Das Klavierkonzert

von Max Dernet
Aus der Bibliothek

„Kommst du mit; Hermann? Ist Gratis!“ Ernesto wedelte lockend mit zwei Konzertkarten vor des großen Mannes Nase. „Beethoven, viertes Klavierkonzert, gespielt von der göttlichen Helene Grimaud und unseren Sinfonikern, von denen du auch schon einige unter den Tisch getrunken hast.“
Hermann schüttelte den Kopf.
„Du weißt doch, wie sehr ich mich langweilen kann, wenn’s drauf ankommt! Frag den Max, der ist weitaus lieber ergriffen als ich.“

„Dir täte ein wenig anderweitige Unterhaltung gut, ein bisschen Abwechslung vom Leben auf oder unter der Eckbank“, beharrte Ernesto.

„Wir sind nicht zu unserer Unterhaltung auf der Welt, sondern um zu unterhalten“, antwortete Hermann mit so tiefem Ernst, dass ihm die Tränen in die Augen traten.

„Wie selbstlos, wie edel unser Freund doch ist“, sagte ich und die Stimme wollte mir fast versagen vor Rührung.

„Stimmt!“, krächzte Ernesto.

„Ihr seid aber auch ganz nett!“, röhrte Hermann.
 In freundseligem Überschwang pressten wir unsere Köpfe aneinander und schworen, uns zu lieben und zu achten bis zum jüngsten Tag und noch darüber hinaus.
„Was machen wir jetzt mit den Karten?“ fragte Ernesto.

„Wirf sie weg“, sagte Hermann.
Bea kam an unseren Tisch.

„Schenk sie der Kellnerin“, sagte ich.

„Nenn mich noch einmal Kellnerin und du schläfst heut auf dem Sofa!“ sagte Bea.

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