Die Kunst in mir - Page 8

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in die Hand gedrückt bekommt.
»Ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie mit einem IQ-Wert von 36 in einer Behindertenwerkstatt arbeiten sollten?«
Verkündete fast lachend die Dame, die Roberts „KiK“-Hose beim Verabschieden und Weggehen genau unter die Lupe nimmt.
»Ach, Herr Grimm! – Haben Sie Ihren Lebenslauf überhaupt dabei?«
Erkundigte sich geschwind die Dame, die für einen Augenblick große Freude verspürt.
»Mein Lebenslauf. – Der ist hier!«
Sprach erfreut Robert, der erfreut und launisch bleibt, weil er auf der Toilette beinahe seinen Lebenslauf für andere Zwecke eingesetzt hätte.
»Zeigen Sie ihn mir her! – Ja, gut … Da haben Sie aber Glück gehabt, dass Sie den dabeihaben. Sonst hätte ich Ihre Leistungen ohne Wenn und Aber gekürzt!«

Der nächste Tag bricht kurzerhand an und gibt dem Auftritt und der Darbietung seine Hand, die schwitzig und feucht zu sein scheint. Der nächste Tag beginnt mit Wenn und Aber strikt um 6:30 Uhr, und umkrempelnd existieren gegenwärtig viele junge Menschen in einem Raum, der auszeichnend und deutlich an der Tür „Die Kunst in mir“ heißt. Dass es Zimmer 311 ist, hat Roberts Auffassungsgabe beim Hinsehen auffasend und selbstredend nicht angefasst, sondern die Zahl „311“ mit unausweichlicher und unaufhaltsamer Kenntnislosigkeit ausgezeichnet. Die Zeichen an der Wanduhr verdeutlichen eine zweideutige und erfreuliche Aussage, die sagenhaft laut und donnernd darüber singt, dass sich die Leiterin der Maßnahme verspätet. Die späte Schadenfreude über ihre Verspätung und Abwesenheit wird nun gegenwärtig, und gegen Schadenfreude können die Arbeitslosen keinen Einspruch erbringen, sondern viele Sprüche über ihre Vorbildfunktion und das Zukunftsbild klopfen. Nun klopft jemand dröhnend an der Tür, der wohlwollend und maßlos die Maßstäbe der Manieren beherrscht … Es ist ein junger Mann, der den Raum voll Besorgnis und mit Befürchtungen betritt, weil die berüchtigten Jobcenter-Regeln keine Verspätungen ertragen.
»Hallo! – Es tut mir leid, dass ich mich verspätet habe!«
Rief der junge Mann durch den Raum, der viele Menschen enthält, die vor Freude und Vergnügung am Lachen sind.
»Hahaha! – Die Jobcenter-Invasion ist noch nicht da! Sie kommt zu spät!«
Rief ebenfalls eine junge Frau, die genau wie die anderen am Lachen ist.
»Hallo, Ben! – Hier ist Robert Grimm!«
Sprach Robert Grimm mit Begeisterung und Entzückung, weil sein guter Schulkumpel anscheinend dieselben Schicksalsschläge erlitten hat.
»Was geht, Robert!«
Brüllte vor Freude Ben, der eine Bierflasche in der Hand hält, auf der: „Bertha Krauses Zaubertrank!“ steht.
»Hummel, Hummel – Ben!«
Sagte lachend und erfreut Robert, der nun Ben die Hand reicht und die Bierflasche sieht.
»Hier, Robert! – Nimm einen Schluck! Es ist ‚Bertha Krauses Zaubertrank!‘«
Schlug Ben vor, der anscheinend nicht vor lauter Vorfreude sein Glück verspürt.
»Was? Nein, Ben! Hahaha! – Es ist 6:40 Uhr und du bist schon betrunken!«
Sagte Robert, der das Gespräch in eine Ecke verlegt, wo niemand einen Lauschangriff starten kann.
»Ach, das geht schon in Ordnung! – Hier, schau dir das an: ‚Stören dich die Geräusche auf dem Klo? Helfen dir dir neuen AirPods Pro!‘«
Verkündete der angetrunkene Ben, der einen Flyer in der Hand hält, auf dem die Biermarke, der Werbespruch und irgendwelche kabellose Kopfhörer abgebildet sind.
