Ehrenamtlich engagiert - Page 9

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wird, wenn ich gewisse Informationen an sie weiterreiche. Und wenn ich sage, es ist die Polizei, was machen Sie dann?«
Sprach die wahre Dame, die unglaublich schön und doch so hässlich im Inneren ist.
»Dann … Dann kriegen Sie die Filme für einen kleinen Rabatt.«
Antwortete Wesley und wirkt eingeschüchtert.
»Und der wäre?«
Erkundigte sich die Dame.
»100 € für zwei Filme.«
Legte Wesley offen und begreift, dass die Dame sehr speziell ist.
»Hier ist das Geld!«
Sprach die Dame und übergibt das Geld. Dass diese Arbeit anspruchsvoll sein kann, hat Wesley vor zwei Monaten durch etliche Drogen-Filme erfahren, und diese schöpferische Inspiration kann nie erschöpft sein. Die Dame nimmt rasend schnell die Filme und nimmt ihre schöne Anwesenheit ebenfalls ansagend mit. Falls noch mehr Leute versehentlich erfahren, dass Wesley ansehnliche Geschäfte aufgebaut hat, wird entweder die Kundschaft sich heimlich vervielfachen oder heimtückische Leute werden das aufgebaute und errichtete Filmverkaufs-Lokal vernichten. Dass diese Möglichkeiten und Vermutungen schon passiert sind, sei so dahingestellt. Neben der Fensterbank steht sein Computer, der diese Konstellation erst berühmt ermöglicht und die bevorstehende Vermutungen in den Vordergrund rückt. Dementsprechend spricht kaum vernehmlich die Vernunft und besagt, dass ihr Echo uns alle irgendwann finden wird. Wieder findet ein potenzieller Kunde diese Film-Praxis und klingelt bereits an der Tür.
»Hallo, wer ist da …«
Sagte Wesley in den Türklingel-Telefon.
»Moin! – Ich brauche irgendeinen Film, der noch nicht im Kino läuft. – Bin ich hier richtig?«
Fragte ein Mann.
»Hier sind Sie genau richtig. – Ich mache für Sie die Tür auf!«
Verkündete Wesley und drückt auf den Knopf. Ein Mann geht die Treppe hoch und ist schon angekommen.
»Ich bin angekommen! – Endlich mache ich Sport und der Treppenlauf war schon sportlich genug.«
Erklärte ein freundlicher Mann, der das Gespräch sucht.
»Wenn Sie es sagen … Welchen Film möchten Sie gucken?«
Erkundigte sich Wesley Tagesarbeit.
»Wollen Sie mir vielleicht etwas anbieten? – Wissen Sie, die GEZ-Gebühren sind eine reine Frechheit und da zahle ich lieber viel mehr für die Filme, die noch nicht im Kino laufen, statt für irgendeinen Mist, der im Fernsehen läuft.«
Erzählt ein Mann.
»Ach, die Rundfunkgebühren … Ich kann Ihnen eine ganz brandneue Serie anbieten.«
Schilderte Wesley und denkt nur an das Geld. Dabei belächelt er die 10 € für die Rundfunkgebühren und stellt fest, dass er ein Reicher ist.
»Eine brandneue Serie … Um was geht es dort?«
Fragte der Mann.
»Weiß nicht! – Mittelalter und Drachen.«
Antwortete Wesley, der dem Mann unbedingt eine Serie andrehen möchte, damit das schöne Geld bewirtschaftet wird.
»Ich habe schon von Freunden gehört, dass Ihre Preis-Forderungen doch ziemlich hoch seien …«
Sprach ein freundlicher Mann.
»Kaufen oder ein Jahr darauf warten, bis die Serie im Fernsehen ausgestrahlt wird.«
Erklärte Wesley, der auch irgendwo das Recht hat.
»Wie viel möchten Sie für diese Serie haben, in der Drachen und Mittelalter sind?«
Erfragte behutsam der Mann.
»Für eine Staffel 650 €!«
Antwortete Wesley.
»Oh … Das wird wohl nichts. – Ich habe nur 50 € dabei.«
Offenbarte der Mann sein Budget.
»Für 50 € bekommen Sie eine einzige ‚South Park‘-Folge!«
Schlug Wesley vor.
»Ich bevorzuge eher‚Familiy Guy‘.«
Schilderte der Mann.
»Dann haben Sie einen schlechten Humor-Geschmack!«
