Es hat nicht sollen sein

von Willi Grigor
Mitglied

Ich mein', es war gewesen
im Wachtraum, als ich schrieb
den Brief an jenes Wesen,
das in den jungen Jahren
sein Wesen in mir trieb.

Noch gut das Hauptwort "Augenstern"
ich im Gedächtnis hab.
Und auch das Reimwort "hab dich gern"
oft in den Jugendjahren
dem Herz Glücksstöße gab.

Der Brief - schon lang verschwunden -
mit seinem hellen Schein
in mir dreht seine Runden,
um mir zu offenbaren:
Es hat nicht sollen sein.

© Willi Grigor, 2017
Aus dem Leben

Dieses Gedicht hat eine interessante Vorgeschichte, siehe unten im dritten Kommentar-Kasten.

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Kommentare

01. Okt 2018

Tröste Dich, lieber Willi, sie hat Dich nur "gern gehabt" und nicht geliebt. Gulan hingegen liebt Dich, sonst wäre sie Dir nicht treu bis ins hohe Alter, bis zum Tod ... Das hat wohl noch lange Zeit, aber einmal müssen wir alle sterben, und das ist gut so.

Liebe Grüße an Gulan und Dich nach Schweden,
Annelie

01. Okt 2018

"Es hat nicht sollen sein"- und doch sind die Erinnerungen
gerade daran treue lebenslange Begleiter; schön geschriebenes Gedicht. HG Ingeborg

01. Okt 2018

Danke für Eure Worte Worte, Annelie und Ingeborg

Ich muss mich gar nicht trösten. Diese erste, unschuldige Liebe hatte ich schon fast vergessen, ist alles schon lange her.
Dieses Gedicht hat übrigens eine interessante Vorgeschichte. Kurz bevor mein guter Freund Günter 2012 in Düsseldorf starb, schrieb ich seine wahrlich bewegte Lebensgeschichte auf. Siehe literatpro.de/prosa/070916/ein-freund-uwe-seeler-heino-und-ich
Eine Zeitung in Düsseldorf schrieb einen Artikel darüber. Günter war ein Freund von Heino, der ja nur einen Steinwurf von uns weg wohnte. Heino machte die Bäcker-Lehre beim Bäckermeister Voss. Das "Wesen" in meinem Gedicht "Es hat nicht sollen sein" ist die Tochter dieses Bäckermeisters. Sie hat den Zeitungsartikel gelesen, sich meine Adresse besorgt und mir einen netten Brief geschrieben. Nach ca. 50 Jahren, toll.
Gullan ist über alles informiert, keine Sorge. Sie findet, das ist eine gute Geschichte.

LG
Willi

01. Okt 2018

Lieber Willi, ich habe auch nicht angenommen, dass Gulan nicht im Bilde sein könnte. In den meisten Fällen vergisst man irgendwann die erste Liebe, weil man sich ja weiterentwickelt, oft im rasanten Tempo. Meine erste Liebe würde jedenfalls kein Herzklopfen mehr in mir entfachen, und das finde ich gut.

LG Annelie

02. Okt 2018

Schmelzt hartes Eisen auf edelste Weise!
Also, was wird es erst noch meiner Seele antun?
LG Uwe

01. Okt 2018

Ein Brief bleibt eben lang im Sinn!
(Die E-Mail wäre längst dahin ...)

LG Axel

01. Okt 2018

Lieber Willi, ich hörte mal einen Amerikanischen Country Song, dessen Schlüsselbotschaft war, dass ein junger Mann, der Gott um die Liebe einer schönen blonden jungen Frau aus seiner Abschlussklasse bat ( und das Abend für Abend für Abend , quasi als sich wiederholendes Gebet) und dass dieser junge Mann 20 Jahre später ( er war nun mit einer anderen verheiratet) glücklich über die nicht-Erfüllung dieses Gebetes war. Manchmal sind die unerhörten Gebete Gottes größeren Geschenke an uns.
Es hat nicht sollen sein... Vielleicht zum Glück nicht sollen sein. Solche Erinnerungen sind dennoch schön und wertvoll. Ein wunderbares Gedicht von dir
alles Liebe nach Schweden
Anouk

01. Okt 2018

Danke auch an Euch für die freundlichen Kommentare, Uwe, Axel und Anouk.

Herzliche Grüße
Willi

14. Okt 2018

Vielleicht hat 'es' nicht sein sollen, aber zum Herz erwärmen und für eine schöne Erinnerung hat 'es' doch gereicht. Und für ein schönes Gedicht auch. Das macht 'es' kostbar.

Herzliche Grüße, Susanna

15. Okt 2018

Danke für Deine Worte, Susanna.
Ich habe in einer Antwort weiter oben die Vorgeschichte dieses Gedichtes beschrieben.
Es entstand, zusammen mit einigen anderen, nachdem ich nach ca. 50 Jahren einen Brief von diesem "Wesen" erhielt.

Liebe Grüße
Willi