Das Prinzip MÖPF

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(MÖPF steht für ALLES, was uns fassungslos zurück lässt. MÖPF sagt man, wenn man baff, konsterniert, geplättet oder einfach nur total entgeistert ist. MÖPF ist die ideale Standard-Entgegnung, wenn vollkommene Sprachlosigkeit droht...)

„Es ist falsch, Franzose zu sein!“ (Dr. rer. nat. Al Bundy) Perfekte Entgegnung ist „Möpf!“ Perplex, verdutzt, verstört, verwirrt, konfus und bass erstaunt? ‘MÖPF!’

Dies signalisiert dann sowohl Zustimmung als auch Fassungslosigkeit! Auch, wenn Sie von der Materie null Ahnung haben, sagen Sie ‘Möpf’! Kommt gut! Und kommt stets richtig. Exakt richtig. Der Brite murmelt etwas von „just in time“. Mopfing. Das war britisch. Die Briten kennen kein „ö“. Aber das Prinzip Möpf! Sofern Sie das hier lesen sollten. Ist eher unwahrscheinlich. Aber doch immerhin „moglich“.

Sie kennen es sicher: In der Waschmaschine findet sich nur eine Socke. Schwer zu sagen, ob es die linke oder die rechte Socke ist, aber es ist eben nur diese eine. Was läuft da schief? Was ist da los? Wohin kann denn eine Socke schon groß verschwinden in einer relativ kleinen Trommel? Gibt es einen Sockenfraß? Oder Socken-Wichtel, die sich frechdreist bedienen, noch vor dem doch gern empfohlenen Bio-Waschgang? Mit der Hand wirbelst du die Trommel herum, du lässt sie langsam rotieren, du bewegst sie schnell, doch da ist keine 2. Socke zu finden. Weg. Einfach verschwunden. Gute 136 Minuten zermarterst du dir dein Hirn, dann gibst du auf. Ein Mysterium. Sehr merkwürdig. Amüsant, belustigend? Nein, von wegen. Eigenartig, befremdend, höchst seltsam. Und arg beunruhigend.

Oder dies: Beim Umfüllen Ihrer 19 Tabletten und Pillen in hierfür eigens bereit gestellte Töpfchen und Röhrchen fällt Ihnen eine ASS 100 zur Blutverdünnung auf den Boden. Und obschon Sie die kleine Pille noch fallen sehen konnten, und obwohl Sie das zarte Aufschlagen auf dem Boden deutlich hören konnten, wird diese verdammte Dreckstablette nicht gefunden. Sie sind schließlich auf allen Vieren unterwegs, unter dem Küchentisch, sichten alle Ecken, finden diese Pille einfach nicht. Entrüstet, entkräftet und entnervt geben Sie auf. Erst sehr viele Tage später, der reine Zufall, fällt Ihnen bei einem Rundblick ein kleiner weißer Gegenstand auf, der sich unter Ihren Küchenschrank geschlichen hat, sehr weit entfernt vom Küchentisch. Wie ist das Teil dorthin gelangt? Wie in aller Welt ist so etwas nur möglich? Unter den Küchenschrank??? Und war ich nicht auf allen Vieren unterwegs, hatte alle Bereiche der Küche gesichtet? Und hatte ich nicht auch unter diesen Schrank geschaut, eher nur beiläufig, denn so weit konnte die Mist-Pille ja kaum gehüpft, gesprungen sein... Doch, verdammt, das konnte sie... Peinliche Szenen gehen Ihnen durch den Kopf. Sie, mit den Händen den Boden abtastend, später sogar noch mit der Handy-Ultra-Taschenlampe, Stufe III, alles ableuchtend, nichts... Verdammich eins, wie ist das bloß möglich? Mit dem Schicksal hatten Sie gehadert: „Jetzt suche ich aber wirklich nur noch diese verfluchten nächsten 30 Minuten lang, auf keinen Fall länger...“

