Witzige oder weniger witzige Betrachtungen – je nachdem …

von Alf Glocker
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Jedes Jahr das gleiche Dilemma: was „mache“ ich im Fasching? Als was gehe ich im Karneval? Ich möchte doch auch mal wieder auffallen. Das ist heutzutage gar nicht mehr so einfach – es läuft praktisch schon alles ganzjährig auf der Straße herum. Ich könnte als ganz normaler Mensch gehen, der ist ziemlich selten geworden, aber wenn man mich fragt „was ist’n das für ein Kostüm, und sage, was es ist", dann könnte man eventuell auf die Idee kommen, daß ich die Mehrheit diskriminieren möchte und das wär mir nun auch wieder nicht recht. Was mach ich bloß, ja wasss?

Ich grüble und grüble. Es muss was sein, von dem jeder spricht, aber als das keiner geht … Vielleicht hat der Dachboden noch was zu bieten – dort steht meine alte Spielzeugkiste von anno dunnemals. Peng, da habe ich plötzlich eine zündende Idee! Die alte Spielzeugkiste ist doch noch voll von sogenannten „Pulverblättchenpistolen“. Die habe ich damals eifrig gesammelt. Ich wollte der bewaffnetste Cowboy der Welt sein … ein Patronengürtel ist sicher auch noch drin. Toll. Damals hab ich mir dabei nichts gedacht. Indianer war ich auch mal. Das ist auch fein.

Es müsste sich also sogar noch der Flitzebogen und ein Tomahawk finden lassen. Dazu das Gummimesser von David Bowie – oder hieß der Jim? Jetzt steht es für mich fest: Ich gehe als Narr! Nicht als Autonarr, nicht als Briefmarkennarr oder Frauennarr (=Sammler), nicht als Pokalnarr oder Urkundennarr, nicht als Geldnarr (mit einem großen Sack Münzen dabei), nicht als Arbeitsnarr (mit Hammer und Sichel behängt), nein, ich gehe als Waffennarr! Das macht Eindruck, da hat jeder gleich unheimlichen Respekt vor mir. Ich bin mir sicher, daß das gut ankommt.

Früher wollte ich ja zwischendurch Polizist werden, nachdem ich Frauenarzt, Bischof, oder Kernphysiker wieder verworfen hatte. Doch, nachdem ich mich, bei Polizisten und den Zeitungen, erkundigt hatte, was Polizisten so dürfen und was nicht, kam ich zu dem Schluss, daß sie eigentlich eher Zielscheiben als Waffenträger sind. Sie haben zwar eine mit … eine echte auch noch … aber gebrauchen dürfen sie die erst wenn sie tot sind. Weibliche Polizisten haben‘s sogar noch schwerer – die müssen sich vorher auch noch beleidigen lassen. Das war also nichts!

Und außerdem, fällt mir jetzt ein, bin ich ja auch gar keine Frau. Ich bin ein Dings, wie heißt das doch gleich? Egal! In Kürze bin ich jedenfalls ein „Waffennarr“. Zum Glück werde ich fündig. Vier Revolver, zwei Patronengürtel; Bogen, Köcher, Pfeile mit Gummispitze, ein Messer aus Plastik, ein Seeräubersäbel. Phantastisch! Und alles sieht so nach Spielzeug aus, daß man mich nicht verhaften kann. Die längst kaputte Schreckschusspistole meines Urgroßvaters lasse ich daher liegen, sonst könnte X oder Y auf falsche Gedanken kommen. Mordabsichten und so.

Einen Scherz möchte ich mir allerdings doch noch erlauben: Ich bastle mir aus Beuteln und Klopapierrollen einen Sprengstoffgürtel! Das wird mir den einen oder anderen verzückten Aufschrei einbringen. Ich bin schon sehr gespannt. Am liebsten würde ich ja noch eine riesige Pappmachékanone hinter mir herziehen … ein Modell aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg wär schön. Und weil ich grad schon so gut phantasiere: Ganz toll wäre natürlich ein Leopard-Panzer II. Aber da fällt mir ein – das wird man mir nicht abnehmen, denn die hat ja bereits alle …

… der Erdogan bekommen. Der ist nämlich kein Waffennarr, sondern ein verantwortungsvoll handelnder Erwachsener – was ich ja nun wieder nicht bin, nie war und nicht werden kann. Das muss ich schon den echten Persönlichkeiten überlassen, denen, wo man weiß, daß die nix anstellen wollen … wie der Erdogan z.B. Eine Rakete könnte ich noch herumtragen … Nein, auch das würde keinen guten Eindruck machen. Raketen dürfen nur die Fatah, die Hamas, oder der Kim Jong-un haben. Keiner würde diese Leute verhaften wollen, die sind OK! Ich aber nicht!

So langsam frage ich mich, ob das wirklich die richtige Verkleidung für mich ist, dieser „Waffennarr“. Irgendwie schäme ich mich, so angeben zu wollen – und dann bin ich mir auch nicht mehr ganz sicher, was ich damit bezwecken möchte? Die Waffenindustrie braucht wirklich keine Reklame – was sie herstellt spricht voll für sich, ist aber nur für Heilige gedacht, die nichts Böses wollen. Ich gehe deshalb als „Arbeitsplatz“! So was muss unbedingt bewahrt werden. Warum ich jetzt anscheinend Durchfall bekomme, kann ich mir nicht erklären. Kotzen muss ich auch gleich!

Warum? Weil mir eingefallen ist, was die Waffenindustrie machen würde, wenn eines Tages, vielleicht der größte Vertreter des größten Volkes auf Erden daherkommt und sagt, er benötige 50–100 000 Panzer von uns, um uns anzugreifen?! Könnten wir uns einen solch attraktiven Auftrag überhaupt entgehen lassen? Nein, „Arbeitsplatz“ ist auch nichts für mich. Ich werde mir Fesseln anlegen müssen und als „Freier Bürger“ gehen, oder ich kaufe mir gleich einen Schafskopf und glänze als „Wahlvieh“. Zielscheibe für Willkür ginge auch noch. Ach was – ich bleib zuhause!

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