Kommissarin Ferlanger Teil 1 - Page 2

Bild von Sonja
Mitglied

Seiten

bei dem Einbrecher einen Zettel gefunden«, sagte Leo, »der muss oben noch am Tisch liegen.«
Ohne auf eine Reaktion der Beamten zu warten, eilte er zurück in den oberen Stock, wo der Einbrecher an den Stuhl gefesselt auf seine Abholung wartete. In dem ganzen Chaos wußte er nicht mehr, wo er die Sachen, die er aus der Jacke des Mannes herausgenommen hatte, hingelegt hatte.
»Was suchen Sie«, fragte der Polizist, dem der Einbrecher die Nase gebrochen hatte.
»Einen zusammengefalteten Zettel, den ich bei ihm gefunden habe«, war Leos Antwort. Mit den Händen fuhr er über die Tischplatte, warf ungelesene Magazine auf den Boden und hob eine Kaffeetasse auf. Aus den Augenwinkeln beobachtete er den Einbrecher, wie er am Boden etwas mit den Augen fixierte. Er folgte seinem Blick und fand nahe am Sesselbein hingestreut den Zettel.
»Da!« Leo hob ihn auf und bevor er ihn an die Beamten weiterreichte, faltete er ihn auf und überflog mit den Augen lesend, was darauf stand. Leo schüttelte den Kopf. Wörter bunt zusammengewürfelt, die anfangs für ihn keinen Sinn ergaben. Beim näheren Betrachten bemerkte er, dass es ein Erpresserschreiben war, das in einer wordcloud geschrieben war.
»Ich verstehe gar nichts! Ich bin nicht verheiratet und habe keine Tochter. Was soll das, du Scheißkerl!«
Leo schlug dem Mann auf den Kopf. Die Polizisten gingen dazwischen, bevor Leo völlig die Fassung verlor. Sie nahmen ihm den Zettel ab.
Unterdessen fuhr der Rettungswagen vor, mit dem der Einbrecher abtransportiert wurde. Zurück blieb Leo mit zwei Polizisten, denen er das Bargeld und die Autoschlüssel übergab.
»Es wird sich aufklären«, sagten sie zu Leo, als sie sich verabschiedeten. Dann stiegen sie in ihre Fahrzeuge und fuhren ab. Erst jetzt bemerkte Leo, wie erschöpft er war. Er rieb sich seine schmerzende Schulter und räumte sein Wohnzimmer auf, das ungewollt zu einer Polizeistation geworden war.

