Reise in die Vergangenheit

von Alf Glocker
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Für heute habe ich eine besondere Reise geplant: ich reise in die Vergangenheit! Ins Reich der Erinnerungen. Dafür setze ich mich auf die Schwingen eines Dämons, der mich, über den Sumpf der Gegenwart, in ein loderndes Feuer aus Irrtümern trägt.

Was jetzt kommt kann nur ich sehen! Es handelt sich um Szenen, die ausschließlich in meiner Vorstellung so existieren. Würde ich sie jemandem schildern, dann würde er sagen das sei doch ganz anders gewesen!

Deshalb lege ich auch großen Wert darauf, daß mich keine Menschenseele begleitet, denn ich möchte Wasser aus reinen Quellen trinken: aus meinen Quellen! Das gehört zu diesem Laborversuch.

Allen, außer mir unterstelle ich ausnahmsweise, daß sie sich in den Nebeln der Zeit nicht auskennen würden, ohne ihr eigentümliches Echolot, ihr Geschrei um nichts, das nicht von der Wahrheit, sondern von geheimnisvollen Rufern zurückgeworfen wird, in einen Kopf voller fehlgeleiteter Illusionen.

Diese Illusionen verleihen ihnen nicht nur Kraft, sondern auch Kleidung. Sie finden sich nur in ihren Uniformen zurecht. Es sind die Uniformen von Kumpeln. Und alle haben sie eine Art Grubenlampe, die stroboskopähnliche Halluzinationen aus Schwarzlicht erzeugt.

Im Schein dieser Grubenlampen haben sie ihre Aufgaben deutlich vor Augen – ich aber bin völlig nackt! Mit nur meinen eigenen Gefühlen bewaffnet taste ich mich vorwärts, wobei ich überall anstoße. Die Lampen der anderen zeigen mir währenddessen Fetzen ihrer Realität.

Meine Realität ist nirgends, nur in mir selbst! Äußere Eindrücke akzeptiere ich nicht! Halluzinationen sind mir zwar hinreichend bekannt, aber ich identifiziere sie als Alpträume, nicht als Informationsträger – jedenfalls nicht, solange es darum geht Wegweiser aufstellen zu wollen.

Aus den, meist schmerzhaften, Anstoß-Erlebnissen setze ich mir ein kreatives Bild zusammen, das mit der Zeit eine Welt bedeutet. Eine Welt, in der es keine Übereinstimmungen mit anderen Welten gibt. Und deshalb sind meine Schlüsse samt und sonders relativ falsch!

Die Gesamtheit der mich umgebenden „Realitäten“ – wo eine zur anderen gewisse Parallelen aufweist – ergeben, allerding lediglich durch diese Übereinstimmungen, ein relativ richtiges Bild, das jedoch, in Anwendung auf ein sinnvolles Endergebnis absolut unerheblich ist!

Denn das Endergebnis verliert sich im Rauschen der Zeit, den von ihm erzeugten Nebeln, weil es irren kollektiven Antrieben folgt. Alles zusammen könnte man auch als Theaterstück bezeichnen. Eines das den Vorgaben eines dubiosen Regisseurs entspringt.

Ich fließe, auf den Schwingen meines Dämons sitzend und genieße, ohne jemandem (nicht mal mir selbst) zu applaudieren, die Vorstellung. Sie ist insgesamt peinlich, denn eine endlose Kette von mir gemachter Fehler zieht sich, wie leuchtende Perlen, mein gesamtes Gesichtsfeld entlang.

Und ich glühe noch einmal auf, in der Romantik des Versagens, der Versagungen, der gereichten Lust-Speisen und diverser Körbe, der Verfolgung, Erniedrigung, auch in dem Spaß und der sich daraus ergebenden Verzweiflung.

Das Leben ist schön – denn ich verstehe! Kein Wassertropfen im Fluss, kein Sandkorn am Strand, aber auch kein Stern am Himmel zu sein, befriedigt mich über alle Maßen!

Die alten Plätze und Situationen gewinnen an Gestalt, verlieren an Wert, oder werden übermächtig intensiv. Auch ein wenig Trauer mischt sich in meine erneut durchlebten Stimmungen, denn alles ist, auch für mich, unfassbar geworden!

Die Körper und Landschaften sind durchsichtig, die Worte hohl, bedeutungslos das Geschehene! Trotzdem liebe ich die Gewölbe der Nacht, in dem sich die Akteure dieser ganz persönlichen Geisterbahn meiner Seele befinden.

Ich atme die Freude der Schöpfung, ich besinne mich – angeregt durch diesen Flug – auf mich selbst und versuche eines zu lernen: daß das Wichtigste im Leben nicht erlernbar ist. Denn alles kommt aus der Fantasie. Wer sie besitzt, der wird entdecken! Das ist vorrangig.
Jede Situation ist neu…

©Alf Glocker

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Kommentare

12. Feb 2015

Dennoch ergeben sich - hier und da - gewisse Muster.
Wahrscheinlich die "ein oder andere dich umgebende Realität", die sich für das Endergebnis als völlig unrtheblich erweisen wird...
(P.S.: In dem zitierten Satz von Dir könnte ein "s" das "allerding" komplettieren. Ist mir aber nur zufällig im Vorbeiflug während einer dieser unerheblichen Übereinstimmungen aufgefallen - ging zu schnell...ich hatte gerade eben noch so die Zeit, es aus den Augenwinkeln zu bemerken...wahrscheinlich war mein Elektro-Besen zu schnell...?)

12. Feb 2015

Keine Ahnung - ich hetze. Ich weiß nur, daß Dein Besen gut kehrt.

Und danke Axel

ich bin mal wieder in Eile...

LGs Alf