Der Käufer auf dem Flohmarkt - Page 2

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und herrlich, wenn leichter Wind die Blätter und Zigarettenkippen hervorhebt. Es ist ein Tanz der Natur und ein musikalisches Bühnenstück, das flüsternd singt. Seine innere Stimmung hebt ab und das Glück zeigt sich sehr deutlich. Sehr gruselig und unheimlich sieht das Parkhausbüro aus: Eine Wandschmiererei dekoriert das Büro, welches schon immer für Befürchtung gesorgt hat. Obwohl es früher ein Hafen-Container war, ist es heute sein Arbeitszimmer, das einen fesselnd gefangen hält. Das Parkhausbüro befindet sich auf dem ersten Parkdeck und steht in der Ecke des Parkhauses. Wer unwissend durch das Parkhaus fährt, wird den Hafen-Container als Abfallraum wahrnehmen und wird nachsinnend stolpern, dass man sowas überhaupt als Arbeitsraum bezeichnen kann. Ein Graffiti lässt das Büro abschreckend aussehen und dazu sehr abstoßend. Der Hafen-Container ist mit Sicherheit schon über fünfzig Jahre alt und steht seit unzähligen Jahren im Parkhaus. Er schreckt dennoch die Kunden nicht ab, dort hinzugehen. Denn ein Hafen-Container, der im Parkhaus steht, wirkt sehr unübersehbar und einladend. Das Parkhaus hat diese Aufmerksamkeit keineswegs gestört, aber die neue Wandmalerei, die über das Wochenende entstanden ist, ist sehr sehenswert. Mit Sprühdose wurde das Kunstwerk gemacht und dort steht es: „Höhöhö Marty McFly, Axel C. Englert und Alligatoah wäaren hiiiöör! Höhöhöhö!“ Der Urheber war anscheinend sehr durchtrieben und repräsentierte so seinen Namen. Der Hafen-Container wurde nun endlich benannt und das Parkhaus muss umbenannt werden. Unbekannt sind diese Namen nicht und mit Humor nahm der junge Mann diese Kunstfertigkeit, die tatsächlich sehr gut umgesetzt wurde. Jedoch bleibt noch die Frage offen, wer diese Malerei nun künstlerisch umgesetzt hat … Auch bleibt die Frage offen, wer das Kunstwerk wohl entfernen muss. Muss Arbeit alles ertragen, dann wird ein Arbeitnehmer leiden müssen. Die Reihenfolge und der Arbeitsablauf verwirren den jungen Mann und ein Anfang muss da beginnen, wo sich ein Ende zeigt. Unermüdlich und mit Ehrgeiz muss die berufliche Auseinandersetzung anfangen werden und die Jurones-Armbanduhr wird den Feierabend schon verkünden. Obwohl die Armbanduhr ständig falsch läuft, kann man sich auf sie verlassen. Die Arbeits-Wanderung ruft und Mut erweist sich nicht als schwierig. Schwierig kann nichts werden, wenn ein Akt der Arbeit bekannt ist. Ein Ablauf, und im gleichen Atemzug werden wie ein Ritual Probleme und Handlung beseitigt. Die Schlüssel für den Hafen-Container sind nicht weit versteckt: Eine Fußmatratze ist ein Versteck und ein Arbeitsgeheimnis. Wie dieses Versteck entstanden ist, ist kein Rätsel: Der Hafen-Container hat zwar eine Türe, aber dafür kein Türschloss. Aus Benimmregeln muss man vorspielen, dass die Tür verschlossen ist und wohl schon immer war. Wahrhaftig muss man eine Lüge zeigen, damit die Wahrheit sich sehen lassen kann. Immer hat der Arbeitgeber viele Augen, damit die Arbeit gewisse Disziplin erlangt. Unangemessen wäre es, wenn die Tür tatsächlich verschlossen wäre. Denn durch die Kundschaft wird diese Arbeit auch als Sport-Disziplin bezeichnet. Ein ständiges Hin-und-her-Laufen verschafft diese leidenschaftliche Arbeit und somit kann eine Tür ein Hindernis für den Arbeitsablauf sein. Alleine wird der junge Mann heute nicht sein, denn sein Arbeitskollege wird ihm heute Gesellschaft leisten. Die Erleichterung erzeugt eine kleine Hoffnung, und für ein paar Stunden muss er sie aufrechterhalten. Die ungewaschene und