»Robert, halt dich fest! – Man muss nur 50 Bierflaschen an das Hauptquartier der Biermarke senden, und wenn man Glück hat, kann man die neuen AirPods Pro gewinnen! Wie geil ist das denn, oder?«
Offenbarte Ben seinen Zustand.
»Aber die Rede ist von Bierflaschen und nicht vom Trinken?«
Äußerte sich Robert lachend dazu.
»Scheißegal, Robert! Man lebt nur ein Mal, und man soll das machen, was man möchte! – Und wieso bist du hier, Robert? Wo ist unser Tim Käufer?«
Fragte Ben, der einen kräftigen Schluck aus der Bierflasche nimmt.
»Ach, ich bin hier, weil ich miterlebt hatte, wie eine Krankenschwester viele Patienten bestohlen hat. – Ist eine lange Geschichte, Ben!«
Antwortete Robert, der sich das Lachen nicht verkneifen kann.
»Und wo ist Tim Käufer? – Er sollte doch hier sein? Wo ist er?«
Erkundigte sich Ben ebenfalls nach seinem guten Schulfreund.
»Hahaha! – Unser Tim Käufer hat den besten Job der Welt gefunden! Er arbeitet in einem Parkhaus und muss bei der Arbeit den Stuhl warmhalten. Auch fährt er mit der Kehrmaschine im Parkhaus rum.«
Erzählte Robert, der nun seine Schulzeit vermisst.
»Die Schlampe im Krankenhaus! – Die solltest du anzeigen! Wenn Sie mein Geld stehlen würde, dann hätte ich die Schlampe schon längst angezeigt!«
Sagte Ben, der erneut das Bier kostet.
»Ja, egal. Es ist vorbei. – Hör mal, Ben. Ich muss dir was sagen, was ich gestern auf einer Behindertentoilette erlebt habe.«
Redete Robert, der sein Anliegen schleunigst jemandem schildern möchte.
»Ich habe mitgehört, dass das Jobcenter – Oh, schnell! Versteck das Bier! Die Jobcenter-Frau ist hier!«
Verkündete eilig Robert, denn die Jobcenter-Dame, die die „Die Kunst in mir“-Maßnahme leitet, ist soeben erschienen.
»Ach, das Bier! – Bald kommt noch mehr Hartz-Geld. Dann kaufe ich noch mehr Bier!«
Erwiderte der angetrunkene Ben, der die Maßnahmen-Leiterin widerwärtig und lästerlich mit einem betrunkenen Blick einschätzt. Schätzungsweise verleiht das Bier eine beeindruckende Tapferkeit, die nachrückend und bekräftigend etwas wagt, was seit langer Zeit auf der Seele verweilt. Ob nun Frust oder Zorn einfallsreich auf Bens Seele liegen, kann nur die Betrunkenheit offenbaren, die offensichtlich das Schweigen und die Zurückhaltung nicht mehr ertragen kann. Doch dieser ertragende und eindeutige Augenblick der Enthüllung hält sich zurück, und somit nimmt der betrunkene Ben memmenhaft neben Robert Platz, und platziert seine aussichtslose und nutzlose Anteilnahme auf einem Stuhl, der unter anderem auch der Bierflasche einen Platz gewährt.
»Meine Damen und Herren! – Meine Verspätung sollte euch nicht zur Nachahmung dienen!«
Sprach die Maßnahmen-Leiterin, die eine einleitende und wahre Freundlichkeit durch den Raum schleudert. Sie ist fast eine makellose Frau, die eine niedliche Ausstrahlung und Art ausstrahlt, die artige Gedanken mit vielen sensiblen Fantasien und in vielen jungen Männern hinterlässt. Doch hinter der Fassade und der Ausstrahlung verweilen ihre unbekannten Prinzipien, die prinzipiell eine öffentliche Wohlhabenheit bevorzugen, und bevor die Maßnahme beschwerlich ins Rollen kommen kann, zieht die Dame fesselnd und mitreißend ihre schwarze Lederjacke aus, die aussagekräftig zur Schau stellt, dass ihre körperliche Bauart aus einem guten Baum geschnitzt wurde. Aus irgendeinem Grund empfindet Robert gegen ihre schwarze Lederjacke eine konsumreife Anziehungskraft, die dieselbe Lederjacke mit Attraktivität und Faszination ergreift. Doch die folgenreiche Frage bleibt schlummernd und reichhaltig im

Lektor: Axel C. Englert

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