Auf dem Standesamt

von Alf Glocker
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Guten Tag, ich möchte bitte diese Gans heiraten! Wie bitte?? – nein, sie ist nicht dumm, nur ausgesprochen nett und für mich sexuell ungeheuer anziehend. Früher war ich mal schwul – zugegeben, eine durchaus ehrenwehrte Art zu lieben, aber mein Mann hat sich in eine Seeanemone verguckt und jetzt lebt er bei ihr unter Wasser. Als er mit ihr anfing fremd zu gehen, habe ich begonnen, ihn zu hassen, …,das darf man aber nicht.

Wenn ich mit der Gans verheiratet bin, möchten wir zusammen einen Schimpansen adoptieren und ihm zeigen, wie Nasalverkehr (auch als Nasenbohren bekannt) geht. Das möchten wir ihm gerne mit und ohne Toys demonstrieren. Wir denken, also vielmehr ich denke, daß ein Schimpanse das schon begreifen wird. Wir machen es einfach zum Schulfach im Privatunterricht.

Ob ich dann aber treu sein kann, wenn ich endlich mit der unblöden Gans verheiratet bin, kann ich jetzt sicherlich noch nicht sagen. Ich werde mir zwar keine Mühe geben, ich räume jedoch jetzt schon ein, daß mir Esel, Eselinnen, Tintenfische und Giraffen auch sehr gut gefallen. Was soll man da machen?!

Ich bin eben superpolyamor veranlagt und ich habe nicht vor, meine Veranlagungen zu verleugnen. Am meisten würde mir, wenn ich ehrlich bin, der Geschlechtsverkehr und die seelische Vereinigung mit einem geflügelten sächlichen Wesen, einem Engel also gefallen – und zwar nicht nur an Weihnachten oder erst im siebten Himmel, nein, jetzt sofort und gleich, auf der Stelle.

Noch sind Engel leider tabu, aber das wird sich doch ändern, nehme ich an. Die Welt wird von Tag zu Tag fortschrittlicher, so, daß man eines, nicht allzu fernen Tages, vielleicht auch ein Stück Luft ehelichen kann. Das mache ich dann kirchlich. Vor dem Traualtar stehend werde ich mich vom Priester fragen lassen …

„Wollen sie das hier anwesende Stück Luft heiraten und die Kinder im Glauben von Dings (egal) erziehen?“ Dann dürfen sie die Luft jetzt küssen! Und ich werde ihren Dunstschleier heben, die Lippen spitzen und mir einbilden, daß das Liebe ist. Was soll es denn sonst sein?! Es ist doch egal, wen oder was wir lieben, Hauptsache wir tun es – lieben.

So wird das Leben, Stück für Stück besser und freier und wohltuender für alle Sorten von Menschen, Tieren, Tiermenschen und Menschmeiertieren, überall, wo sich der Geist des Fortschritts verbreiten kann. Ich freue mich schon auf die ungeheure Bandbreite von bisher noch nicht entdeckten Möglichkeiten …

Vielleicht kann man sich ja, eines schönen Augenblicks, in einen Stern verlieben, ob er nun im Ehebett Platz hat, oder nicht. In diesem Fall könnte man dann entweder selber Schwarze Löcher bekommen, oder Ursuppen adoptieren – das Universum ist groß … und mitten drin ist einer, der sich fühlen kann als sei er ein/der Gott, der alles kann.

Dann bin ich sozusagen „omnipotent“. Das wollte ich immer schon mal werden … harharr! Das Leben ist eben ein Witz – man muss nur gut sein im Bärenaufbinden … Kuschelbären, Eisbären, Tanzbären und Gummibären. Jetzt aber mal ohne Sch…: Am allerliebsten würde ich mich sogar selber heiraten, wenn ich ich wäre.

Text und Bild ©Alf Glocker

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Kommentare

23. Jun 2017

Das ist ja jetzt witzig:
Gerade darüber (und nicht nur) wurde am Mittwoch in der Malgruppe geredet ...!!
Von deinem Einverständnis fest überzeugt, habe ich es geteilt.
Es wird dankbare Zuhörer/Leser finden.

23. Jun 2017

Krause liebt Fußball und Bier!
(Das Putzen nicht, das lässt sie mir ...)

LG Axel