beschmutzte Fußmatratze verbirgt irgendeinen Schlüssel, der sich sowieso als unbrauchbar erweist. Nichtsdestotrotz nimmt der junge Mann den Schlüssel in die Hand und lässt schauspielerisches Talent spielen: Als er den Schlüssel in das Türschloss steckt, schaut er über die Schulter, ob gewisse Völker der Erde und die Erdbewohner zuschauen. Obwohl keine Sau da ist, ist er dennoch besorgt, ob sein Arbeitgeber zusieht. Zwischen den Baumblättern könnte er sich wie ein Partisan aufhalten und nach Kritik und Beschuldigungen ermitteln. Bevor die Tür aufgeht, erzeugt der junge Mann dabei Geräusche, als wäre die Tür tatsächlich verschlossen gewesen. Entschlossen und zielbewusst geht er ins Büro rein. Das Licht geht an und die Helligkeit wird im Raum verbreitet. Ein Hafen-Container bietet viel Platz und diese Räumlichkeit wurde bis zur Grenze ausgenutzt.
Gemütlich und behaglich sieht es aus, obwohl die Bequemlichkeit durch die Ernüchterung ersetzt wurde. Aus Playboy-Magazinen wurde ein selbstgemachter Kalender gebastelt und die schönen Frauen schmücken bemerkenswert die Wand. Sehr freizügig und erotisch sehen die netten Damen aus … Obwohl der Kalender aus dem Jahr 2012 ist, sind der Freigeist und die Kreativität deutlich zu erkennen. Mit Antik-Möbeln wurde der Raum ausgestattet und all die Elektrogeräte sind aus dem 20. Jahrhundert. Eine elektronische Datenverarbeitungsanlage für die Überwachung der Ein- und Ausfahrtschranken sieht sehr bescheiden aus. Eine Spielzeug-Registrierkasse scheint hier genügsam für das Geschäft zu sein, und ein Oldtimer-Computer mit Windows 98 sorgt für eine kleine Harmonie. All die Gegenstände führen jeden verführerisch in die Vergangenheit und fast schon könnte man den Hafen-Container als Museum bezeichnen. Diese Notwendigkeit wurde durch ein Muss für die Arbeit gezeichnet, obwohl ein Parkhaus-Geschäft wahnsinnig viel Geld erwirtschaftet. Eine Wirtschaftskrise wird vermutlich den Parkhaus verschonen, denn das Parken ist hier nicht günstig, sondern vorteilhaft für die sinnlose Geldausgabe. Einen wahren Vorteil hat selbstverständlich ein Parkhaus, den nicht viele Menschen begreifen: Einen Personalmangel kann es hier nicht geben, denn alles funktioniert selbstständig und zugleich automatisch. Die Geld-Ausgaben für den Betrieb belaufen sich nur auf Strom, Ausfahrttickets, Putzmaterialien, Benzin für die Kehrmaschine und Mindestlohn-Gehalt für zwei Parkhausservice-Mitarbeiter. Darüber hinaus könnten die Kosten für die Arbeitskleidung zusätzlich anfallen und, falls es passiert, wird der Antrag auf Arbeitskleidung einfach begründet abgelehnt. Wie es vor Monaten hieß: Unser Geldbudget ist ausgeschöpft und die Kosten müssen Sie selbst tragen. Die Arbeitskleidung muss auf der Arbeit getragen werden und gleich wird die Arbeit den jungen Mann erwarten. In wenigen Sekunden wird das Berufsleben eilfertig starten und vollendet wird es, wenn die Uhr erfreulich über Feierabend spricht. Die Arbeit kommt langsam in die Gänge und die Arbeitskleidung verwandelt den jungen Mann in eine Arbeitskraft. Kraft für die Arbeit kann er aufbringen und sein Namensschild verrät seinen Namen: Tim Käufer. Seine Sicherheitsschuhe sind nutzbringend, denn durch entstandene Unfälle sehen die Schuhe sehr verbraucht aus. Die Hose ist zu eng, verschmiert und verschmutzt. Die Benzin-Flecken am Pullover konnte er nicht entfernen und das Kleidungsstück wurde mit Sicherheit schon hunderte Male gewaschen. Nur sein Namensschild leuchtet vor Neuheit und spricht über irgendeine

Lektor: Axel C. Englert

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