Am Horizont

von Sigrid Hartmann
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Dort am Horizont – er sah sie an mit großen, vor Angst geweiteten Augen. Sie kamen auf ihn zu, ganz langsam, denn sie wussten, dass er ihnen nicht entkommen konnte. Er drehte sich um und begann zu laufen, schneller, immer schneller versuchte er vor ihnen zu fliehen. Er drehte sich immer wieder um, in der Hoffnung, dass er sie hinter sich gelassen hätte, aber der Abstand wurde nicht größer, sondern kleiner. Kaum merklich nur, und doch konnte er ihre Gesichtszüge immer deutlicher erkennen. Hässliche Fratzen waren es, aus deren weit aufgerissenen Mündern ein schrilles Lachen drang.
Er war fast am Ende seiner Kräfte, als er die Menschen bemerkte, die neben ihm herliefen. Wo kamen sie so plötzlich her, fragte er sich. Die Menschen lächelten ihn an, nahmen seine Hände und zogen ihn mit sich fort. Er hatte das Gefühl, als könne er fliegen. Seine Beine berührten den Boden kaum noch und als er zurückschaute, waren die Dämonen fast verschwunden. Er wollte sich fallen lassen, doch er konnte es nicht. Zu groß war die Angst, dass sie ihn wieder einholen würden.
Er verlangsamte seine Schritte, bleib aber wachsam, überlegte sorgfältig, in welche Richtung er als Nächstes gehen wollte. Er hatte das Gefühl, dass er den Menschen, die ihm geholfen hatten zu fliehen, nun den richtigen Weg weisen müsste. Er war entkommen, er wusste, wie man es macht, er musste den anderen helfen. Dabei übersah er, dass es seine Dämonen waren, vor denen er geflohen war. sie waren noch immer da, hinter den Büschen am Wegrand hielten sie sich versteckt. Sie warteten auf eine Gelegenheit, sich ihm zu nähern. Er spürte sie, egal wohin er ging. Er glaubte noch immer ihnen entkommen zu können, wenn er nur weit genug laufen würde.
Verzweifelt versuchte er die Menschen, die bei ihm waren, dazu zu bringen, mit ihm zu gehen.
Er bat, er flehte, beschrieb die Schrecken, die sie alle gemeinsam erfahren würden, drohte, dass er und nur er sie erretten könne, erzählte von dem Unheil, das über sie kommen würde, wenn sie sich nicht an seine Anweisungen halten würden.
Die Menschen schauten ihn an, streckten ihre Hände nach ihm aus und versuchten ihn zurück in ihre Mitte zu ziehen, in der sie ihn beschützen konnten. Sie wussten, dass er die Dämonen nur besiegen konnte, wenn er sich ihnen stellte. Sie schauten ihn an und in ihren Augen spiegelte sich das Erkennen. Doch er sah es nicht ...

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