Warum der Osterhase bemalte Eier bringt

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Ein Märchen für Kinder und alle Junggebliebenen, die das Träumen nicht verlernt haben

In einer Walddisco feierte Henne Hanna mit ihren Freundinnen. Sie sangen und tanzten bis spät in die Nacht. Plötzlich erblickte Hanna einen jungen attraktiven Hasen. Sein Name war Lampe und Hanna verliebte sich bis über alle Federn in ihn. Lampe kam vorsichtig näher, seine langen Ohren standen einmal spitz auf, dann hingen sie in großem Bogen herunter. Sein kleines Hasenherz pochte vor Aufregung, als er Hanna sah. Und was soll ich sagen, beide verliebten sich unsterblich ineinander und heirateten. Die Freundinnen setzten Hanna über ihren Kamm einen weißen Schleier, den sie mit Blumen bestickt haben. Lampe konnte seine lustigen Äuglein nicht von ihr wenden. Unter dem Jubel der Freunde küssten sie sich und zogen als Ehepaar Hasenne in die kleine Behausung, die Lampe für sie vorbereitet hatte.
Es dauerte nicht lange und Hanna legte ein Ei. Lampe und Hanna horchten, ob sich etwas im Ei rührte. Und plötzlich machte »Knack», ein Riss entstand in der Mitte, dann brach oben das Ei auf und siehe da, ein Häschen schaute vorsichtig heraus. Hanna und Lampe konnten es nicht fassen, sie hatten ein Kind, einen bezaubernden kleinen Hasen, der einem Ei entsprungen ist. Sie hoben ihn heraus und knuddelten ihn. Sie liebten ihn über alles. Doch dann war die Zeit gekommen, dass ihr Häschen alt genug war, um in die Schule zu gehen. Hätten doch seine Eltern das nicht gemacht! Häschen wurde von den anderen Tierschüler ausgelacht, weil er während des Unterrichts ein Ei gelegt hatte. Es rollte vom Tisch zu den Pfoten des alten Hasenlehrers, der mit einer Weidenrute zornig auf Häschens Tischplatte schlug. Völlig verzweifelt lief Häschen nach Hause, sah seine Eltern gar nicht mehr an, knallte die Türe zu seinem Zimmer zu und saß traurig auf seinem Bett. In der Nacht schlich er sich heimlich davon. Der Mond leuchtete, als er durch den Wald lief. Als seine Eltern am nächsten Morgen nach ihm sahen, lag auf seiner Bettdecke ein bunt bemaltes Ei. Entsetzt stellten sie fest, das er weggelaufen war.
Häschen wußte nicht wohin und lief seiner kleinen Nase nach. Als er am Waldrand war, sah er in der Ferne die hohen Häuser einer Stadt. Häschen kannte doch nur den Wald und seine Bäume. Was sollte er tun? Er ließ seine Ohren hängen und schaute sich um. Auf einmal hörte er Getrampel am Waldboden. Vor Schreck viel ein buntes Ei aus seinem Fell, als er sich schnell unter einem Baum versteckte. Ein kleines Mädchen hüpfte tanzend durch den Wald und trällerte ein Lied. Wie angewurzelt blieb sie stehen, sie traute ihren Augen nicht. Vor ihren Füßen lag ein Ei, das rosa und blau gefärbt war. Während sie sich bückte, um es aufzuheben, blickte sie in ängstliche braune Hasenaugen. Sie lockte Häschen heraus und vor lauter Freude legte Häschen sofort wieder ein Ei.
Es kam, wie es kommen musste. Häschen wurde berühmt. Zeitungen berichteten: »OSTERHASE GEFUNDEN, Osterhase erobert die Welt»!
Häschen wurde zu Interviews eingeladen, er war jetzt jemand und er war stolz auf sich. Doch während er im Rundfunk sprach, fielen ihm seine Eltern ein, an die er lange nicht mehr gedacht hatte. Er schämte sich sehr, packte seine Sachen und nahm seine Pfoten unter die Arme, um zu ihnen nach Hause zu laufen. Als er dort ankam, öffnete er leise die Haustüre. Er wollte nachsehen, ob seine Eltern ihn überhaupt noch sehen wollten. Als Hanna und Lampe ihr Häschen unter der Türe mit seinem bunten Osterei sah, gackerte Hanna vor lauter Glück und Lampe raste durch den Wald und rief: »er ist zurück» ,»er ist wieder da». Dann umarmten sie einander, Hanna deckte den Ostertisch mit Karotten, Salat und Ostereiern.
Ja, und deshalb bringt der Osterhase allen, die an ihn glauben, bunte Ostereier, die er in der Wohnung und im Garten versteckt.
© SDR

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Kommentare

02. Apr 2021

Ja - wer nicht an den Hasen glaubt,
Hat sich der Phantasie beraubt!

LG Axel