Vor dem Himmlischen Heerscharengericht (Ein absurdes Schauspiel in 3 Akten)

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von Alf Glocker
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1. Akt, 1. Szene

Überall nur Rauch! Der Rauch lichtet sich und ein Mann wird hereingeführt. Er glotzt verwundert um sich. Was er erblickt ist ein Gerichtssaal aus Wolken. Auf einer großen weißen Wolke vor ihm sitzt der Richter – offenbar irgendein Heiliger, oder mehr. Rechts neben ihm der oberste Staats- also Himmelsanwalt, auf einer kleineren, grauen Wolke. Links, auf einer winzigen schwarzen Wolke (kniend), der Verteidiger. Es handelt sich um einen Pflichtverteidiger, wie man dem Mann sagt, denn der Mann hat keine Pluspunkte vorzuweisen, mit denen er sich einen Star- sprich „5-Sterneanwalt“ hätte leisten können. No Coins, no Luck!

Der Himmelsanwalt fragt die beiden Engelspolizisten (Engeliszisten), die den Mann im Schwitzkasten hereinführen: „Was habt ihr denn da für ein verkommenes Subjekt angeschleppt. Die beiden Beamten antworten – aufgeregt mit den Flügeln schlagend – „Er ist einfach zu auffällig geworden, man hat zu sehr unter ihm gelitten, da haben wir ihn ent-abgeführt! Auf Erden würde man „Himmlische Gerechtigkeit“ dazu sagen.“

„Recht so! Name??“ donnert der Richter, von seiner Wolke herab. „Egon Ekel, Egon von Egoist kommend“ flüstert der Angeklagte, wahrheitsgemäß.

„Himmelsanwalt: „Das hätten sie nicht besonders zu erwähnen brauchen. Davon gehen wir aus!“

Richter: „Was sind seine Vergehen?“

Ein kleiner buckliger Gerichtsdiener kommt mit einem Bündel Akten unterm Arm herein, die er an den Himmelsanwalt übergibt. Der Gerichtsdiener ist nackt, rot gefärbt, hat einen Pferdefuß, Hörner auf dem Kopf und einen langen, dünnen Schwanz. „Hier, euer Ehrwürden!“

Mit ungeheuer erhabener Miene schlägt der Himmelsanwalt die erste Akte auf. Er knirscht hörbar mit den Zähnen. Dann sagt er sehr ernst: „Anscheinend haben sie schon im zarten Kindesalter gegen alle Regeln verstoßen! Ihre Eltern konnten sie einfach nicht richtig bändigen und erziehen. Sie haben sich willentlich selbständig gemacht, als sie zu denken anfingen – wenn man das überhaupt Denken nennen kann was sie taten, denn an ihre Eltern haben sie ja wohl nicht gedacht! Entspricht das den Tatsachen?“

Der Mann nickt: „Ja“.

Warum haben sie sich denn nicht gefügt, als man es von ihnen verlangt hat? Sie haben ja nicht nur die Eltern und das ältere Geschwister enttäuscht, sondern auch Lehrer und ranghöhere Freunde! Haben sie diese Personen denn gebührend geachtet?“

„Ja“.

„Aha“ wirft der Richter ein, „das ist aber eine dubiose Geschichte! Was trieb sie denn von Anfang an dazu, nur auf sich selbst zu hören und alle Aufträge, sowie die dadurch erreichbaren Zertifikate in den Wind zu schlagen? Sagen sie bloß nicht, es wären `Die inneren Stimmen` gewesen!“ Oder war es doch so?“

„Ja“.

Der Himmelsanwalt wird auf seiner grauen Wolke ganz unruhig: „Es ist doch offensichtlich, daß wir es hier mit einem böswilligen Arschloch zu tun haben, das einfach nie zwischen echten und unechten Aufgaben unterscheiden konnte!“

Das ist dem Pflichtverteidiger dann aber doch einen Tick zu hoch gegriffen. „Ein Spruch“ meldet er sich zu Wort. „`Arschloch` lasse ich noch gelten, bei `böswillig` muss ich zu bedenken geben, daß ich den Angeklagten für viel zu blöde halte, einen Sachverhalt genauestens überdenken zu können!“

Der Richter nickt weise. „Was sagen sie dazu Herr…dings?“

„Ja“.

Das bringt den Himmelsanwalt völlig auf die Palme: „Ich will nicht glauben, daß es diesem Subjekt gelingen kann, jetzt auch noch das allerhöchste Weltgericht der Himmlischen Herrscharen zu täuschen, wo ihm doch bereits der Betrug an allen Menschen, mit denen er bisher zu tun hatte, anzulasten ist. Sie müssten sich doch längst furchtbar geschämt haben, sie egoistisches Dings, sie!“

„Ja“.

„Dann schleudere ich ihnen mitten ins Gesicht, daß ich sie für unverschämt genug halte, sich in dieser Situation auch noch eine Partnerin zu wünschen, mit deren Hilfe sie sich von ihren eingebildeten Sorgen ablenken wollten! Ich hoffe ihre Eltern haben alles unternommen dies, mit vereinten Kräften zu verhindern! Ist das so gewesen?“

„Ja“.

„Und sie haben sich nichts dabei gedacht? Sie haben sich nicht überlegt, warum sich – aus ihrer Sicht – die ganze Welt gegen sie verschworen hatte. Sie haben, allen zuverlässigen Informationen ihren sogenannten Weg weiter verfolgt, so, als sei ihre Art zu Denken ein Geschenk, eine `Gottesgabe`?“

„Ja“.