Am nächsten Tag läutete das Telefon. Es war das Kommissariat, das ihn bat, bei ihnen vorbei zu kommen für die Aufnahme der Aussage. Leo hatte keine Lust sofort.
»Ich muss mir zuerst die Schulter im Krankenhaus anschauen lassen, danach komme ich.« Unwillig legte er auf. Leo zermarterte sich das Gehirn, was dieser Überfall auf ihn sollte. Weder kannte er dann Mann noch wusste er etwas mit dem Erpresserschreiben anzufangen.
Kurz nach drei Uhr Nachmittag betrat Leo das Kommissariat. Er zeigte seinen Ausweis her und nannte dem diensthabenden Beamten den Grund, warum er hier bei ihm auf der Matte stand. Der Beamte war sichtlich übermüdet. Dunkle Ringe unter den Augen zeigten seine Übermüdung. Er war einsilbig, bemühte sich jedoch freundlich zu sein. Nach einem kurzen Telefonat, bat er ihn einen Stock höher zu gehen. Im Raum K1a wartete Kommissar Ferlanger auf ihn. Als Leo an der Türe K1a klopfte, konnte er durch die Türe bellende Gespräche hören. Gereizt schrie ein Mann einen anderen an und knallte, selbst durch die geschlossene Türe hörbar, einen Ordner auf den Tisch. Bei diesem Lärm konnte er Leos Klopfen gar nicht gehört haben. Deshalb trat Leo unaufgerufen ein.
»Können Sie nicht klopfen?«, fuhr ihn ein etwa fünfzigjähriger Mann an, dem das Hemd unordentlich aus der Hose hing und dessen Haare ihm fettig ins Gesicht hingen.
»Gerling Leo, schönen guten Tag, erstmals. Sie wollten wohl etwas von mir, wenn ich mich richtig entsinne«, fuhr ihm Leo über den Mund. Der Mann blickte ihn mit glasigen Augen an.
»Wohl einen über den Durst getrunken«, setzte Leo boshaft nach. In dem Moment betrat eine Frau, dunkelblond, schlank, attraktiv den Raum und reichte freundlich lächelnd Leo die Hand.
»Kommissarin Ferlanger! Danke Herr Gerling, dass Sie gekommen sind. Mit einem bösen Blick auf ihren Kollegen lud sie Leo ein mit ihr in ein anderes Zimmer zu gehen.
»Entschuldigen Sie sein Benehmen, er hat es momentan nicht leicht.«
»Das ist doch der Beamte, der gestern bei mir zuhause den Einbrecher zusammengeschlagen hat. Wenn seine Kollegen ihn nicht zurückgehalten hätten…. Nicht, dass ich besonders Mitleid mit dem Einbrecher habe, aber es gibt doch Grenzen!«
Die Kommissarin ließ sich auf keine Erwiderung ein, ihre Blicke sprachen Bände.
»Kaffee?«, sagte sie statt er einer Antwort.
»Gerne, schwarz, ohne Zucke!« Leo wartete darauf, dass die Kommissarin ihn einlud Platz zu nehmen. Sie reichte ihm die Tasse, ging um den Schreibtisch herum und deutete ihm mit der Hand an sich zu setzen.
»Wie geht es Ihnen nach gestern Abend?«
Leo zuckte mit den Schultern, wobei er sich mit der rechten Hand die verletzte Schulter rieb.
»Den Umständen entsprechend, der Arztbefund wird Ihnen auf das Kommissariat geschickt.«
»Gut! Können wir noch einmal den Ablauf des Einbruchs besprechen?«
Leo nickte zustimmend, während er einen Schluck vom Kaffee zu sich nahm. Die Kommissarin nahm sich einen Schreibblock für Notizen und holte den Bericht, den die Kollegen nach dem Einsatz ihr übergeben haben.
»Hier steht, sie haben die Polizei gerufen. Ist das richtig?«
»Richtig!«
»Laut dieses Protokolls haben Sie den Mann angeschrien, dass Sie nicht verheiratet sind und keine Kinder haben. Richtig?«
»Nicht ganz! Ich sagte, ich habe keine Tochter, was das andere nicht unbedingt ausschließt.«
»Also haben Sie Kinder?«
»Ja!«
Schweigen lastet im Raum. Leo sieht die Kommissarin teilnahmslos an.
»Was hat es mit dem Schreiben auf sich?«, fragte Ferlanger weiter.
Leo hob die Schultern als Zeichen, dass er keine Ahnung habe.
»Warum fragen Sie nicht den Einbrecher?« Leo begann schön langsam die Geduld zu verlieren. Das Schmerzmittel, das er im Krankenhaus bekommen hatte, machte ihn müde. Nach der aufregenden Nacht wollte er nach Hause und seinen Schlaf nachholen.
»Das machen die Kollegen«, war Ferlangers knappe Antwort. Sie trommelte mit dem Kugelschreiber auf die Platte ihres Schreibtischs, während sie nachdachte.
»Ich frage mich, was der Einbrecher bei Ihnen wollte, wenn Sie keine Tochter haben. Kann er Sie verwechselt haben?«
Wieder reagierte Leo wortlos, nur mit Achselzucken.
»Also, wenn Sie keine weiteren Fragen haben, denn alles andere steht sicher in Ihrem Protokoll, würde ich jetzt gerne nach Hause gehen. Sie haben sicher Verständnis, dass ich gerne für den Rest des Tages meine Ruhe haben möchte.«
Damit stand Leo auf, er wartete nicht einen möglichen Widerspruch der Kommissarin ab, sondern reichte ihr die Hand und ging durch die Türe. Ferlanger schaute ihm ruhig nach, knallte aber dann frustriert den Kugelschreiber auf den Tisch.
Kommissarin Ferlanger war eine Frau

Der Titel Kommissarin Ferlanger ist nur ein Schmutztitel, der genaue Titel des Krimis wird sich bis zum Ende herausstellen.

Seiten

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise