In Betrachtung des Leims – eine Satire

von Alf Glocker
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Was ist Leim? Kann man auf ihn gehen? Nicht auf jeden! Kaltleim z. B. verklebt Holz – wie Bretter vor dem Kopf? Kleben statt bohren heißt die Devise, aber verbohrt sein darf man ja trotzdem. Nur merken sollte man’s nicht. Kindisch darf man auch sein als Erwachsener (weiß jemand, was das sein soll, „erwachsen"?) und unreif im vorgerückten Alter. Das ist alles kein Problem. Man kann sich Beispiele nehmen – es gibt sie zuhauf. Irrwitzige Priester, geistesschwache Politik-Horrorclowns, denen es nichts ausmacht, die Gegenwart in ein Inferno zu verwandeln. Und völlig verblödete Wissenschaftler brauchen wir natürlich auch noch, denn krass agierende Wirtschaftsbosse reichen nicht aus, die Welt ins Chaos zu stürzen! Fortschritt auf allen Ebenen kann auch Rückschritt sein.

Hauptsache, es bewegt sich was – und wenn‘s nur die Würmer im Sarg sind … das ist schließlich auch Leben! Achte auf Sch-Leimspuren! Die meisten Helden an der Leimfront spielen Blindekuh mit sich selbst – sie drehen sich ständig im Kreis, nur um nicht aufzufallen. Schleimen ist gut für die Gesundheit – und am besten, wenn man sich gar nicht zu den Schleimern zählt, sondern sich im sicheren Hafen der Konformität wähnt, die man für den Widerstand gegen das Establishment hält. Das macht Laune. Unbeachtet durch eine gesunde Fähigkeit zur Kritik geht man auch noch der Werbung auf den Leim und schleimt weiter. Man bekommt’s doch gesagt: Ein Affe im Anzug ist kein Affe, sondern ebenso attraktiv und kompetent wie ein Mensch. Dompteure dressieren beide!

Dem Affen stellt man Bananen in Aussicht, dem Menschen einen Affen, der seinen Platz einnimmt, wo immer man ihn (miss)braucht) … den Affen, nicht den Menschen. Menschen werden nicht mehr gebraucht – sie leben viel zu bewusst. Wozu soll das gut sein?! Dressierbare Daseinsformen, oder eben gleich Maschinen, sind praktisch verwendbar – mehr ist nicht, mehr soll auch nicht sein. Aber wie mache ich das einem Menschen schmackhaft, damit er gerne ausstirbt? Ich lege überall Leimspuren, ich hänge Leimrollen von der Decke, ich deponiere Fallen voller „Geh-mir-auf-den-Leim“, wo es nur geht. Das verspricht hohe Gewinne und was tue ich noch? Ich fordere Schleim für den Leim! Wer nicht auf Befehl schleimt ist ein Verräter, ein übler Verhetzer, ein Täter!

„Wählt Leimsieder!“ Produziert selbst Leim für andere und stellt Wegweiser auf: „Hier geht’s zum Leim!“ Namen wie „Leimstraße, Leimallee“, oder „Leimweg“ weisen auf die Glückseligkeit der Fliegen, die nicht mehr ausweichen können, weil der Himmel voller Leimgeigen hängt … um nicht „Arschgeigen“ zu sagen. Denn Ärsche gehen am liebsten auf den Leim. Stühle sind damit bestrichen und Betten feucht von ihm – ihm auszuweichen ist nicht nur ein Verbrechen gegen die Konformität, sondern auch eine Kunst! Natürlich ist diese Kunst in leimverseuchten Ländern rechtschaffen unbeliebt, denn dem Leim auszuweichen wird nicht als eine Form der Geschicklichkeit angesehen, die anzuwenden von höherer Bedeutung sein könnte. Was Leim ist …

muss unbedingt Leim bleiben! Horrorclowns tragen ihn auf ihren Zungen. Sie wollen dich küssen, damit du ihren Wahlversprechen glaubst und an ihnen hängenbleibst, um zu vertrocknen. Denn, obgleich so ein Horrormund vom Horrorclown durchaus voller Schleim ist, droht jedem das pure Verdursten nach der freien Wahl, nach der Wahrheit ungeschminkten Seins, mit dem so ein Horrorclown ja nicht dienen kann, weil für ihn andauernd schwarzer Karneval herrscht. Hört auf die Botschaften der Blender! Leimt euch und alle, derer ihr habhaft werden könnt, und achtet nicht auf die Konsequenzen. Leimt euch die Bretter artig vor den Kopf, denn alles trägt jetzt wieder Bart – besonders die Witze! Auch sie sind schleimig, leimig und hängen an vielerlei Ruten.

Also macht keine anderen Umstände, kommt auch mit verunstalteten Anstalten zurecht: Leimt euch und lasst euch leimen! Denn der Leim ist ewiglich! Im Leim ist gut sein, wer nicht auf den Leim geht, dem geht alles daneben. Folgt den Leimspuren und ihr werdet einer großen Überraschung teilhaftig, denn nichts geht über den Leim, auch nicht die Hutschnur! Hier noch ein paar Zubereitungstipps – man nehme: ein Quäntchen Zuversicht, ein Pfund Dödelkram, ein Brettlein-verleim-dich, eine gewaltige Kriechpur aus Sch-Leim, einen halben Liter Kaltleim und einen viertel Liter gekochten Leim, aus Fleisch- und Fettabfällen, und kreiere daraus eine köstliche Leimsuppe, die einem im Hals stecken bleiben möge, so wahr uns Gott helfe. Dann lehnt euch zurück und k-lebt.

Acryl auf Karton
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