Letztes Beispiel: Wohin ist Ihre Maske verschwunden? Sie gingen aus dem Haus, wohl wissend, dass Sie immer eine Mund-Nasen-Schutzmaske in der rechten oder linken Tasche des Parkas parat haben. Eben wollten Sie die Apotheke betreten, um neues ASS 100 zu kaufen, da konstatieren Sie: Keine Maske dabei. Wie kann das sein? Wohin ist die Maske verschwunden? Gestern war sie noch dort, in der Tasche. Links oder rechts. Macht ja nichts, diese blöden Masken zwei- oder auch dreimal zu tragen, verdammt. Wer soll das kontrollieren? Was bleibt Ihnen übrig (Peinlich!), Sie müssen den Pullover bis über die Nasenwurzel ziehen und stürmen die Apotheke. Sofort werden Sie von einem aufmerksamen Mitarbeiter darauf hingewiesen: „Sie können hier nicht ohne Maske rein, mein Herr!“ Ach ja? Wissen Sie, was ich hier zu kaufen gedenke? Eine Scheiß Mund-Nasen-Schutzmaske. Du Oberlehrer aus dem Heer all dieser Oberlehrer! Sie verlassen gedemütigt jene Apotheke. Woher jetzt eine Maske bekommen? Ohne Maske! Sie sind daraufhin gezwungen, die Heimstatt anzustreben, um sich die Maske (sie hängt, natürlich, an der Wand, an einem Haken) zu holen. Hernach den ganzen Weg zurück, zu der verhassten Apotheke. Na, denen werde ich aber jetzt mal recht zynisch kommen da drin... Die werden jetzt gleich was erleben...

Und genau HIER greift das Prinzip MÖPF. Sie, als mein Leser, gehören natürlich zu den intelligentesten Wesenheiten dieses Planeten. Das ist selbstverständlich, unbestritten. Daher ist das Prinzip MÖPF auch genau für Sie gedacht. Nehmen Sie es cool auf. Nehmen Sie es locker hin. Denken Sie nicht darüber nach. Es ist eine Frage der Contenance und des Stolzes. Sie können es sowieso nicht ändern. Weg ist die Socke, fort ist die Pille, futsch ist diese teuflische Maske...

Kein Körper kann einfach so verschwinden. Das hatten Sie ja bereits in Physik gelernt. Belasten Sie demnach Ihren Kopf nicht mit solchen Dingen. Irgendwann taucht das Teil schon wieder auf. Eher morgen als heute, sicher, aber es wird in einem schwerwiegenden AHA-Moment auftauchen. Warum sich also einen Kopf darum machen? Haken Sie es für den Augenblick ab. Ist eh nicht zu ändern. Es gibt genug Wirrköpfe, die in abstrusen Winkeln nach dem derzeitig Verlorenen tasten, hilflos den geheimen Mächten ausgeliefert, kriechend, sich im Staub so entsetzlich demütigend. Sie gehören jedoch nicht dazu! Zu diesen Staub-Leuten.

Da Sie also rein gar nichts daran ändern können, verfallen Sie bitte nicht in den blinden Aktionismus, der, im Status eines wütenden Urmenschen, schnaubend vor Zorn, bis tief in die Nacht hinein sucht und sucht. „So? Das werden wir doch mal sehen, wer hier das Nachsehen hat! Ich jedenfalls gebe nicht auf!“ Dies Nicht- Möpf-Prinzipienreiter-Dumpfbacken-Vollpfosten-Hirn wird das jetzt doch so hart erarbeitete seelische Gleichgewicht verlieren, wird völlig sinnfrei sehr wüste Beschimpfungen gegen unsichtbare Gegner hinausschleudern, wird noch nach 6 Stunden zischen bei Berührung, altert jäh und verliert neben der Fassung auch die tiefe innere Ruhe, schwer antrainiert. Über diverse Übungs-Kassetten, über mehrere Bücher und auch über eine Menge DVD mit so verlockenden Titeln wie „Mich kann rein gar nichts mehr aus der Ruhe bringen!“ oder „Warum aufregen?“ und „Mir kommt gleich die Galle hoch!“ Spät in der Nacht, völlig erschöpft, gibt der Nicht-Möpf-Mensch auf. Die Lebenserwartung ist um volle 67 Tage gesunken und zudem hat sich die Hypertonie auf einen wirklich besorgniserregenden Level hochgeschaukelt. Socke, Pille und Maske??? War es das wert?

Ich kannte einst einen Mann, der das MÖPF-Prinzip voll verinnerlicht hatte. Der war starker Kiffer, in Wilhelmshaven. Und der hatte die Angewohnheit, alle Endstücke seiner Cannabis-Produkte einfach so auf den Teppich zu werfen. Er würde, zur rechten Zeit, davon profitieren. Eben dann, wenn kein Dope mehr im Haus zu finden ist. Dann musste er nur auf seinem Langflor herumtasten, schon würde ein Piece auftauchen. Dieser Mensch hatte mir damals sehr imponiert. Da wurde das Prinzip Möpf in meinem Kopf geboren.

