Der Himmel überlegt

Bild von Karin
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Ich erwache viel später als sonst. Mein früher Morgen ist wohl schon vorbei?
Aber ich habe nichts verpasst. Der Nordwesten schickt ein dunkles Gewitter über mein Haus. Noch lugt es nur durch die Fenster. Schnell sichere ich draußen alles was noch fliegen könnte, nur im Hemd und barfüßig. Ich freue mich wie ein Kind. Immer ist es so, wenn die Naturgewalt sich spüren lässt. Schnell Kaffee gekocht und schon sitze ich mit der bergenden Tasse, eingehüllt in eine Decke im Schaukelstuhl unter dem Dach vor dem Haus. Bin dem Grollen und Blitzen so nah. Der kühle Wind berührt mich. Die Tropfen werden durch die Luft gescheucht. Ich genieße meine Hingabe. Die große Esche bekommt eine Wellnessbehandlung und sogar mein Auto wird spritzend massiert. Schon vorbei?
Beruhigend und finster der matte Himmel jetzt. Geduldig und stumm scheint er. Nur hier und da ein Murren noch. Ich erinnere das Himmelsblau von gestern. Aber der Himmel ist klar und demütig auch in diesem Gewittergrau. Gefüllt, fast anmutig, trotz seiner Schwere.
Und ich erinnere mich an unseren Streit. Ich flüsterte gestern, es sei nur ein Gewitter, bitte keine Angst vor dem Aus. Wenn du willst lassen wir die Sonne wieder scheinen. Wenigsten konnte ich dich wieder erreichen, aber noch ist es ganz still mit uns.
Als müsste der schwere anmutige Himmel überlegen.
Aber nein. Er wartet wie wir, auf das was kommt.

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