Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 131

Bild von Alf Glocker
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131. Schritt

Der von den Schlachtfeldern ausgehende „Duft“ erzeugt ein Klima der Hilflosigkeit, der von Machern deshalb liebend gern eingeatmet wird, weil sie ihn für Zeichen des Erfolges halten.

Wie im Traum tanzen die Ereignisse einen Reigen vor, dessen Rhythmus die Seelen zum Schwingen bringt. Geister verschmelzen, Halluzinationen fügen sich, auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten, zu einem fulminanten Ganzen zusammen, in einen Zustand der viele Namen hat.

Einer davon heißt „Realität“, ein anderer „Sehnsucht“, ein weiterer „Sollerfüllung“, etc, etc. Alle Namen sind richtig und alle führen in etwas hinein, das sich unter einem einzigen Begriff wieder findet: Irrtum!

Nur wer nicht denken kann, der versucht daraus logisch erscheindende Verhaltensschlüsse zu ziehen, die immer die eigene Planung als Ursache für die Ereignisse sehen. Das nennt man „Vernunft“…

Die „Wirklichkeit“ sieht anders aus – sie ist wie eine Fatamorgana, wie ein verwehendes Idealbild im Sturm einer Epoche und wenn sie durchlebt wurde, dann bleibt von ihr nichts weiter übrig als eine ausgelutschte Vision.

Wir gehen durch die Nebel der Zeit! Angetrieben sind wir von vielerlei. In uns wirken verborgene Kräfte, die zwar von nichtreligiösen Gesellschaften erkannt werden, nicht aber steuerbar sind – auch von ihnen nicht. Von außen strömt der Zufall über uns herein…

Der Zufall, das ist eine Vielzahl von unerklärlichen Einflüssen, die ihn aus inneren und äußeren Betrieblichkeiten zusammensetzen, welche der Schöpfung entsprungen sind. Sie nach Gusto zu formen ist einfach nicht denkbar. Dafür sind sie viel zu unwirklich!

Wirklich ist nur der Betrachter. Er hält sich dort auf, wo die Gezeiten branden um zu erleben. Er genießt (oder so) den Ansturm der Blicke und Begehren, als das was er immer ist, darstellen soll, auf dieser Bühne, die heute ist und morgen vergangen.

Seine Macht sind die mitgebrachten Talente, die großen Geschenke der Eltern, die sich ebenso segensreich wie vernichtend auswirken können – für den Betrachter selbst und selbstverständlich auch wiederum für seine, ihn umgebende Welt.

Er belastet sich und andere unfreiwillig mit dem was er ist, sein möchte, sein kann, sein muss, mit der Unmöglichkeit sich selbst zu entfliehen, sich, wie auch den Talenten derer, die mit den seinen etwas anfangen können oder nicht. Er dampft, verdampft im Feuer der Leidenschaften.

Undeutlich, das heißt in genau dem Bild, welches er vor sich erkennen kann, vollzieht sich der Rummel des Seins wie ein Trancezustand aus dem ein Entkommen unmöglich ist. Diesen Zustand selbst zu beenden ist noch dümmer, als ihn mitgestalten zu wollen!

Man begegnet Monstern und Engeln, Holden und Unholden, Zeichen und Wundern, im Auf und Ab des Geschehens. Man stürzt in tiefe Schluchten und versucht vergeblich aufzuwachen. Man redet sich tausendmal ein, daß dies nur ein Traum ist, nur ein Traum sein kann, nur um zu erfahren, daß der Traum echt genug dafür ist, uns in die Strudel der Zeit zu reißen, in der man sich vielleicht fortpflanzen, aber auch und vor allem umkommen darf.

Schweißgebadet wachen wir tausendmal auf, nur um ergründen zu müssen, daß dies Erwachen ein Erwachen der Vorstellungskraft war, die uns – wenn wir Glück/Pech haben – gezeigt hat, was Erfindergeist ist. Dann träumen wir weiter, was uns zu träumen gestattet ist: die Person, als die wir uns zu erkennen glauben, weil uns ihr Schatten ein Leben lang nicht aus den Fängen lässt!

Titel: Medusa - Technik: Gouache, Stifte
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Kommentare

13. Mai 2015

Auch das Gemälde bekommt Applaus!
(Sieht fast wie Krauses Passbild aus...)

LG Axel