie tun, einvernehmlich tun.)
(P.S.: Während die Penislänge beim Menschen mit durchschnittlich 13 cm angegeben wird [Kopulationsdauer etwa 240 bis 420 sek.] und sowohl Bonobos [K.-Dauer etwa 15 sek.] wie auch Schimpansen [K.-Dauer etwa 7 sek.] sich mit durchschnittlich 7 cm quasi nichts geben, kann der imposante Gorillamann mit nur ca. 3 cm [K.-Dauer etwa 60 sek. - immerhin!] nicht unbedingt protzen.)

16. Sep 2016

Meist spart der Mensch direkt am Denken!
(Das kann er sich am ehsten schenken ...)

LG Axel