Die fremden Mächte möchten Sie kontrollieren, uzen, foppen, necken, triezen, malträtieren, traktieren und piesacken? Na und? Lassen Sie es zu. Erschöpfen sich in der Regel an der eigenen Energieleistung, die aufgebracht werden muss, um Ihnen den Tag zu verderben. Indem Sie es stringent zulassen, verhungert der Gegner schamvoll. Sie SO zu sehen (heiter, gelassen, gelangweilt gar, ohne jede Furcht oder Verängstigung ob der doch immerhin äußerst merkwürdigen, recht befremdlichen Umstände, die das Schicksal auch heute mal wieder für Sie ganz persönlich bereit hält; komplett cool und überlegen!), ist für den Endgegner ein Affront. Wütend versteigt der sich zu immer gewagteren Plänen, deren enorm komplizierte Ausführung Ihnen jedoch nur ein müdes Lächeln abzwingt. Na und? Nur zu! Ich habe ja das Möpf-Prinzip! Mir kann nichts wirklich etwas anhaben...

Kaffeemilch auf dem neuen Rock, der neuen Krawatte? Ja und? Die Toiletten sind abgeschlossen? Das Museum hat heute geschlossen? Ein Bogestra-Streik verhindert, dass Sie Ihre Tante besuchen können? Der Hund pinkelt erneut an Ihren Weihnachtsbaum? Schon wieder? Der Nachbar vom Stock unter Ihnen hat die Tageszeitung erneut aus Ihrem Briefkasten gefischt, gelesen, und sie dann in recht peinlichem Zustand wieder in Ihren Kasten gestopft? Das letzte Party-Brot bei Penny ist soeben von einem Kunden, der sich dazu nicht einmal die Mühe gemacht hatte, einen Plastik-Handschuh überzustreifen, weggeschnappt worden?

All das sind wahre Katastrophen, richtig. Und dennoch tangieren sie Sie nicht im Geringsten. Keine Chance! Ihr Möpf-Prinzip greift immer dann, wenn bei anderen die Hutschnur hochgeht und die Galle hochkocht. Kurz vor dem Explodieren sind alle Umstehenden, denen ein Missgeschick widerfahren ist, nur Sie bleiben ruhig und erfrischend locker. Wie macht der/sie das nur? Tja, Sie haben Möpf, leider haben das all die anderen eben nicht. Und das lässt die noch viel mehr schäumen. Implodierende oder sogar explodierende Warmkörper rund um Sie. Aber sticht Sie das? Geht´s Ihnen nah? Mitnichten! Sie haben die umfassende Nonchalance und die extraordinäre Contenance gepachtet, dank Möpf!

Ob nun ein wissenschaftlicher Vortrag, von dem Sie nicht einmal im Ansatz etwas verstanden haben, ob der Hinweis des Gastgebers: „Bitte geben Sie uns die Ehre, diesen erlesenen Rotwein zu dekantieren, hernach ausgiebig zu kosten, und, falls er goutiert, ihn auch entsprechend zu beschreiben, nach Textur, Körper, Bukett und Charakter, natürlich nur, falls er konvenierte, wie bereits erwähnt...“, wobei der Hausherr besonderen Wert darauf legt, eine eventuell adstringierende Note deutlich hervorzuheben, sollte sie dem Genuss anhängig sein. Eher komplex, üppig und samtig weich, fruchtig und blumig? Nun halten Sie Ihr Referat, vierundzwanzig erlauchte Weinkenner lauschen geflissentlich. Ihnen, der bislang lediglich TetraPakSangria mit dem Strohhalm einzusaugen gewohnt war.

All dies sind Möpf-Momente. Sie können sich jeglicher Verantwortung entziehen, Sie können alle Angriffe auf Ihre Integrität sehr cool abwehren, Sie können mit allen Unbilden des Lebens fertig werden, wenn Sie das Prinzip Möpf jetzt über ALLES stellen. Zwist mit dem Ex, Zoff mit dem Jetzigen? Ärger mit dem Vorgesetzten oder vielleicht (zum Jahresbeginn) ein heftiger, herber Kampf mit einer Flut von Rechnungen, eine höher als die andere? Sagen Sie laut MÖPF! Und Sie werden es bemerken: Eine Last fällt von Ihnen ab. Zwar müssen Sie die Rechnungen immer noch bezahlen, aber durch die Leichtigkeit des Seins fällt all die Bitterkeit von Ihnen ab, ja, es entsteht so eine Art „Kompromiss-Feeling“. Sie bieten, leichten Herzens, Ratenzahlungen an. Und gehen jetzt erst recht shoppen, obschon Ihre VISA Card bis fast zum Anschlag ausgereizt ist - nach all den Festtagen. Möpf!

Vertrauen Sie der Kraft des MÖPF. Es ist eine universelle Ur-Kraft, überwindet jede Grenze, übertrifft jede andere Methode, überzeugt JEDEN auch noch so hartnäckigen Leugner und jeden Verweigerer. Hat sich die neue Kraft in Ihnen richtig festgebissen, kann Sie niemand mehr besiegen! Sie sind gerüstet für komplexe Aufgaben und komplizierte Situationen. Sie haben noch mehr Socken. Sie haben noch viele weitere ASS 100-Tabletten. Also, was soll´s? Rufen Sie bereits zum frühen Morgen sich selbst ein fröhliches, Mut machendes MÖPF zu. Und geben Sie auch dem schlecht gelaunten Gegenüber beim Frühstück etwas davon ab. Es ist auch zu Ihrem ureigenen Schutz, denn die Dunkelheit wuchert überall. Meine inneren Sensoren sagen: Deine, über die Dunkelheit und all die Angst hinaus wachsende Suche bedeutet lichtvolle Erinnerung, Rückbindung, Seelen-Plan, Lebensaufgabe, Berufung, Übung, Entwicklung und somit Potenzialentfaltung, es ist die tiefverwurzelte Suche nach dem Möpf. Findest Du das Möpf, hast Du die Möglichkeit, endlich loszulassen! Nichts kann Dir mehr etwas anhaben und wirklich rein gar nichts kann Dich mehr aus dem Gleichgewicht bringen!! Verinnerliche das Prinzip! Lebe danach! Alles wird gut! Sorglosigkeit dank Möpf!

Teufel eins, im Hof unten kläfft der Köter der gegenüber wohnenden Sippschaft bereits seit über einer Stunde. Kann den mal endlich jemand abstellen? Ich werd noch total zum Komplettaussetzer-Boogie-Irrwisch, wenn diese verfluchte Töle nicht endlich das verdammte Maul hält. Wie soll man denn dabei arbeiten? Sich konzentrieren? Ich schreibe hier an wohlfeiler Literatur für die mittleren bis gehobeneren Semester, zum speienden Berber! Solch ein Kläffer kann einem da den kompletten Tag vermiesen, Teufel eins... Wütend zerfetzte ich die bis dahin mit der Hand mühevoll geschriebenen 19 Seiten, echauffierte mich so stark, dass ich gute 80 Tropfen Baldrian brauchte, um einigermaßen Luft zu bekommen. Der Hund kläfft immerzu weiter. Das ist doch kein Leben hier! Na gut, ich schreibe den ganzen Sermon nochmals. Diesmal aber mit dem PC. Ach, liest ja eh keiner. Wozu all der Aufwand? Ist das ein Drecksleben... Lohnt das? Nee, das lohnt nicht...

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Interne Verweise

Kommentare

29. Dez 2020

Mein Nachbar nie mehr die Zeitung mir klaut,
Da Krause sonst IHN im Kasten VERStaut ...

LG Axel

06. Jan 2021

Nun lieber Gerd,

vielleicht gehöre ich gerade noch zu den mittleren Semestern, um Deinen Ausführungen gerne mal wieder zu folgen. Mit breitem Grinsen an Ähnliches erinnernd, die Sockengeschichten usw. ebenso die kleinen Dinger die just in dem Moment zu Boden fallen, wo gleichzeitig das Telefon und die Glocke an der Haustüre um die Wette zu läuten beginnen...

Über das alte Jahr im neuen Heim einigermaßen hinweggekommen, der Großstadt den Rücken kehrend, entschleunigter, ruhiger ganz in meinem Sinne.

Für das neue Jahr Dir viele Impulse -

die ich auch mir, nunmehr etwas vereinsamt wünschte.
Mein lieber lieber Mentor der erst vor wenigen Wochen von uns gegangen ist - er fehlt mir sehr und ich wünschte er wäre noch da, manchesmal glaube ich sogar, er sieht von droben auf seiner Wolke 7 auf mich hernieder... mit seinen gestrengen Maßstäben, die er immer an den Tag legte. Sein Credo: Nicht gescholten ist gelobt genug - (er kam aus dem Polizeidienst).

Herzlich liebe Grüße zu Dir,
vielleicht auch mal wieder direkt
Uschi