Die Kunst in mir - Page 61

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Sie hier: Diese Leiche trägt einen Ring. Können Sie erkennen, ob das Gold ist?«
Sprach David Plau, der zusammen mit Robert diesen Ring an der Leiche betrachtet.
»Sieht nach … Nach einem Ring aus.«
Äußerte Robert sich dazu, der interessiert ist, wie man Gold per äußerem Anschein erkennen kann.
»Jeder Goldschmuck wird in Deutschland immer gestempelt, und die Zahlen 311, 333, 585, 750 zeigen die Karatzahl des Goldes. Diese Stempel lassen sich sehr leicht fälschen. Doch die Chemie ist höchst zuverlässig! Mit Salzsäure und Kohlensäure kann man nachsehen, ob es echtes Gold ist; ob das Schmuckstück nur mit einer Schicht Gold übergezogen wurde, und ob das Gold hochwertig ist. Mit einem Prüfstein für Gold kann man ein Schmuckstück daran reiben, und wenn das Gold sich leicht abschleifen lässt und an dem Prüfstein haften bleibt, dann ist es echtes Gold. Zudem hinterlässt echtes Gold viele gelblichen Streifen und kleine Linien am Prüfstein, weil das Gold im Inneren nicht so zusammengezogen ist wie irgendwelche Metalle. – Vor langer Zeit hat der König von Syrakus, der ein griechischer Herrscher war, eine Krone aus reinem Gold für sich anfertigen lassen. Er hatte bei der Krone sehr große Zweifel in Bezug auf ihre Echtheit. So beauftragte er den Mathematiker Archimedes, der die Krone überprüfen sollte. Ergo platzierte Archimedes die Krone auf einer Waage und legte auf die Gegenseite ein Stück aus purem Gold, welches dasselbe Gewicht wie die Krone hatte. Dann stellte er diese Waage in ein mit Wasser gefülltes Gefäß, und stellte fest, dass das pure Goldstück schneller im Wasser versank! Somit konnte er die Echtheit der Krone kontrollieren, denn die Krone war nur an der Oberfläche mit einer Goldschicht übergezogen, und verglichen mit anderen Metallen hat Gold bei gleichem Gewicht ein geringeres Volumen. Somit erkannte Archimedes, dass die Krone im Inneren aus anderen Metallen bestand.«
Schilderte sehr ausführlich und freundlich David Plau, der erneut und schicksalhaft eine weitere Frage aus dem Jobcenter-Eignungstest beantwortet hat: „Wie überprüft man die Echtheit von Gold-Schmuck?“
»Oh! – Die Geschichte war sehr interessant!«
Sprach wahrlich begeistert Robert, und David Plau erkennt an dieser glaubhaften Tatsache, dass Robert tatsächlich ein guter Zuhörer ist.
»Der dicke tote Mann hat bloß diesen Ring, der leider lediglich an der Oberfläche vergoldet wurde. Mit einer schwer herzustellenden chemischen Mischung könnte man das Gold leicht von der Oberfläche ablösen. Wenn man 80 oder am besten 100 Ringe gesammt hat, so kann man daraus ein Gramm Gold gewinnen. Ein Kilo Gold bringt 43.311 Euro ein! – Leider habe ich mir durch diese chemische Mischung die Finger versaut! Deshalb sollte man bei der Arbeit immer Handschuhe tragen!«
Erzählte David Plau, der beruflich nur Bestatter ist.
»Oh! – Für ein Kilo Gold bekommt man 43.311 Euro?«
Dachte Robert laut nach, der sich gemütvoll und insgeheim so einen Vater wünscht.
»Hahaha! – Für ein Kilo Gold braucht man zu viele Ringe, die mit einer Gold-Schicht übergezogen wurden! – Hier! Sehen Sie!«
Verkündete leicht begeistert David Plau, der sein Wissen und seine Ahnung mit jemanden teilen möchte. Gerade möchte er vor einem anderen Sarg bereits den nächsten Unterricht starten.
