Vernarbte Seelen begegnen sich

von Gherkin Green
Mitglied

(Kein Reimzwang, keinerlei Versmaß, absolut keine nahe Verwandtschaft zur modernen Lyrik - und dennoch ist auch dies ein Gedicht! Doch, ist es!)

UNVERZICHTBAR

Tragische Figur, im Schatten der Zeit, qualvolle Einsamkeit, nur beißende Kälte ringsum.

Von Sinnlichkeit und Wärme, von Geborgenheit und Nähe zu träumen dennoch nie ganz unterlassen, letztlich...

Haushohe Wellen der lodernden Leidenschaft entstehen im verbrauchten, gemarterten Hirn; die schlaffe Hülle, der Körper, lässt müde es geschehen.
Böse Ahnungen folgen rigoros und somit auch folgerichtig bereits deutlich vorgeahnten Katastrophen - dennoch diese durch nichts gerechtfertigte HOFFNUNG...
Growing Confidence - durch nur EINE Begegnung. Denn da warst DU! Schockierend nah! Und so plötzlich.

Stolpernd, schlingernd und auch staunend hinein ins vorsichtig und diffus sich abzuzeichnen beginnende, schwindsüchtige Glück.
Ganz Kind, gefährlich naiv, reichlich unbedarft; so schütter wie das Haar die subtile Erwartungshaltung.

Viel zu spät der Ruf: „So hab´ doch ACHT, pass´ bitte AUF! Dies könnt´ ja auch ins Auge gehen...“

Erkenntnis, sachtes Begreifen, Hunger nagt, die Libido erwacht (erneut) nach schrecklich langem Schlafe - und doch: Lohnt denn dieser Aufwand, sprich?
Augen, Hände, kleine Wunder streifen zart und möglicherweise vollkommen unbarmherzig meine stille Sehnsucht, die tief verletzte Seele ebenso
(BIN ICH DENN BEREITS ERKANNT? JETZT SCHON? ES WÄRE DIE HÖLLE! DOCH WÄRE ES DAS WIRKLICH? Erkannt zu werden droht kategorisch!).

Nun besonders tragisch wirken im abstrakten Raum der Begegnung zweier Seelen, zweier Kinder, die ERWACHSEN SEIN gespielt hatten, endlich endlich,
nun also Seelenblut tröpfeln lassen im virtuellen Raum der nekromantischen Erfahrung und diabolischer Dämonie der vielen, grotesken Abhängigkeiten.
Jetzt gekonnt alle Register der Melancholie, der Schwermut, der düsteren Gedanken und des Trübsinns gezogen, du Meister des sich verdunkelnden Gemütes.
Wehre dich! Doch umsonst.

AUFWACHEN, du Held! Dies ist doch dein erstes Engagement seit vielen Jahren auf dieser Bühne - hey, versau´ dir diese Rolle nicht (sie ist wohl einmalig, Menschlein!)
durch vorgetäuschtes Contenance-Geplänkel und gleisnerische Meisterschaftsattitüde im Spiel der Spiele; ein ZUVIEL der Eitelkeit (weniger wäre hier MEHR gewesen,
du müder Boxer!) bricht den Zauber der subtilen Annäherung, bricht den Zauber des Erkennens, die Magie dieser Begegnung.

Grandezza - oft geübt vor blinden Spiegeln (ein Glück: Die übergroße Aufregung verdirbt den geplanten und dennoch nie so ganz erwünschten Untergang),
sie hat´s durchschaut - und milde lächelnd, wissend, nimmt sie deine feuchte Hand, du Schmierenkomödiant und Knallcharge, du - und sie küsst sanft dich
auf die fieberheiße, viel zu hohe Stirn.... du Schlüsselfordernder! Taumelst du? Nimmt dir das Glück den Atem? Schnürt dir die Kehle zu, lässt dein altes
Herz so heftig und bedenklich wummern? Fragend seufzen, ächzen - Seelenverwandtschaft erkannt.

Aus einer herben Niederlage doch noch einen Sieg zu machen gelingt in der Regel nur denen, die vor geheimen Schmerzen presslippig stumm geworden...
Ein Kämpfer vor dem Herrn warst du noch nie, warum also kämpfst du jetzt, da es doch um rein gar nichts geht als um das nackte Überleben in Liebe?!?

Sie scheint es wert; begehbar dies Land, so fruchtbar der Boden, zu tief jedoch vergraben liegt die gute Saat --- doch, sagt, wie steht es um den Sämann?
Müde, traurig, wenig elegant und deutlich angeschlagen zieht er seine Furchen auf dem vom Vater vererbten Acker. Schreien, ja schreien willst du ihm ins
leider frühzeitig taub gewordene Ohr:

„SO SIEH DICH DOCH UM! ERNTEN SOLLST, NICHT SÄEN DU, GEVATTER!“

Nun, immerhin - er hebt den Kopf, blickt irritiert, kostet nun mit trotzig gefurchter, nichts Gutes ahnen lassender Stirn, und mit äußerst skeptisch zur Schau getragener Miene, streng >>>

Himmel auch, Gewalt geschrien, was funkelt plötzlich da das trüb´ geword´ne Auge, POTZBLITZ AUCH:

Welch´ göttlicher Geschmack --- und dieser Duft gar! Diese Freude beim Verzehr! Welch unvergleichlicher Genuss! Jetzt also siehst du ihn lachend tollen,
so übermütig, den Bauern - du kennst ihn kaum mehr wieder... Dies entspringt der eigenen Furche? Dies göttliche Produkt der Natur? Ich selbst mag es
einst hier ausgesät haben, ich??? Glaube, Hoffnung - LIEBE! Fürwahr! Fürwahr!

UND FRAGE IHN NUN, GEH´, FRAG´ IHN, OB ER LASSEN MÖCHTE VON DIESER SEINEN UREIG´NEN HEHREN SCHOLLE...

„UNVERZICHTBAR“, wird er rufen, glücklich, unser Farmer, Land- und Ackersmann!

„SO UNVERZICHTBAR!“

1996 gezeichnet, ist also schon sehr alt, fiel mir aber erst vor kurzem wieder in die Hände. Es versinnbildlicht die Einsamkeit, denn obiges Gedicht: Traum
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Kommentare

15. Feb 2020

...und dann folgt unvermutet dieses Beweisfoto von der fliegenden, weisen Fata, köstlich!
LG Uwe

17. Feb 2020

Nun denn lieber Gerd!

Gedanken sind frei, oder etwa doch nicht?
Es gibt jedoch Gedanken für die man den Zoll mit der Herzensruh bezahlen muss (schon bei Nestroy...)
Es kann mitunter schon sehr erbaulich sein - das Spiel mit den Sinnen einem dieselbigen nahezu rauben !!!

In diesem Sinne - schönen Wochenstart zu Dir!
Uschi