Sagte Wesley und denkt, damit kommt er professionell rüber. Ein wahrer Verkäufer kann er nie werden und diese Verkaufs-Professionalität ist somit nicht vorhanden.
»Gut, da habe ich keine andere Wahl. Ich nehme dann nur eine einzige ‚South Park‘-Folge für 50 €. – Ich komme von weit her und habe mich extra für die Anreise krankgemeldet in der Hoffnung, dass ich einen Film bekomme, der …«
Erläuterte der Mann und wird beim Reden unterbrochen.
»Ja, ja, ja! – Ich habe dafür keine Zeit, die Kunden warten auf mich! – Zuerst das Geld und dann die Ware!«
Erzählte Wesley und nimmt das Geld. Angesichts der Frechheit, die Wesley ohne jegliche Absichten verbreitet, scheint er nicht zu verstehen, dass der nette Mann tatsächlich eine weite Reise hinter sich hat. Auch dafür, dass er sich bei der Arbeit krankgemeldet, damit er einen Film bekommt, der noch nicht im Kino läuft, ist Wesleys Einfühlungsvermögen doch schon im Grenzen der Intoleranz.
»Hier ist die ‚South Park‘-Folge, und wenn Sie irgendwann mal mehr Geld haben, können Sie mich gerne wieder besuchen! – Bitte erzählen Sie jedem, dass ich Filme verkaufe, die noch nicht im Kino laufen, und bitte bei ‚Tagesarbeit‘ klingeln. – Tschüss und bis bald!«
Verkündete Wesley und macht die Tür zu. Zu viele Menschen erstatten ihm einen Besuch, durch den Wesley täglich eine kleine und berechtigte Wohlhabenheit in außergewöhnlicher Manier erzielt. Außer der Habgier und der Angst besitzt er dennoch eine fühlbare Menschlichkeit, die aus unerwiderter Liebe und Zuneigung entstammt. Und das war der Beweggrund, sich in die Kriminalität zu bewegen, damit eine finanzielle Freiheit die gefangene und verlorene Liebe namens „Verena” erobern kann. Wie weit Wesley berauscht ging, kann er selber nicht begreifen, denn um alte Liebe geht es schon lange nicht mehr. Nicht ohne Arbeitsaufwand möchte Wesley diese Zeitspanne genießen und das Warten auf Kunden durch jene Arbeit zielstrebig ersetzen. Ein kurzer Blick auf den Monitor des Herstellers „Jurones” verrät, dass der Download-Manager seit zwei Wochen ununterbrochen Filme aus diversen Filmstudios runterlädt. Unter dem Monitor befinden sich noch weitere acht 500-GB-Festplatten, die mit Sicherheit und Gewissheit schon sehr bald voll werden können. Die Rechnung fürs Highspeed-Internet ist selbstredend bescheiden und auf solche Notwendigkeiten kann er nicht verzichten. Dementsprechend erscheint eine offizielle Arbeitslosigkeit als ein Verzicht der Aufopferung, die opfernd jeden Vorteil genießt! Für das Ausschneiden der Filmplakate und die anschließende DVD-Hüllen-Gestaltung hat Wesley Tagesarbeit nun die Zeit gefunden, doch eine selbstverständliche Pflicht und eine gewöhnliche Entscheidung wird eine krasse Wendung einschlagen. Ein Uhrzeiger schlägt gewöhnlich die nächste Minute an, und der Augenblick sagt beglückend und erhofft, dass ein Postbote sicherlich schon die Briefe vorbeigebracht hat. Jeder Postbote hat seine eigene Arbeitsstrecke, der er berufsmäßig nachgeht, und so wie der alltägliche Arbeitsablauf abläuft, so ist es ständig dieselbe und altbekannte Arbeitspflicht, die zeitlich gleich beginnt und ebenso endet. Ohne Hintergedanken und Vorahnungen beginnt die wiederkehrende Post-Holen-Strecke. Wieder kommt ein befremdliches Gefühl hoch, und ein Vorblick darauf, wie viele Briefe Wesley Tagesarbeit erwartungsvoll erwarten, kann kein Vorblick besagen und offenbaren, und ob der Briefkasten all die Postsendungen gut aufbewahren kann, möchte Wesley nicht

Lektor: Axel C. Englert

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