„Es tut mir Leid, höchstes Gericht – müssen wir uns die unerträgliche Selbstdarstellung dieses Marodeurs überhaupt noch länger anhören? Können wir ihn nicht einfach verurteilen? Es ist doch jedem längst klar, worauf das hinausläuft! Der Pflichtverteidiger wird wegen Unzurechnungsfähigkeit auf Mildernde Umstände plädieren! Und wir sollen uns wieder einmal breitschlagen und Gnade vor Recht ergehen lassen? Das kann es doch nicht sein! Damit kommt der Himmelsanwalt zu einem vorläufigen Ende seines Eingangsplädoyers“.

Aber der weise alleroberste Richter des allerobersten Gerichts der Himmlischen Heerscharen bleibt ruhig, wenn auch nicht unbedingt gelassen: „Wir müssen einen gewissen Rahmen, einen Gewissensrahmen einhalten“. Gibt er zu bedenken. Die Aussagen der Sachverständigen stehen noch aus und auch die Gutachter, der vom Angeklagten verursachten Schäden wurden noch nicht gehört. Das Strafmaß kann also noch nicht festgelegt werden“.

Der Angeklagte, der inzwischen auf eine gefühlte Gesamtgröße von 30 cm zusammengesunken ist, blickt schuldbewusst nach oben, wo sich, in der Stratosphäre etwas sehr Ungewöhnliches ereignet: ein Gewitter! Der Egoist erschrickt fast zu Tode, denn hierbei kann es sich nur um die alleroberhöchsten Zeichen über dem allerhöchsten Himmlischen Herrscharen-Gericht handelt. Zeichen, die höchstwahrscheinlich untrüglich auf eine strenge Verurteilung hinweisen!

Wenn ihn jetzt noch etwas retten könnte, dann wäre es ein psychologisches Gutachten für eine latente Möglichkeit bei ihm, sich sofort nachhaltig und ehrlich ändern zu können. Aber das schließt selbst Egon Egoist schlichtweg aus! Er traut sich einfach nicht zu, jetzt noch, im vorgerückten Alter, ein anderer werden zu können, als der er ist!

Der höchstrichterliche Hammer unterbricht jedoch für heute das Verfahren: „Zur näheren Darstellung der Beweislage wird das Verfahren auf morgen vertagt!“

Die 2. Szene des 1. Aktes spielt sich in der Zelle des Angeklagten – einem dunklen Gewissensverlies, wo er mit einem imaginären Dämon ringt, der ihn für den Teufel hält – ab und ist daher nicht weiter erwähnenswert!

Zum besseren Verständnis, hier noch ein kurzer Auszug aus dem dramatischen Disput in der Zelle… Dämon tritt auf „Du Schwein!“ Angeklagter. „Hilfe!“. Dämon: „So ändere dich doch endlich komplett!“
Angeklagter: „Wie denn? Ich kann nicht!“ Dämon: „Unhold, wertloses Stück Scheiße!“ „Hilfe! – Du Nichts, du unendlich unwürdiger Abschaum – Hilfe – Wehr dich nicht, diene! – Hilfe!“Usw. usw.

2. Akt, 1.

Goldenes Zeitalter, Acryl und Gold auf Karton
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Kommentare

13. Feb 2015

Das ist direkt ein großes Werk!
(Auch DIESES Bild ist nicht grad Zwerg...)
LG Axel

14. Feb 2015

Ein Lachen löste sich aus der Betroffenheit,
Gelesenes wieder- und wieder zu lesen.
Vielleicht war es nicht an der rechten Zeit,
aber "man" ist sogar wörtlich zitiert gewesen!

In seiner Benommenheit ist ihm eines entgangen,
- vielleicht hat er dem rudimentär nachgespürt,
oder er ist in der Strafe gefangen? -
dass man ihm auf Fürsprache Gnade erwirkt.

Auch in himmlischen Sphären ist man nicht verloren,
es gibt immer noch Stimmen, die "für" einen sprechen.
Nicht alles hat immer sich "gegen" verschworen,
hat er Gewissen-Haft gebüßt, werden die Ketten brechen.

14. Feb 2015

...oder die Himmlischen Heerscharen setzen sich nur für den ein, der immer schön brav alles mitmacht...

Ich will ja die Engel nicht an die Wand malen, aber manchmal kommt es mir so vor

ich bin eben ein Gotteskämpfer

(in etwa:) Und der Engel des Herrn trat in sein Zelt und er kämpfte mit ihm

14. Feb 2015

Besser Gotteskämpfer als Gotteskrieger...
aber: War ich mit Deinem Kommentar überhaupt gemeint?
Wenn Du den "Daumen-hoch-Geber" gemeint hattest, war es richtig, diesmal hat nämlich AXEL vergessen zu voten! (Ätsch!)
MICH freut jedenfalls, dass Du ein ZELT hast und ENGEL in ihrer Existenz als Gottesboten anerkennst (grins), was auch immer Du dann mit ihnen machst. Unterschätze aber bitte weder ihre jeweilige Ausformung noch ihre "Kraft".

14. Feb 2015

Krause sollte für mich voten -
Hat sich verdrückt! (DIE Pfoten...)
(Musste es nun
Wieder selber tun!)
LG Axel

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