Das Erdmännchen

von Mathieu Swoboda
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Vor vielen Jahren lebte ein kleines Erdmännchen in Afrika.
Es war besonders stolz auf sein glänzendes braunes Fell.
Daher konnte man es immer schon aus weiter Ferne erkennen.
Es mochte glänzende Dinge.

Doch das war nicht der Grund, weshalb es so beliebt bei seinen Freunden war.
Die anderen Tiere mochten das Erdmännchen, weil es immer hilfsbereit war und alles geteilt hat, was es hatte.
Es teilte Essen mit dem andauernd hungrigen Elefanten.
Es half der Giraffe dabei, ihr Hausdach wieder heile zu machen, wenn sie mal wieder ihre Größe unterschätzt hat.
Und dem Adler half es beim Suchen nach dem Nest, wenn es sich wieder ein neues gebaut hat und wieder vergessen hat, wo es war.

Häufig, nachdem das Erdmännchen mit seinen Freunden gespielt oder ihnen geholfen hat, setzte es sich danach an das Meer und guckte sehnsüchtig auf die glänzende Wasseroberfläche.
An manchen Tagen saß es zwei Stunden einfach nur da und bewunderte das glänzende Wasser, das noch viel mehr glänzte, als sein Fell.
Irgendwann möchte das Erdmännchen auch etwas haben, das so sehr glänzt, wie das Wasser, welches die Sonne so sehr zum glänzen bringt.

Auch in seinen Träumen sehnte es sich nach glänzenden Dingen.
Es träumte von glänzender, essbarer Dekoration auf Plätzchen, von glänzenden und schönen Käfern und von Gras, das wegen seines Morgentaus glänzt.
An einem schönen Tag sind die Freunde mal wieder spazieren gegangen.
Sie alberten herum und hatten jede Menge Spaß.
Am liebsten hatte es das Erdmännchen, wenn es mal wieder auf dem Rücken des Adlers mit geflogen ist. Von oben sieht die Welt viel schöner aus. Und auch das Meer glänzt noch viel mehr.
Als sie eine Zeit lang unterwegs waren meldeten sich die Bäuche. Zusammen haben sie so viel Spaß, dass die Zeit wie im Fluge vergangen ist. Aber leider hat niemand daran gedacht, etwas zu Essen mitzunehmen. Und nirgendwo war ein Apfelbaum oder ähnliches, wo man sich hätte satt essen können.
Vor allem der Bauch des Elefanten knurrte, als würde ein großer Löwe brüllen.
Die Freunde wollten gerade zurück gehen, da entdeckt der Adler auf einem Bergvorsprung einen Blaubeerstrauch, der mit Blaubeeren nur so übersät ist.
Bei dem Berg angekommen müssen aber alle feststellen, dass es schwer wird da ran zu kommen.
Zum Hochklettern ist es für das Erdmännchen steil und für den Elefanten liegt der Strauch zu hoch.
Der Adler könnte zwar dran kommen, aber dann würden seine Freunde nichts abbekommen.
Was kann man also tun.
Dann streckt die Giraffe ihren Hals ganz weit nach oben, beißt leicht und einen dickeren Ast und schüttelt den Strauch fest.
Eine Blaubeere nach der anderen fällt so nun auf den Boden.
Es sind so viele, dass sogar der Elefant für eine Zeitlang satt ist.
Das war ein Festmahl für die 4 Freunde.
Doch jetzt setzt die Müdigkeit langsam bei allen ein und sie entschließen sich, nun nach Hause zu gehen.
Die kleinen Beinchen des Erdmännchens fühlen sich aber schon so schwer an, dass jeder Schritt anstrengender wird.
Dies bekommt der Elefant mit und hebt das Erdmännchen kurzerhand mit seinem Rüssel hoch und setzt es auf seinen Rücken.
Das Erdmännchen beobachtet so noch eine Weile die Sonne, wie sie langsam hinter dem Meer verschwindet und das Wasser dabei in ein wunderschönes glänzendes Rot eintaucht.
Dann schläft es ein.
Das war ein schöner Tag.

In dieser Nacht träumt das Erdmännchen wieder von dem Meer, welches so glänzt, wie noch nie.

Am nächsten Morgen wacht es vor dem Sonnenaufgang auf und macht sich sofort auf, zu seiner Lieblingsstelle zu gehen um dort das Meer zu beobachten.

