Zur Bildung digitaler Wirklichkeiten

von Yvonne Zoll
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Umfassende Bildung – seit der Renaissance – ist doch gar keine Frage mehr (wert). Ein mehr und mehr und so weiter und so fort, ja, mit einem Klick eröffnen sich tausend neue Welten, Wissen und so weiter. Mobilität, Arbeit, strukturelle Herausforderungen – was für ein Wettstreit – auch Angst – vor dem Fortschritt? Dem Voranschreiten, dem Sprung in die Untiefe des drohenden Abgrunds? Das Grausen vor einem Aus-der-Hand-gleiten eines weit darüber Hinausreichenden, eines etwa nicht mehr kontrolliert kontrollierbaren uns Blühenden ja, was? Klar: Politik – eine Neufindung des politischen Selbstbewusstseins im Wesen des Umbruchs, des Einbruchs – Veränderung. Hmm: Tausend Fragen – entwickelte Utopien als Antwort… Ach ja, dann doch besser: Ausruhen und Entspannen: RELAX! Das kann man ja auf den bekannt berüchtigten schwimmenden Universen – so man gewillt ist, sich der entsprechenden Unterhaltungsindustrie hinzugeben, bzw. sich in den mit dem Strom schwimmenden Massen einzureihen, die da durch gewisse Metalldetektoren nur vorübergehend gebremst, den durch die Abwrackprämie entsorgten Diesel auf dem unbewacht überwachten Parkplatz gelassen, sich nun an Bord der als supergünstig gepriesenen – sogar mit einem fad schmeckenden Butter- bzw. Mayonnaise-Brot, was für eine Sonderleistung, ausgestatteten – konservenähnlichen kerosinbetriebenen Sardinenbüchse zu begeben. Die Fließbänder der Mülltrennung entwickeln sich doch dynamisch und so entstehen neue Wirtschaften und Arbeitsplätze! Was für eine Herausforderung für die nicht aufgehende Kompensationstheorie, die in den industriellen Prozessen zur Konkurrenz eben nicht mehr geblieben, nicht auszugleichen und verteilbar ist… wie, das ist Faktizität – oder das Postfaktum der Berührungslosigkeit? und damit beginnt die Besteigung des 8 000ers, die aber ein nicht linearer Prozess ist. Somit bleiben eben die erhaltenen Systeme stabil, woran auch keine Chance auf eine andere Möglichkeit etwas ändern kann – oder will. Geringgeschätzte Tätigkeiten werden ja durchaus von Robotern erledigt, während andere verantwortungsvoll von nicht verallgorythmisierbaren Wesen ausgeführt werden: So kann man in seiner Freizeit eben die Freiheit sich nehmen, nur die Arbeit auszuführen, die gleichmäßig Spaß macht und in der Natur des sich selbst zu verwirklichen wollenden denkenden Wesens liegt! Ein Juchhu – so wird das Ende der klassischen Arbeitsteilung eingeleitet, die kapitalistische Logik gefährdet. Man führt sich in der eigenen ökonomischen Logik logischerweise selbst in die Irre – und verändert sich über den Nonsens der Selbstbeweihräucherung der offensichtlich digitalen Selbstverwirklichung zur Selbstausbeutung, da man sich über die Strukturen im Netz, das Optimum herauszuholen nun den Gipfel der individualisierten Glückssuche zur vergesellschafteten Theorie intermedialer Wirklichkeit macht – eben zum Sklaven dieser alt-neu-bekannten Welt – weltanschaulich wie ökonomisch – die Landung im gar nicht allzu fernen Mittelalter: Punktlandung in einer auseinanderbrechenden Pluralität vielfältigster Varianzen verschiedenster Facetten individuell erlebter wie erlebbarer Wirklichkeit: Sinnhaftigkeit und Sinnstiftung – das wäre zu sondieren – oh, welch frommer Wunsch -(k)ein Wort zum Sonntag...

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Kommentare

20. Jan 2019

Das mit der virtuellen Putzfrau funktioniert!
(Die putzt zwar nie - doch sie kassiert ...)

LG Axel

20. Jan 2019

Danke, Yvonne, für den wirklich guten Essay. Selten kommt man der Wahrheit so nah wie Dein Text.

LG Annelie

20. Jan 2019

Dreimal gelesen, gestaunt, so komprmiert, wortstark - da steckt alles drin, woüber ich auch sinniere, oihne es so formulieren zu können, Hut ab, Yvonne ...

LG Marie

20. Jan 2019

Meinen herzlichen Dank für eure aufmerksamen Kommentare. War schon spät, als ich diese Zeilen in einer halben Stunde runterschrieb, im Halbschlaf nach einer Talkrunde im TV...

LG in den sonnig klaren frostigen Sonntag

Yvonne

21. Jan 2019

Auch ich musste DeinenText mehrfach lesen. Eine Wahnsinnsleistung! Ja, es ist der Stoff der Talkrunden und satirischen Jahresrückblicke. Aber es in so starken Sätzen zusammenzufassen... Hut ab.

Liebe Grüße, Susanna