Das Ziel

Bild von Alf Glocker
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Jetzt, nein, nachher, Quatsch, gestern habe ich es total aus den Augen verloren! Ich grüble und grüble, aber ich komm nicht drauf … Der Weg war’s jedenfalls nicht – nein! Definitiv! Aber wassss dennnn dannnnn? Wollte ich eine Schnecke heiraten, einen Stall Esel begründen, wollte ich eine südlich gelegene Landmasse kaufen? Ich glaube, ich wollte eine Schauspielerin schwängern. Quark, alle F. sind Schauspielerinnen?? Nein, auch wieder nicht! Schwul werden wollte ich vielleicht? Würg, nein, auch nicht! Komisch! Wollte ich komisch werden? Nein, das bin ich doch sogar geworden, ohne daß es was geholfen hat …

Geholfen? Wem? Wozu? Daß die Regenwälder zunehmen und die Barbaren ab? Wollte ich Urmenschen zivilisieren? Harharr – das, so habe ich herausgefunden, geht nur dann, wenn ich mindestens 10 000 Jahre alt werden kann … kann ich aber nicht. Ich kann nicht einmal meinen nicht vorhandenen Kindern eine Zukunft garantieren! Genau – deshalb sind sie ja auch nicht vorhanden! Wollte ich eine kompetente Überlebenskraft werden, die nicht davor zurückschreckt den Globus zu würfeln, um ihre Brut, und zwar ausschließlich IHRE Brut zu ernähren?

Dazu fehlt mir der Mumm! Während ich überlege, fällt mir ein, daß ich da drauf eigentlich einen Schnaps trinken müsste. Nun – Alkoholiker war, glaube ich, auch nicht mein Ziel. Drogen vielleicht? Hmmm, das würde meinen Aufenthalt erheblich verkürzen, also das Ziel, das wohl alle haben, etwas näher bringen. Ach so, dasss ist also mein, unser, euer Ziel? Warum benehmen sich dann manche so rabiat und meinen, sie müssten hier auf Erden noch schnell ihr Revier markieren, wenn’s eh nur vorrangig wichtig ist, auch wieder zu sterben, wenn man schon geboren wurde.

Nirgends ist ein Ziel in Sicht! Ich sollte vielleicht Seefahrer geworden sein – einer, der sich auf dem Ozean verirrt hat und kein Land mehr sieht, wohin er auch blickt. Hach, dann bin ich ja quasi einer. Mir geht’s doch genauso. Wie viele andere wollte ich vermutlich einen neuen Kontinent entdecken, Atlantis oder dergleichen, aber dann war’s auf einmal weg und die Karten dazu, und dann auch noch die Erinnerungen an eine Zukunft, in der verzeichnet stand, wo sich der sagenhafte Kontinent ewiger Weisheit und Freundschaft befindet.

Gut, gut, es soll da Leute geben, die immer schon gewusst haben, wo dieses Land zu finden ist, ohne je selber darüber nachgedacht zu haben: im Himmel! Der aber liegt im Paradies, oder andersrum. Wie ist jedoch, ganz genau betrachtet, egal, denn auf jeden Fall ist man dann tot wie Maus. Ob durch Falle oder nur für Katz‘, das spielt dabei keine Rolle. Man darf auch nicht so einfach dorthin. Vorher muss man schon noch eine Menge gearbeitet haben, sonst glauben einem die Engel an der Pforte rein gar nichts und man kann wieder gehen … in die Hölle, nicht zurück auf die Erde.

Alles hilft also nichts – ich muss mich erinnern. Was dachte ich, als ich 20 war? Huch, das sag ich dann lieber doch nicht. Lieber sag ich, was ich dachte, als XY war: Alles wird gut! Das bedeutet, daß JETZT alles gut ist! Stimmt, jetzt und immer NUR jetzt, ist alles gut. Ganz gleich was ich mache, ob ich gerade verhungere oder mich totfresse, ob ich an Liebe denke, oder glaube es gäbe sie, ob ich einen philosophischen Grundsatz postuliere, wie z. B. „Bildung macht keinen Menschen, aber der Mensch macht die Bildung“, oder irgendwas sonst – ich bin glücklich! Daran ist einfach nicht zu rütteln, wenn man ein Ziel braucht.

Wenn man keins braucht, steht man nackt am Südpol und wärmt Pinguineier. Dann geht man auf Vernissagen, stellt eigene Bilder aus, oder lobt Kollegen, man macht eine Lesung, oder bekommt etwas gelesen, die Leviten womöglich. Sorgen macht man sich, weil man nicht anders kann, über die Frau, Gott und die Welt, die derzeitigen Wetterkapriolen oder die demographische Entwicklung in den Ghettos der Riesenstädte, wo etwas heranwächst, gegen das der T-Rex ein Schoßechschen war. Dann macht einem das auch entweder so wenig aus, daß man Alpträume bekommt, oder so viel, daß man freiwillig an sinnlosen Projekten weiterschuftet.

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Kommentare

21. Jan 2019

Der WEG kann ja das Ziel kaum sein:
Wer schießt auf einen WEG?! Gemein ...

LG Axel