»Diese alte, reiche Witwe hat eine hübsche Halskette, an der ein paar Diamanten hängen. – Kein Mineral der Welt ist härter als der Diamant, der auf der Mohsschen Skala den 10. Härtegrad erreicht. Für eine Überprüfung der Echtheit kann man am Stein mit einem spitzen Gegenstand kratzen, und sollten auf der Oberfläche Kratzspuren sichtbar sein, so ist es kein echter Diamant. Auch das Licht verrät vieles: Die Reflexion des Lichtes strahlt einen einzigartigen Glanz aus, mit dem Repliken nicht mithalten können. Dafür braucht man ein gutes Auge und viel Erfahrung auf dem Gebiet der Diamanten! Neben den bekannten farblosen Diamanten gibt es auch farbige Diamanten, deren Tönung mit Störungen im Bau des Kristallgitters oder dem Einbau von fremden Elementen begründet wird. Doch allein die Farbe der Diamanten kann keine Echtheit begründen, sondern durch das Lichtspiel auf die Echtheit hindeuten. – Vor unglaublich vielen Jahren gab es auf der Welt eine wunderschöne Prinzessin, die von ihrem Verehrer einen Diamantring erhalten hatte. Der Verehrer der Prinzessin war ein gewöhnlicher Goldschmied, der den Diamantstein von seiner Afrika-Reise mitgebracht hatte. Der Legende nach soll der arme Schmied für die Prinzessin einen Ring angefertigt haben, der für ihre Verlobung mit einem anderen Adligen gedacht war, und als die Prinzessin den armen Goldschmied zum Zweck der Messung ihres Fingers und der Anprobe des Ringes besuchte, da erkannt der arme Schmidt in der wunderschönen Prinzessin seine wahre Liebe, die leider schon dem reichen Adligen versprochen war. Als die Verlobungszeremonie inmitten der reichen Gäste ihren Höhepunkt erreicht hat, betrat der arme Schmied die Szenerie, stieg auf die Bühne und hielt kniend vor all den Gästen der Prinzessin den großen Verlobungsring, der der Prinzessin seine Liebe offenbaren sollte.«
Sprach David Plau, der die schöne Geschichte anscheinend nicht zu Ende erzählt hat.
»Was ist dann passiert?«
Fragte spannungsvoll Robert.
»Ach, nichts … Die Prinzessin und der arme Schmied wurden gemeinsam lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil die Prinzessin den Heiratsantrag freudig vor den Adelsgästen angenommen hatte. – Doch dieser Verlobungsring hatte einen voluminösen Diamantstein, der der Legende nach fast so groß war wie eine ausgereifte Erdbeere! Viele Forscher und Archäologen wollen seit unzähligen Jahren diesen Stein finden, doch da die Prinzessin, der arme Schmied und ihre gemeinsame Liebe mitsamt dem Verlobungsring auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, hat noch niemand den größten Diamanten der Welt gefunden, weil die Leichen nie unter die Erde gebracht worden sind!«
Schilderte sehr unterhaltend David Plau.
»Oh …«
Dachte Robert laut und gefühlvoll nach, der nachhaltig an seine wahre Liebe namens Lisa denkt.
»Haben Sie eine Freundin, Herr Grimm?«
Erkundigte sich nett David Plau.
»Ja, schon … Nein …«
Äußerte Robert sich leicht betrübt dazu, der dazu immer noch an Lisa denkt.
»Hier, Herr Grimm! – Nehmen Sie diesen Diamanten! Die tote, reiche Witwe wird ihn im Jenseits nicht brauchen! Es sei denn, sie wird die Hölle gegen eine Kaution verlassen dürfen.«
Schlug David Plau wohlwollend vor, der mit einem geübten Handgriff den Diamanten angelt und ihn Robert freundlich überreicht.
»Herr Grimm, nehmen Sie diesen echten Diamanten. – Die reiche Witwe hätte es bestimmt so gewollt! Vorausgesetzt, sie würde noch

Lektor: Axel C. Englert

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