Dort angekommen geht auch schon die Sonne auf.
Das Meer beginnt zu glänzen.
Die Sonne steigt immer höher.
Plötzlich springt dem Erdmännchen ein Glanz ins Auge.
Ein Glanz, den es zuvor noch nicht gesehen hat.
Neugierig geht das Erdmännchen da hin, wo der Glanz her kommt.
Es ist ein großer Stein, der in allen denkbaren Farben glitzert und glänzt. Viel glänzender als sein braunes Fell und sogar glänzender als das Meer bei Sonnenlicht.
Das Erdmännchen nimmt den Stein in die Pfoten.
Der Stein glitzert so wunderschön, dass es seine Augen gar nicht von ihm lassen kann. So beschließt das Erdmännchen, den Stein zu behalten und mit nach Hause zu nehmen.

Auch Zuhause angekommen hat das Erdmännchen nur Augen für den Stein.
Im einen Moment glänzt er noch rosa, im nächsten grün, dann rot und dann gelb.
Das ist alles, was es je wollte.

Während das Erdmännchen den den Stein glücklich ansieht, klopft es auf einmal an seiner Haustür.
Es sind seine Freunde.
Schnell erzählt das Erdmännchen seinen Freunden was es gefunden hat. Dann zeigt es seinen Freunden voller Stolz seinen Stein.
Er glänzt in Lila, blau, türkis und rot. Dann rosa, grün, rot und wieder gelb.
Die Freunde staunen über diese Farbenvielfalt. Sie freuen sich für das Erdmännchen, weil sie wissen, wie sehr es glänzende Dinge mag.
Dann fragt der Adler, ob er den Stein auch mal halten darf. Dann der Elefant und dann die Giraffe.
Aber das Erdmännchen will den glitzernden Stein für sich behalten.
Es denkt, seine Freunde wollen den Stein haben und dann behalten.
Den Stein, der mehr glänzt, als das Meer, das von der Sonne geküsst wird.
Eigentlich wollten die Freunde heute was machen, aber das Verhalten von dem Erdmännchen war so doof, dass der Elefant, der Adler und die Giraffe sauer auf das Erdmännchen waren und keine Lust mehr hatten.

Das Erdmännchen schloss die Tür und legte sich mit dem in allen Farben glänzenden Stein in sein Bett.
Dort beobachtete es den Stein.
Er scheint noch mehr zu glänzen wie vorher.

So vergingen Stunden und Tage.
Immer, wenn seine Freunde etwas machen wollten, blieb das Erdmännchen zu Hause. Es wollte den glänzenden Stein ganz allein für sich behalten.
Die Freunde kamen immer seltener vorbei.
Dies machte dem Erdmännchen aber nichts aus.
Ihm war es viel wichtiger, den schönen Stein zu haben, als etwas mit seinen Freunden zu machen.
Denn es konnte sich noch immer nicht an dem Stein satt sehen.

Doch umso häufiger das Erdmännchen seinen 3 Freunden absagte, desto weniger glänzte und glitzerte der Stein.

Irgendwann kam niemand mehr vorbei, und auch der Stein glänzte kaum noch.
Bis er nur noch ein unsichtbarer Stein ohne irgendeiner Farbe war.
Dies bekam das Erdmännchen mit und fragte sich, was es falsch gemacht habe.
Es legte den Stein ins Wasser, doch das Glänzen kam nicht wieder.
Es rubbelte mit seiner Pfote daran, doch immer noch blieb das Glänzen aus.
Auch wärme brachte das Glänzen nicht wieder.

Traurig darüber, dass das Glänzen nicht mehr da war, saß das Erdmännchen nun alleine im Bett.
Nun vermisste es seine Freunde. Es erinnerte sich, wie schön es immer mit ihnen war. Und ihm wurde bewusst, wie doof es sich ihnen gegenüber verhalten hat.

Dann, ganz plötzlich, fing der Stein wieder ganz leicht an zu glänzen und glitzern.
Das Erdmännchen freute sich aber nicht besonders doll darüber. Es wünschte sich, dass seine Freunde dies mit sehen würden. Es würde ihnen sogar den Stein geben.
Daraufhin fing der Stein noch mehr an zu glänzen.
Nun verstand das Erdmännchen und es wusste, was nun zu tun war. Es nahm den Stein, und machte daraus 4 gleich große Stücke. Die Stücke teilte es mit seinen Freunden.
Diese waren froh, das Erdmännchen wieder zu haben.

Nun glänzte jedes Stück des Steines wieder, wie es zuerst geglänzt hat.
Aber das Glänzen der Steine wurde von etwas überstrahlt.
Und zwar von dem Glänzen der Augen des Erdmännchens.
Es war so froh, seine Freunde wieder zu haben.
Und ihm wurde klar: Es hatte schon vorher alles, was es je wollte.

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